Internationaler Tag der Freundschaft
Peter Maffay im Interview: "Freunde sind ein Geschenk"

Münster -

Vor fünf Jahren haben die Vereinten Nationen den „Internationalen Tag der Freundschaft“ auf den 30. Juli gelegt, um die Freundschaft zwischen Menschen, Ländern und Kulturen zu feiern. Zu diesem Anlass hat unser Redakteur Carsten Vogel mit Sänger und Musiker Peter Maffay gesprochen, dessen aktuelles Tabaluga- Album „Es lebe die Freundschaft!“ heißt.

Samstag, 30.07.2016, 09:07 Uhr

Peter Maffay hat im vergangenen Jahr das sechste Tabaluga-Album veröffentlicht und geht ab Oktober damit auf große Deutschlandtour.
Peter Maffay hat im vergangenen Jahr das sechste Tabaluga-Album veröffentlicht und geht ab Oktober damit auf große Deutschlandtour. Foto: Tobias Hase

Der 30. Juli ist der „Internationale Tag der Freundschaft “. Haben Sie diesen Tag jemals bewusst wahrgenommen?

Peter Maffay : Nein, aber es ist schön, dass es ihn gibt. 

Hinter Ihren Tabaluga-Alben stehen stets Konzepte: Glück, Zeit, aber auch Freundschaft...

Maffay: So ist es. Sie wissen, dass ich diese Geschichten nicht alleine erfinde. Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die daran basteln. Gregor Rottschalk zum Beispiel, der Hauptverantwortliche für das Texten der Lieder und Helme Heine, der maßgeblich für die optische Gestaltung ist. Und dann auch noch ich. Zudem gibt es noch viele andere Musiker, die Beiträge einbringen. Ein großes Team also.

Was bedeutet für Sie denn Freundschaft?

Maffay: Wir – also dieses Team – haben uns zum Ziel die Vermittlung von Werten gesetzt, die uns sinnvoll und wichtig erscheinen. Werte, die gerade in der heutigen Zeit eine wichtige Rolle spielen. Wir erleben ja leider tagtäglich, welche Konflikte Gesellschaften auf der ganzen Welt miteinander austragen und wie sie sich in unsere eingepflanzt haben. Freundschaft und der richtige – respektvolle – Umgang miteinander ist für uns der Wert, der gerade jetzt für die jüngere Generation wiederbelebt werden muss. Das versuchen wir mit der Geschichte „Es lebe die Freunschaft!“ zu stützen, in der ehemalige Feinde zu Freunden werden können. 

Das Thema Freundschaft findet sich neben Tabaluga auch auf anderen Werken, wie Ihrem Debütalbum oder auf „Steppenwolf“. Was fasziniert Sie so daran?

Maffay: Das, was alle – ich unterstelle das mal – fasziniert: Wir Menschen brauchen jemanden, der uns zuhört. In unserer Unsicherheit und Unzulänglichkeit benötigen wir ein Netz, in das wir uns fallen lassen können. Und ohne Gefahr zu laufen, dass das missbraucht wird. Kurz gesagt: Ohne Freunde wird niemand im Leben auskommen. Freunde zu haben, ist ein Geschenk, aber verbunden mit Verpflichtungen. 

Wie definieren Sie den Begriff „Freundschaft“?

Maffay: Selbstlosigkeit. In erster Linie also nicht an sich selbst, sondern an „den Anderen“ zu denken. Dem Anderen etwas Gutes zu tun, ohne einzuplanen, was es einem selbst bringt. 

In einem Interview haben Sie gesagt, dass Sie keinen besten Freund haben. Ich interpretiere das so, dass Sie niemanden bevorzugen wollen.

Maffay: Genau. Das ist so, als würde man Eltern nach ihrem Lieblingskind fragen. Jeder Freund hat seine Eigenheiten, seine Konturen, ist einzigartig: Deshalb finde ich es nicht ergiebig, eine Chart-Liste zu erstellen. 

Würden Sie sagen, dass in Ihrer Band Freunde spielen...

Maffay: Ja. 

... oder müssen Sie dort als Chef eine Distanz wahren, falls Sie mal jemanden “vor die Tür setzen” müssen?

Maffay: Das eine schließt das andere nicht aus. Es ist aber nicht einfach, zwischen Pflicht, Spaß und Freundschaft zu trennen. Das gelingt auch nicht immer, weil mit Freundschaft eine Menge Emotionalität einhergeht. Und die überdeckt manchmal die Rationalität. Wenn man jemanden „in den Wind schießen möchte“, es aber nicht kann, weil man ihn mag, dann kann diese Zugewandtheit die Sicht trüben. Man muss lernen, wie man damit umgeht. Dass man dabei Fehler macht, liegt in der Natur der Sache.

Live

19 Städte, 64 Shows – bis zu sechs in einer Stadt – die neue Geschichte „Es lebe die Freundschaft!“ des Tabaluga Rockmärchens kommt in die größten Arenen Deutschlands. Premiere ist am Freitag, 07. Oktober 2016 in Hamburg, Städte wie Dortmund, Oberhausen, Halle (Westf.) folgen. Tickets gibt es ab EUR 29,00 sowie für Kinder bis einschließlich 14 Jahren ab EUR 14,50 (zzgl. Gebühren) unter www.maffay.de , der Tickethotline 01806-570000 und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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Das impliziert auch, dass man als Freund verzeihen können muss.

Maffay: Das ist ganz wichtig. Ich glaube, „Verzeihen“ ist eines der schönsten und wichtigsten Wörter in unserem Miteinander. Ich habe einmal die große Ehre und das große Vergnügen gehabt, einem Mann zu begegnen, dessen Interpretation dieses Wortes ich einzigartig finde und der sinngemäß sagte: „Ohne zu verzeihen, gibt es keinen Neuanfang“. Das war Desmond Tutu. Das heißt, auch wenn es in einer Freundschaft knallt – was völlig legitim und wichtig ist, weil man sich wegen bestimmter Werte auch mal streiten muss –, dann kann man die Diskrepanz und die entstandenen Verletzungen wieder auf Null herunterfahren und versuchen, von vorne zu beginnen. 

Noch einmal zum Thema Rangliste: Ist der Lebenspartner nicht automatisch der beste Freund oder die beste Freundin? Oder anders gefragt: Kann man einem Freund etwas erzählen, was man dem Lebenspartner oder der Lebenspartnerin nicht sagen kann?

Maffay: (überlegt länger) Natürlich gibt es Lebenspartner, die gute Freunde sein können, aber das ist eine hohe Kunst. Ein Freund aber sollte ein übergeordneter Beobachter sein. Jemand, der einen neutralen Ratschlag geben kann. Wenn ich zu jemandem halte, auch wenn es die falsche Position ist, dann hat das etwas mit Loyalität zu tun. Die ist in einer Freundschaft genauso gefragt. Man muss nur aufpassen, dass Loyalität nicht blind wird und in der Konsequenz zu Fehlern führt. Denn dann vertieft sie möglicherweise den falschen Standpunkt.

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Bei Konzerten sprechen Sie das Publikum oft als „Freunde“ an. Das ist eine andere Definition, oder?

Maffay: Wenn man genau ist – und das versuchen Sie gerade völlig zu Recht – dann ist es ein zugegeben salopper Umgang mit dem Wort „Freunde“, aber kein leichtfertiger. Diese Ansprache ist eine Investition, eine Einladung, wie ein Freund zu agieren… 

Sie evoziert ein Gemeinschaftsgefühl.

Maffay: So ist es. Aber es ist deutlich anonymer. 

Anonym ist ein gutes Stichwort: Ist der Begriff „Freund” in Zeiten von sozialen Netzwerken nicht sowieso stark verwässert?

Maffay: Ehrlich gesagt, hat das für mich mit dem Thema „Freundschaft“ nichts mehr zu tun. Fans, die im Publikum sitzen, haben eine Kontur. Jemand der keine Kontur besitzt, kann kein Freund sein. 

Sie sind jemand, der sich sozial viel engagiert. Muss man nicht aufpassen, dass man Gefahr läuft, sogenannten falschen Freunden auf den Leim zu gehen?

Maffay: Diese Gefahr besteht täglich für jeden von uns. Außer wenn man Eremit ist vielleicht (lacht). Wenn wir offen sind und mit vielen Leuten zu tun haben, dann müssen wir damit umgehen können und lernen, dass es immer jemanden geben wird, der versucht, unsere Freundschaft auszunutzen. Wenn man nicht zu leichtfertig ist, dann ist die Gefahr, derart zu kollidieren aber gering. Es darf einen nur nicht daran hindern, offen zu bleiben. 

Es heißt ja: „It’s lonely at the top” oder „Erfolg macht einsam”.

Maffay: Ja, das kann so sein. Um es allgemeiner auszudrücken: Durch Termindichte und das Tempo des Alltags kann es passieren, dass man nicht in der Lage ist, eine Freundschaft zu pflegen. Das kann in eine gewisse Art der „Einsamkeit“ münden. Keine Frage.

Tabaluga-Boxset zu gewinnen
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Tabaluga-Freundschaftsbox Foto: PR

Wir verlosen drei Freundschaftsboxen von Peter Maffay „Tabaluga - Es lebe die Freundschaft!“ mit einer CD (Deluxe-Version mit aufwändigem Booklet), Postkarten mit Tabaluga-Motiven, Tabaluga-Schlüsselanhänger und Tischaufsteller mit Freundschaftskärtchen. Um an der Verlosung teilzunehmen, brauchen Sie nur unter der Nummer 0137 / 8 08 40 03 23 das Stichwort „Maffay“ sowie Name und Adresse zu hinterlassen. Ein Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet 50 Cent. 

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Was ist die längste Freundschaft, die Sie pflegen?

Maffay: Das ist leicht zu beantworten: Das ist mein Vater. Es gibt niemanden, der mit mir so eng und so lange zusammen ist.

Was fällt Ihnen spontan zum Thema „ Münster “ ein?

Maffay: Steffi Stephan (lacht).

Wir haben hier gerätselt, ob Sie oder Otto Waalkes Laudator für Udo Lindenberg in Gronau sein werden.

Maffay: Beides wäre denkbar gewesen. Inzwischen haben Udo und ich gut zueinander gefunden. Es ist eine der wenigen tiefer gehenden Beziehungen mit meinen Gesangskollegen, aber da Udo und ich keine Teenager mehr sind, hatten wir einige Zeit zu üben. Mit Otto noch etwas länger.  

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