Theater Münster: Generalintendant Ulrich Peters zieht Zwischenbilanz
Der „Glutkern“ eines Werkes

Münster -

Im „Literarischen Quartett“ habe die Autorin Thea Dorn es treffend formuliert, sagt Ulrich Peters: „Wo ist der ,Glutkern‘ eines Werkes, warum hat der Autor gerade dieses Stück geschrieben?“ Mit solchen Fragen konfrontiert Münsters Intendant deshalb auch gern die Regisseure, die er für sein Theater engagiert. Etwa wenn er daran denkt, eine Operette wie „Die Csardasfürstin“ in den Spielplan aufzunehmen: „Ich finde, da muss man diesen ,Tanz auf dem Vulkan‘ zeigen – ohne gleich Hakenkreuze auf die Bühne zu bringen.“

Sonntag, 21.08.2016, 17:08 Uhr

Generalintendant Dr. Ulrich Peters freut sich über merklich steigende Besucherzahlen im Theater Münster.
Generalintendant Dr. Ulrich Peters freut sich über merklich steigende Besucherzahlen im Theater Münster. Foto: Wilfried Gerharz

In der kommenden Spielzeit allerdings ist ein Musical dran, das Krimi-Stück „Curtains“. Eine Gratwanderung, wie Peters meint, denn die Handlung spielt im Theatermilieu – und damit könnte die Gefahr verbunden sein, dass nur Theaterleute es unterhaltsam finden. „Aber auch andere, denen ich das Textbuch zeige, sagen: Das muss man machen!“

Theatermilieu auf der Bühne gab es zuletzt im „Bajazzo“. Das Operndoppel mit „Cavalleria rusticana“ kam nicht ganz so gut an, wie der Intendant es sich erhoffte, zumal es sich eigentlich um populäre Stücke in einer durchweg gelobten Produktion handelte. „Aber sie sind in Münster so lange nicht gespielt worden, dass manche Zuschauern sogar irritiert fragten: Wie, zwei Opern an einem Abend?“ Ein großer Erfolg hingegen, und das kam ebenso überraschend, war „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, ein deutlich spröderes Werk. Peters hat sich mit seinem Schauspiel-Chef Frank Behnke darüber beraten, und beide kamen zu dem Schluss: „Offenbar zieht Brecht. Nach wie vor.“ Nach vier Jahren Theater in Münster ist für Dr. Ulrich Peters „der Münsterländer immer noch ein Geheimnis“. Weil das Theaterpublikum ihn auch auf schöne Weise überrascht: „Wir haben endlich die Marke von mehr als 200 000 Besuchern geknackt“, strahlt er, „das gab es zuletzt in der Saison 2002/03. Und dabei haben wir es den Leuten nicht immer leicht gemacht!“ Wie mit dem hochgelobten Tanzabend „Homo sacer/Sacre“, dessen sperriger Titel die Theaterfans nicht davon abhielt, nach einer kurzen Phase des Abwartens ins Große Haus zu strömen. Oder mit der von Peters ungeliebten Schauspielproduktion „Floh im Ohr“. „Selbst mit Mozarts ,Cosi fan tutte‘, der unpopulärsten Da-Ponte-Oper, hatten wir ausverkaufte Vorstellungen.“

Dass die aufregenden Zeitläufte der letzten Wochen keinen unmittelbaren Niederschlag im Musiktheater finden, liegt einerseits am langen Vorlauf in dieser Sparte: „Ich bin jetzt schon stark mit der Planung der übernächsten Saison befasst“, erzählt Peters, „und strebe mit dem neuen Generalmusikdirektor Golo Berg eine Art Fünf-Jahres-Plan an, wie ich es auch mit Fabrizio Ventura hatte. Wir denken an einen Zyklus von Märchenopern oder an Opern nach Filmstoffen, etwa ,Lola rennt‘.“ Andererseits vertraut er darauf, dass das Theater den Menschen verändern kann, ohne ihn mit der „Tagesschau“-Realität zu konfrontieren – und kommt wieder auf den „ Glutkern “ der Werke zu sprechen. „Wenn ich Verdis Spätwerk ,Falstaff‘ inszeniere (Premiere ist am 5. November), muss ich mich natürlich fragen: Warum steht am Ende eines Lebenswerks diese Komödie? Um dann zu sehen, dass Falstaff, der Künstler, schließlich sogar seinen ärgsten Gegenspieler, den Pfeffersack Mr. Ford, zum Singen bringt. Das kann die Kunst, das kann die Oper erreichen.“

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Die Theaterferien des Theaters Münster enden an diesem Donnerstag. Dann wird Generalintendant Dr. Ulrich Peters pünktlich um 10 Uhr seine Mitarbeiter und vor allem die neuen Akteure im Großen Haus des Theaters in Münster begrüßen.

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