Klaus Zylla präsentiert in der Galerie Münsterland fantastische Bilderwelten
Mutanten, Monster und Dämonen

Emsdetten -

Jeder Mensch ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er nicht gerne zeigt. Sagt der große Mark Twain. Aber schon in der Antike malten unsere Vorväter eben diese dunkle Seite als menschlich-tierisch-ornamentale Mischwesen auf Grottenwände: Mutanten, Monster und Dämonen, Kreaturen aus Fieberträumen. Daher, von la grotta, stammt der Begriff Groteske, eine Kunstform, die Gegensätze wie Grusel und Komik, Lächerlichkeit und Bedrohung, Schnuckeliges und Brutales vereinigt.

Mittwoch, 14.09.2016, 16:09 Uhr

Turbulente Szenen, rätselhafte Figuren: Klaus Zyllas Bilder beflügeln die Fantasie.
Turbulente Szenen, rätselhafte Figuren: Klaus Zyllas Bilder beflügeln die Fantasie. Foto: Jürgen Christ

Als unübertroffener Großmeister der infernalischen Groteske wird auch heute noch Hieronymus Bosch bewundert. Der Lustgärtner, Höllenforscher und Visionär hat Künstler wie Salvator Dalí und Gustav Klimt, Dadaisten und nicht zuletzt die Pop- und Psychedelic-Kultur der 1970er Jahre fasziniert und inspiriert. Auch Klaus Zylla , Jahrgang 1953, lässt sich infizieren von diesem närrisch-absurden Virus , er schlägt malerische Purzelbäume und dreht akademischen und gesellschaftlichen Normen eine lange Nase. „Urjäger, jenseits des Eises“ überschreibt der Cottbuser die Ausstellung des Emsdettener Kunstvereins in der Galerie Münsterland ; kein Gaga-Motto, sondern eine biografische Anekdote, die Ausstellungseröffner Michael Stoeber so erklärte: Als Urjäger habe Klaus Zylla immer versucht, sich von Zwängen, Gängelungen und Bevormundungen zu befreien, vom „Eis“ des DDR-Arbeiter- und Bauern-Sozialismus. Südlich, in der Oberlausitz , hatte Zyllas Großvater seinen Hof, wo Wärme und Menschlichkeit alle Kälte verscheuchten.

Auf den ersten Blick sind Klaus Zyllas Figuren, um es mit Ringelnatz zu sagen, etwas schief ins Leben gebaut. Seine turbulente Bilderwelt taumelt zwischen Dollerei und Spott, Obszönität und Züchtigkeit, Kinderei und Fantasmagorie. Im Hintergrund hört man sein wahres, beinahe romantisches Credo rauschen: „Lest aus meinen Bildern, was ihr wollt; macht euch auf wie einst Kolumbus, nur lasst euch von niemandem vorschreiben, was ihr denken oder glauben sollt!“

Jeder Mensch ist ein Mond. Der auch mal glotzt und rotzt und über schlechte Witze lacht, der höhnt und pfeift, der sich berauscht und auf Vulkanen tanzen will. Wer dessen eingedenk mit offenen Augen und Ohren durch diese Ausstellung geht, dem könnte es passieren, dass er hinter all den grotesken, surrealen, fantastischen Bildern den Maler lächeln hört, leise und, ja, ein wenig spöttisch.

Zum Thema

Klaus Zylla, „Urjäger, südlich des Eises“, Galerie Münsterland, bis 9. Oktober, Do und Fr 16 bis 20 Uhr, Sa 15 bis 18 Uhr, So 11 bis 18 Uhr

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