„Rundgang 2017“ der Kunstakademie Münster
Mit Ironie gegen die Zeit

Münster -

Viel Risiko, viel Raum und Wahrheit – die Studierenden der Kunstakademie haben die unselige Atmosphäre des Zeitgeistes in sich aufgenommen. Selten war bei einem Rundgang das schwer greifbare gesellschaftspolitische Unbehagen so spürbar, ohne dass es immer plakativ nach vorne getragen wird: Terror, Männlichkeitswahn, Angst, Vertrauensverlust der Medien.

Mittwoch, 01.02.2017, 20:02 Uhr

Die Völker-Klasse produziert Jahr für Jahr Etiketten fürs „Völker-Bräu“. Dieses Jahr ziert Cornelius Völker als „Uncle Sam“ die Bügelflaschen, Untertitel: „Yes We Can“.
Die Völker-Klasse produziert Jahr für Jahr Etiketten fürs „Völker-Bräu“. Dieses Jahr ziert Cornelius Völker als „Uncle Sam“ die Bügelflaschen, Untertitel: „Yes We Can“. Foto: Gerhard H. Kock

Selbst das Bier kommt am Popanz Donald Trump nicht vorbei. Die Klasse Völker produziert jedes Jahr Etiketten fürs „Völker-Bräu“. Dieses Jahr ziert Cornelius Völker als „Uncle Sam“, seit 1961 offizielle Nationalallegorie der Vereinigten Staaten , die Bügelflaschen – aber mit „Yes We Can“ statt „I Want You for U.S. Army“. Und in der Klasse Klaus Merkel fällt das Antlitz des republikanischen Präsidenten auch sofort ins Auge. Die Studierenden haben ihre Gemälde auf Bettwäsche drucken lassen: Pop-Art-Retro. Auf der von Valentino Magnolo ist Leonardo da Vincis „Lorenzo di Medici“ (schlechter Politiker, aber Förderer der Künste) zu sehen mit Trumps Gesicht.

Rundgang 2017 der Kunstakademie Münster

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Die Nazi-Bomberjacke

Dem aufsteigenden Männlichkeitswahn stiehlt Hanna Schneider ironisch die Schau: In „ Bloating “ pustet sich eine Nazi-Bomberjacke auf, um dann um so jämmerlicher wieder zusammenzusacken. Und Tineke Kaiser hat gleichsam ein Geschenk für den „Idealen Ehemann“: einen Turm Sprachkassetten! Joel Schütz lässt Seifenblasen gegen die Wand pusten und nennt das „Demokratie“. Mit Unbehagen und Risiko spielt Sarel Debrand-Passard: Ein Video zeigt, wie er ein Messer an Luftballons davonfliegen lässt . . . Wehe, wenn das Damoklesschwert sinkt. Vom Dach der Akademie wird seine Eierwurf-Maschine Ziele suchen (und finden).

Erinnerung und Wirklichkeit

Wem glauben? Wem vertrauen? Mediale Verunsicherung, ob Selbstverunsicherung oder Manipulation, damit spielen einige Arbeiten: Minkyung Kim nennt ihre zweiteilige Arbeit „Meine Wahrheit“. Im Foyer hat sie übereinander (Parterre und im Obergeschoss) zwei fast identische Räume geschaffen. Wer vergleichen will, muss immer wieder durchs Treppenhaus. Was wird erinnert? Was stimmt? Ein anstrengender Abgleich von Erinnerung und Wirklichkeit.

„Big Brother“

Die Klasse Aernout Mik steckt zehn Teilnehmer fünf Tage in zwei Räume: „Big Brother“. Der eine Raum ist luxuriös (jeden Tag frisches Essen, Betten, Möbel), der andere spartanisch (Fertig­essen, Pappen, nackte Wände). Jeden Tag verlässt einer die geschlossene Gesellschaft. Bei denen im Wohlstand entscheidet das Los, wer raus muss, die Armen diskutieren, wer raus darf.

"Wir brauchen Stille"

Bei aller Ernsthaftigkeit gibt es aber auch den Spieltrieb. Die Klasse von Irene Hohenbüchler ist optisch leer. Bis auf Fußbodenplatten. Wer auf einen darunterliegenden Sensor tritt, kann hier und da Geräusche hören, Geräusche der Klasse: Türen schlagen zu, Bierflaschen fallen um, und einer ruft: „Wir brauchen Stille“.

Anspielung auf undichte Dächer der Kunstakademie

Überraschungen hält die Klasse Löbbert bereit: Dort stehen sechs Autos geparkt. Das Parkhaus muss aber wieder weg. Jeder Künstler der Klasse hat den Raum drei Stunden für sich. Viel versprechende Titel stehen auf dem Programm: „Echte Menschen, echte Schläge“, „Love hurts“ oder „Hü“. Die Klasse von Mariana Castillo Deball hat die Außenfassade mit dem Testbild versehen und zeigt ihre Arbeiten hinter Staubschutzfolie – eine Anspielung auf undichte Dächer der Kunstakademie.

Kunst und Schwerkraft

Draußen kämpft Holger Küper als Don Quichotte mit der Kunst und der Schwerkraft. Wie einst Otto Lilienthal will er fliegen. Die Leinwand als Flügel. Vielleicht auch ein Sinnbild für den Kampf gegen Zeitläufte.

Zum Thema

Der Rundgang mit dem Titel „Unruhe“ ist von Donnerstag bis Sonntag täglich von 10 bis 20 Uhr in der Kunstakademie Münster, Leonardo Campus 2, zu sehen. Programm, Plan und das Filmprogramm stehen online.

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