Humorvolle Spielfilm-Adaption
Wohnungssuche als Slapstick

Münster -

Alten-WGs liegen im Trend. Zumindest die Idee davon. Man ist nicht allein, spart Geld und hat mehr Spaß. Und genau das sind auch Annes Argumente, als sie bei Johannes auftaucht, um mit ihm das Zusammenwohnen aus Studentenzeiten wieder aufleben zu lassen. Dritter im Bund ist Eddi, ebenfalls früher schon dabei gewesen und noch immer ein „etwas schwieriger Charakter“, wie es heißt. Aber das ist nicht das Problem, sondern überraschenderweise die Nachbarn: drei perfekt durchorganisierte Studenten, die fleißig an ihrer Karriere basteln und sich durch den Lärm der neuen Mieter gestört fühlen.

Freitag, 18.11.2016, 17:11 Uhr

Die Karrierestudenten Kathrin (Alice Zikeli, l.), Barbara (Franziska Ferrari) und Thorsten (Luan Gummich) ahnen kaum, was da auf sie zukommt.
Die Karrierestudenten Kathrin (Alice Zikeli, l.), Barbara (Franziska Ferrari) und Thorsten (Luan Gummich) ahnen kaum, was da auf sie zukommt. Foto: Klaus Lefebvre

In seinem Film „Wir sind die Neuen“ spielt Ralf Westhoff mit den Klischees, indem er sie bewusst ins Gegenteil verkehrt. Und Kathrin Sievers setzt in Ihrer Bühnenadaption im Borchert-Theater noch mal eins drauf. Das fängt mit Monika Hess-Zanger an, die als Anne gleich zu Beginn einen alten Dylan-Song klampft. Später wird sie aufkommende Probleme mit der Anschaffung immer neuer Topfpflanzen kurieren. Nebenhandlungen wie die Wohnungssuche gehen als Tanz- und Slapstick über die Bühne, und die Szenen der Haupthandlung reihen sich wie in einer Revue flott aneinander.

Dem Humor tut das keinen Abbruch. Dafür geraten die ernsteren Töne etwas in den Hintergrund. Beispielsweise die latente Feindschaft zwischen Johannes und Eddi, weil der eine dem anderen mal die Freundin ausgespannt hat. Jürgen Lorenzen und Josef Tratnik (der bei der Premiere für den erkrankten Heiko Grosche eingesprungen ist) agieren hier in bester Boulevard-Manier, die innere Konflikte mit äußerer Handlung überdeckt.

Aber das ist in gewisser Weise in Ordnung. Denn primär geht es um das Aufeinanderprallen von Alt und Jung. Und dabei machen die Karrierestudenten bald gar keine gute Figur mehr. Ihre anfängliche Arroganz verwandelt sich in Hilflosigkeit, als das Leben nach ihnen zu greifen beginnt und sie Probleme mit Studium, Beziehung und Gesundheit bekommen.

Eine gute Figur machen hier allerdings die Schauspieler. Neuzugang Franziska Ferrari legt als Barbara einen wunderbaren Balanceakt zwischen Heulsuse und Zicke hin, während Luan Gummich als Thorsten nach einem Bandscheibenvorfall vom Schnösel zum Muttersöhnchen mutiert. Und dass sich Alice Zikeli als Kathrin ausgerechnet von dem verachteten Alt-68er Johannes helfen lassen muss, als ihr das Jurastudium über den Kopf zu wachsen droht, hat schon groteske Komik.

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Alle Vorstellungen in diesem Jahr sind bereits ausverkauft. Rücklaufkarten oder Tickets für die Aufführungen ab 24. Januar 2017 gibt es unter ' 0251/400 19.

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