Erzgebirge auf dem Weg zum Weltkulturerbe
Wo im Berg das Silber schlummerte

Annaberg-BuchHolz -

Es muss ungefähr so gewesen sein wie beim Goldrausch am Klondike in Alaska 1896. Im Jahre 1492 – am anderen Ende der Welt entdeckt Kolumbus gerade Amerika, das er allerdings für Indien hält – findet der Bergmann Kaspar Nitzel am Schreckenberg Silbererz, das viele Menschen ins Erzgebirge lockt. Eine Kommis­sion unter dem Herzog Georg dem Bärtigen von Sachsen beginnt 1495 mit der Planung einer neuen Siedlung. Als Gründungstag gilt der 21. September 1496 für die „Neu­stadt am Schreckenberg“.

Freitag, 05.08.2016, 19:08 Uhr

Schmuck: Schwarzenberg glänzt mit Rathaus und Schloss, das die Handwerkstraditionen der Region auffächert.
Schmuck: Schwarzenberg glänzt mit Rathaus und Schloss, das die Handwerkstraditionen der Region auffächert. Foto: Loy

Der von Hans Hesse 1522 geschaffene Bergaltar in der St.-Annen-Kirche in Annaberg-Buchholz zeigt auf seiner Rückseite nicht nur die Legende vom Silberfund, sondern zugleich eine faszinierende Gesamtdarstellung des frühneuzeitlichen Bergbaus. Vom Abbau unter Tage bis zur Schmelze und Prägung von Silbermünzen.

Der Altar und nicht zuletzt die prächtige St.-Annen-Kirche, in der er steht, belegen, wie die Region rund um das heutige Annaberg-Buchholz, das zuvor nur aus einzelnen Siedlungen und rudimentärem Bergbau bestand, wirtschaftlich emporschnellte. Der Silberbergbau brachte sagenhaften Reichtum. Ob das Erzgebirge , für Menschen mit Kulturverstand und Lust an Natur ein spannendes Urlaubsziel, auch künftig wieder so prosperiert wie zu den besten Bergbauzeiten, mag man bezweifeln. Zumindest aber könnte die Region 2018 als „Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří“ den Sprung ins Weltkulturerbe schaffen. Das brächte spürbaren kulturellen und touristischen Schwung in die Gegend zwischen Annaberg und Oberwiesenthal, Schwarzenberg und Seiffen.

79 regionale respektive lokale Bestandteile auf sächsischer Seite – Bergwerke, denkmalgeschützte Innenstädte, Kirchen, Gebäude­ensembles und vom Menschen geprägte Landschaften – und sechs vergleichbare Attraktionen auf böhmischer Seite repräsentieren die wichtigsten Bergbaugebiete beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze des Erzgebirges. Die 79 Elemente auf sächsischer Seite wurden zwischenzeitlich zum besseren Verständnis der regionalen Zusammenhänge zu 39 kulturellen Einheiten zusammengefasst.

Seit Ende der 1990er Jahre waren die Kulturexperten und -Politiker der Gemeinden, Städte und Kreise im Erzgebirge bemüht, auf den Zug Richtung Welterbetitel aufzuspringen, den das Bergwerk Rammelsberg im Harz bereits 1992 erhielt. Im Frühjahr 2016 wähnte man sich bei den Verantwortlichen im Erzgebirge schon kurz vor dem Ziel, doch machten die Gutachter des Icomos, des Internationalen Rates für Denkmalpflege in Paris, den Antragstellern klar, dass die Form des Antrages und die Präsentation der Kulturlandschaft noch nicht kohärent und plausibel sei. Für Matthias Lißke, Projektsteuerer des Welterbe-Vereins und als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge mit der Verantwortung des Unesco-Welterbe-Projekts „Montanregion Erzgebirge“ beauftragt, ist das kein Beinbruch. Zwei Gutachter des Icomos waren zuletzt im Erzgebirge und gaben Hinweise, wie der Antrag neu und stringent zu fassen ist. „Es geht um Integrität und Authentizität“, erklärt Lißke im Gespräch mit unserer Zeitung. „Jedes aufgeführte Einzelprojekt muss außerdem eingebunden sein in die montane Kulturregion.“

Den Antragstellern wurde zu ihrer Erleichterung beschieden, dass die historische und kulturelle Substanz für den Antrag vorhanden und der universelle Wert für das Erbe der Menschheit unbestritten sei. Der Rest, die Überarbeitung des 1500-seitigen Antrags, sollte nun nur noch redaktionelle Formsache sein. 2017 wird er nach Auskunft von Matthias Lißke erneut eingereicht, 2018 will die Montanregion Erzgebirge über den Titel jubeln.

 

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