Der letzte Kritiker-Papst
Joachim Kaiser ist 88-jährig in München gestorben

"So, nun müssen wir geistreich sein“, sagte Joachim Kaiser, ehe er sich dem Schreiben einer seiner Kritiken zuwandte. Er kokettierte gern mit seiner Bildung, war nicht frei von Eitelkeit – und bekannte sich dazu. Kein Wunder, war Kaiser doch einer der wirkmächtigsten Musik- und Literaturkritiker Deutschlands. Gestern ist er, wie die Süddeutsche Zeitung meldete, nach längerer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben.

Donnerstag, 11.05.2017, 17:05 Uhr

Joachim Kaiser mit seinem Memoiren-Buch
Joachim Kaiser mit seinem Memoiren-Buch Foto: dpa

Die Süddeutsche war geistige Heimat des 1928 geborenen Ostpreußen, der in Hamburg zur Schule ging und unter anderem bei Theodor W. Adorno studierte. In München war er seit 1959 Kulturredakteur, später Feuilletonchef und leitender Redakteur. Als Teilnehmer der „Gruppe 47“ gehörte er in der Nachkriegszeit zur literarischen Elite, bemühte sich aber zeitlebens um Popularisierung feuilletonistischer Themen. Nicht nur, indem er lesbar formulierte – sondern auch, indem er in Radio- und Fernsehsendungen oder mit bekannten Musikern auftrat. Beim Klavierfestival Ruhr etwa bekam er eine eigene Reihe, in der er über Beethovens Sonaten sprach und dann „zu unserer Erleichterung“ einen Star wie Rudolf Buchbinder die Stücke spielen ließ. Der Spitzname „Klavier-Kaiser“ war durchaus ein Ehrentitel für ihn.

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