Aktion gegen Mauern
Künstler wollen Donald Trump Paroli bieten

Dass ein Baulöwe wie Donald Trump gern Mauern errichtet, mag einleuchten. Doch der von ihm geplante «Schutzwall» an der Grenze zu Mexiko löst neben Kritik auch kunstvolle Formen des Protestes aus.

Donnerstag, 06.04.2017, 08:04 Uhr

Sperranlagen an der Grenze zwischen USA und Mexiko.
Sperranlagen an der Grenze zwischen USA und Mexiko. Foto: Valerie Hamilton

Dresden/ Tijuana (dpa) - Mit den Musen gegen Mauern : Ein spektakuläres Happening an der Grenze zwischen den USA und Mexiko soll am 3. Juni ein Signal gegen Abgrenzung, Fanatismus und Nationalismus setzen.

Dann rufen die international besetzten Dresdner Sinfoniker Künstler aller Genres und Länder dazu auf, entlang der 3200 Kilometer langen Grenzlinie Stellung zu beziehen - im doppelten Sinne des Wortes. Die Dresdner wollen das im Friendship Park an der Grenze der beiden Städte Tijuana und San Diego tun. Das Programm enthält neben bekannten Songs auch eigens für dieses Event komponierte Stücke.

«Die Dresdner Sinfoniker rufen alle Menschen auf, die ein Signal gegen Abgrenzung, Fanatismus und Nationalismus setzen wollen, zeitgleich weitere Konzerte, Kunstaktionen oder Performances an der mexikanisch-amerikanischen Mauer zu initiieren», sagt Sinfoniker-Intendant Markus Rindt . Das Datum der Aktion ist bewusst gewählt. Im Juni vor 30 Jahren hatte US-Präsident Ronald Reagan nahe der Berliner Mauer einen geschichtsträchtigen Satz gesprochen: «Mr. Gorbachev, Tear Down This Wall!» («Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!»). Zweieinhalb Jahre danach wurde aus der Aufforderung Wirklichkeit.

Wenn es nach den Sinfonikern und Gleichgesinnten geht, soll die von US-Präsident Donald Trump geplante Mauer an der Grenze von Mexiko und den USA gar nicht erst entstehen. Mit ihrer Aktion haben sie aber nicht nur den umstrittenen Grenzwall im Blick. «Es geht uns auch um die Abschottung Europas - um die Mauer in den Köpfen der Menschen», erläutert Rindt. Mit der Teilnahme am Projekt «Tear Down This Wall!» könnten alle Beteiligten ein Zeichen für Vielfalt und Weltoffenheit setzen: «Mit der verbindenden Kraft der Musik und anderer Künste bezeugen sie, dass es kein bestes Land, bestes Geschlecht, keine beste Religion oder beste Hautfarbe gibt.»

Die Sinfoniker möchten dabei als Impulsgeber wirken und andere zum Mitmachen anregen. Die Aktion selbst soll ausschließlich über die Crowdfundingplattform Kickstarter (Stichwort: Dresdner Sinfoniker) finanziert werden. Rindt veranschlagt die Kosten auf etwa 15 000 Euro. Ab diesem Donnerstag (6. April) ist die entsprechende Seite im Netz geschaltet. Unterstützer der Kampagne erhalten unter anderem Zertifikate und können sich dann beispielsweise Vorschlaghammer, Abrissbirne oder Bulldozer nennen. Der Kunstmarathon an der Grenze soll von den Beteiligten oder Zuschauern gefilmt und unter dem Hashtag #teardownthiswall in den sozialen Medien geteilt werden.

Die Dresdner Sinfoniker entstanden 1997 und setzen sich aus Musikern namhafter europäischer Orchester zusammen. Sie machen regelmäßig mit außergewöhnlichen interkulturellen und zeitgenössischen Projekten auf sich aufmerksam. In den vergangenen Jahren hatten sie ihre Programme immer mehr mit gesellschaftspolitischen Anliegen verknüpft. 2016 sorgten sie mit dem deutsch-türkisch-armenischen Konzertprojekt «aghet» für Furore. Es erinnert den Völkermord an den Armeniern und löste im vergangenen Herbst sogar diplomatische Verwicklungen aus. Ein geplanter Auftritt in Istanbul musste abgesagt werden.

Für das künstlerische Mauer-Event mussten die Sinfoniker nicht motiviert werden. Viele von ihnen haben die deutsche Einheit hautnah erlebt. Intendant Rindt hatte sich 1989 wie Tausende andere in die Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland geflüchtet und war mit dem «Zug der Freiheit» schließlich in den Westen gelangt. «So wie damals durch die friedliche Revolution in der DDR eine Mauer eingerissen wurde, möchten wir nun an einer anderen Stelle der Erde eine neue verhindern», sagt Rindt.

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