Neuer Münzfund in Kalkriese
Neue Spuren zur Varusschlacht?

Münster/Bramsche -

Kalkriese bleibt ein fruchtbares Forschungsfeld für die Archäologen. Ein neuer Hortfund mit rund 200 römischen Münzen lässt Experten aufhorchen. Bestätigt die Entdeckung die bisherigen Theorien über die Varusschlacht im Jahre 9. n. Chr.?

Freitag, 31.03.2017, 16:03 Uhr

Mit Kleinbagger und Sonde: Grabungsleiter Marc Rappe (v.l.), Prospektionstechniker Klaus Fehrs, der archäologische Mitarbeiter Karsten Keune und der archäologische Mitarbeiter Heiko Röder untersuchen am Freitag ein Grabungsfeld in Kalkriese
Mit Kleinbagger und Sonde: Grabungsleiter Marc Rappe (v.l.), Prospektionstechniker Klaus Fehrs, der archäologische Mitarbeiter Karsten Keune und der archäologische Mitarbeiter Heiko Röder untersuchen am Freitag ein Grabungsfeld in Kalkriese Foto: dpa

Ein neuer spektakulärer Münzfund in Kalkriese lässt aufhorchen: Waren im Sommer 2016 bereits acht Goldmünzen entdeckt worden, so sind Archäologen auf der römischen Grabungsstätte bei Bramsche im Osnabrücker Land erneut auf antikes Geld gestoßen. In den vergangenen Tagen bargen die Wissenschaftler über 200 Silbermünzen, überwiegend aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., wie der Geschäftsführer des Museums und Parks Kalkriese, Dr. Joseph Rottmann , gegenüber unserer Zeitung erklärte. Die ältesten dieser Münzen stammen ungefähr aus dem Jahre 180 v. Chr., die jüngsten reichen bis in die Zeit wenige Jahre nach der Zeitenwende, 4 bis 5 n. Chr. Wie der Fund wissenschaftlich zu bewerten ist, steht laut Grabungsleiter Marc Rappe noch nicht fest. Eine Möglichkeit ist, dass das Geld zu einer römischen Truppenkasse gehörte. Der Gegenwert entspreche, so Joseph Rottmann, in etwa dem Jahressold eines römischen Soldaten.

Der Fund zeigt, dass auch nach jahrzehntelangen archäologischen Forschungen in Kalkriese nach wie vor bedeutsame Funde gemacht werden. Rottmann: „Der Forschungsbedarf zur Varusschlacht auf dem antiken Schlachtfeld in Kalkriese ist nach wie vor groß.“ Auch lässt sich der Fund nach seinen Angaben in den bisherigen zeitlichen und thematischen Fundhorizont einordnen.

Seit Mitte März sind die Archäologen wieder mit Erkundungsarbeiten beschäftigt. Es geht dabei vor allem darum, jenes Gelände zu sondieren, auf dem im vergangenen Jahr Reste von möglichen Spitzgräben entdeckt wurden. Etwa 50 Meter südlich des bisher bekannten „Schlachtfeldes“ mit dem rekonstruierten Germanenwall wurden die Münzen von einem Sondengänger nur wenige Zentimeter unter der Bodenoberfläche entdeckt.

Die in den vergangenen 20 Jahren mit viel Forscherfleiß und -fantasie aufgetürmten Schlachttheorien waren im Verlauf des Vorjahres etwas ins Wanken geraten. Prof. Dr. Salvatore Ortisi , Fachmann für Archäologie der Römischen Provinzen (früher Osnabrück, jetzt Universität München), hatte bei der Grabungssession im Sommer 2016, wie ausführlich in dieser Zeitung berichtet, die erstaunliche Entdeckung von Teilen einer Wallgrabenanlage gemacht. Ein Römerlager an der Stelle, auf dem doch ein Teil der Schlacht stattgefunden haben soll? Das warf viele Fragen auf. Ortisi bilanzierte damals: „Leider ist die Diskussion um die neuen Befunde in Kalkriese nicht ganz unproblematisch. Tatsächlich haben wir dort eine (Wall-?)Anschüttung und einen Graben gefunden. Die Zeitstellung der Befunde (die naturwissenschaftlichen Untersuchungen laufen noch) und die Frage, ob Anschüttung und Graben wirklich zusammengehören, sind noch nicht abschließend geklärt.“ Die Interpretation der Grabung „als Teil einer römischen Umwehrung“ ist nur eine der Möglichkeiten, „beim derzeitigen Stand der Forschung aber rein hypothetisch“, so Ortisi damals.

Ist also jener Germanenwall, den die Archäologen vor Jahren ausgruben und der in Teilen rekonstruiert wurde, in Wirklichkeit Teil einer römischen Lagerbefestigung?

Es ist nun geplant die Erkundung möglicher Spitzgräben von September bis Oktober fortzusetzen. Ortisi erläuterte schon vor Monaten: „Erst dann können wir mit Sicherheit sagen, ob es sich bei unseren neuen Befunden um römische, mittelalterliche oder neuzeitliche Strukturen handelt und welche Funktion die Anschüttung und der Graben hatten.“

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