Mozarts Requiem in ungewöhnlicher Fassung
Licht im Dunkel der Totenmesse

Münster -

Franz Xaver Süßmayr wäre heute wohl nicht mehr so bekannt, hätte er nicht Mozarts unvollendet gebliebenes „Requiem“ ergänzt. Auch wenn ihm dies nicht an jeder Stelle überzeugend gelungen ist, wie etliche Experten meinen. Mozart-Spezialist Karl Marguerre etwa hat in den 1960er Jahren eine eigene Fassung erarbeitet, die am Samstag in der Apostelkirche vom Konzertchor Münster gesungen und vom Sinfonieorchester unter Leitung von Fabrizio Ventura gespielt wurde.

Sonntag, 27.11.2016, 18:11 Uhr

Die Solisten Eleonore Marguerre (l.), Lisa Wedekind und Youn-Seong Shim mit dem Konzertchor in der Apostelkirche.
Die Solisten Eleonore Marguerre (l.), Lisa Wedekind und Youn-Seong Shim mit dem Konzertchor in der Apostelkirche. Foto: M. Kiau

Grundsätzlich: Marguerre hat kein neues „ Requiem “ geschrieben, aber er hat an Details gefeilt und hinzukomponiert, prominent etwa im „Lacrymosa“ oder in der „Hosanna“-Fuge. Und er erweiterte das Orchester um Flöten, Oboen und Klarinetten, die bei Süßmayr nicht vorkommen, die man von Mozart aber wohl hätte erwarten können. Das bringt schon etwas mehr Licht ins Dunkel dieser Totenmesse, unterstützt die jeweilige Textaussage und bietet vor allem klangliche Abwechslung gegenüber dem Dauereinsatz der Bassetthörner bei Süßmayr.

Interessant war es allemal, die Marguerre-Version zu erleben, zumal mit ausgezeichneten Solisten wie Eleonore Marguerre (Enkelin des Bearbeiters und Opernsängerin in Dortmund ), Lisa Wedekind, Youn-Seong Shim und Gregor Dalal (alle drei im münsterischen Opernensemble) und dem Konzertchor, der seinen Part wacker meisterte, dabei aber nicht immer präzise mit Venturas Tempi konform ging. Das Orchester war ohnehin gut in Übung, spielte es doch bereits am selben Ort im September die Süßmayr-Variante.

Gefordert waren die Ins-trumentalisten hingegen in der Uraufführung des Violinkonzerts mit dem Titel „Und doch suche ich weiter“ des münsterischen Komponisten Ulrich Schultheiß – ein gut zehnminütiges, durchkomponiertes Werk, dessen knallige Eröffnung wie ein Ausrufezeichen wirkte. Dann entwickelt sich aus kleinen, dicht miteinander verzahnten Motiven ein Klanggeflecht, in das Mihai Ionescu seinen Solo-Part hineinwob. Stellenweise virtuos und geprägt von weit ausschwingenden Intervallen, die das Rastlose dieser Musik unterstreichen, dann wieder getragen von großer Ruhe und Beseeltheit, wenn sich Ionescu wie in einem Lamento dem Gesanglichen und berührend Emotionalen widmet. Dieses Spannungsfeld zu „inszenieren“, ist beiden gelungen: Schultheiß und Ionescu.

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