„Rock am Ring“
Musikalischer Dank an 90.000 Fans

Nürburg -

Etwas Pathos hätte wohl dazugehört, wenn Deutschlands größtes Rockfestival wie geplant über die Bühne gegangen wäre.

Montag, 05.06.2017, 20:06 Uhr

Die jungen Musikfans am Nürburgring ließen sich die Freude nicht verderben. Polizei, Musiker und Veranstalter lobten die Besonnenheit der Festivalbesucher.
Die jungen Musikfans am Nürburgring ließen sich die Freude nicht verderben. Polizei, Musiker und Veranstalter lobten die Besonnenheit der Festivalbesucher. Foto: dpa

„Home again“ stand auf den T-Shirts der Fans, die nach zwei Jahren in Mendig wieder an die Ursprungsstätte des Festivals, dem Nürburgring gereist waren. Die Rennstrecke selbst, so hatte es das Marketing vorgesehen, sollte neben den Bands in diesem Jahr zum Star werden. Doch nachdem die Polizei am Freitagabend, dem ersten Festivaltag, das Veranstaltungsgelände aufgrund des Verdachts auf eine terroristische Gefährdungslage hatte räumen lassen, bestimmten nicht Pathos, sondern echte Gefühle die Szenerie.

Bei Veranstalter Marek Lieberberg etwa, der auf der eiligst einberufenen Pressekonferenz am Freitag erst emotional reagierte und dem am Morgen darauf neben sichtbarer Müdigkeit vor allem Erleichterung anzumerken war. Darüber, dass sich der Verdacht der Polizei auf eine akute Gefahr nicht bestätigt hatte, dass niemand verletzt worden war und natürlich, dass das Festival weitergehen konnte, nachdem Rock am Ring bereits im vergangenen Jahr nach Blitzeinschlägen auf dem Gelände in Mendig unter- und schließlich abgebrochen worden war.

Rock am Ring 2017

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  • Das von Zehntausenden Musikfans besuchte Festival ist am Freitagabend wegen Terrorgefahr unterbrochen worden.

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  • Am Nürburgring waren folgende Lautsprecherdurchsagen zu hören: „Wegen einer terroristischen Bedrohungslage wird das Festival für heute abgebrochen. Wir hoffen, dass es morgen weitergeht.“

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  • Alle Besucher wurden gebeten, das Festivalgelände kontrolliert und ruhig in Richtung Ausgänge und Campingplätze zu verlassen.

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  • Bis zu 90.000 Musikfans wurden zum diesjährigen „Rock am Ring“ in der Eifel erwartet. 

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  • Rund eine halbe Stunde nach der Unterbrechung war das Gelände laut Organisator Marek Lieberberg geräumt.

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  • Die Besucher verließen das Gelände nach Augenzeugenberichten ruhig und geordnet.

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  • Der Platz vor der Hauptbühne ist fast menschenleer.

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  • Kurz zuvor sah es dort noch so aus.

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  • Veranstalter Marek Lieberberg berichtete vor Journalisten vor Ort, die umliegenden Straßen seien alle abgesperrt. Es verkehrten aber noch Shuttlebusse. Er hoffe, dass das Festival am Samstag fortgesetzt werden könne.

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  • Rund 85 Bands sollten bei Rock am Ring von Freitag bis Sonntag auf vier Bühnen auftreten.

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  • Zoltan Bathory, Gitarrist der US-amerikanischen Metal-Band "Five Finger Death Puch" spielt am 02.06.2017 auf der Hauptbühne.

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  • Ivan "Ghost" Moody, Sänger der US-amerikanischen Metal-Band «Five Finger Death Punch» am Freitag auf der Hauptbühne

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  • Ivan "Ghost" Moody, Sänger der US-amerikanischen Metal-Band «Five Finger Death Punch» (l), und Gitarrist Jason Hook

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  • Der britische Blues- und Soulsänger Rag ·n· Bone Man am Freitag auf der Hauptbühne

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  • Der britische Blues- und Soulsänger Rag ·n· Bone Man

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  • Rag ·n· Bone Man

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  • Rag ·n· Bone Man

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  • Besucher des Musikfestivals Rock am Ring werden am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) am Eingang zum Festivalgelände von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes kontrolliert.

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  • Rockfans zeigen während des Auftritts der US-amerikanischen Metal-Band «Five Finger Death Punch» am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring vor der Hauptbühne ein Schild mit der Aufschrift «Kein Platz für Terror» .

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  • Stagediver lassen sich während des Auftritts der US-amerikanischen Metal-Band «Five Finger Death Punch» am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring vor der Hauptbühne nach vorne tragen.

    Foto: Thomas Frey
  • Stagediver lassen sich während des Auftritts der US-amerikanischen Metal-Band «Five Finger Death Punch» am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring vor der Hauptbühne nach vorne tragen.

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  • Rockfans stehen während des Auftritts der US-amerikanischen Metal-Band «Five Finger Death Punch» am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring vor der Hauptbühne .

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  • Rockfans stehen während des Auftritts der US-amerikanischen Metal-Band «Five Finger Death Punch» am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring vor der Hauptbühne .

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  • Rockfans stehen während des Auftritts der US-amerikanischen Metal-Band «Five Finger Death Punch» am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring vor der Hauptbühne .

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  • Die schwedische Metal-Band «In Flames» steht am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring auf der Hauptbühne.

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  • Anders Friden, Sänger der schwedischen Metal-Band «In Flames» steht am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring auf der Hauptbühne.

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  • Anders Friden, Sänger der schwedischen Metal-Band «In Flames» steht am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring auf der Hauptbühne.

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  • Rockfans stehen am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring während des Auftritts der schwedischen Band «In Flames» vor der Hauptbühne.

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  • Niclas Engelin, Gitarrist der schwedischen Metal-Band «In Flames», steht am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring auf der Hauptbühne.

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  • Rockfans stehen am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring während des Auftritts der schwedischen Band «In Flames» vor der Hauptbühne.

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  • Rockfans stehen am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring während des Auftritts der schwedischen Band «In Flames» vor der Hauptbühne.

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  • Rockfans stehen am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring während des Auftritts der schwedischen Band «In Flames» vor der Hauptbühne.

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  • Die Rockfans Kai und Michele aus Berlin trinken am 02.06.2017 beim Musikfestival Rock am Ring in Nürburg (Rheinland-Pfalz) auf dem Campinggelände ein Bier.

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  • Rockfans stehen am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) beim Musikfestival Rock am Ring während des Auftritts der Band Skindred vor der Hauptbühne.

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  • "Welcome home Ringrockers" steht am 02.06.2017 ein Eingangsbereich zum Musikfestival Rock am Ring in Nürburg (Rheinland-Pfalz).

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  • Flaschen, Dosen und Getränkepackungen liegen am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) am Eingang zum Gelände des Musikfestivals Rock am Ring in einer Mülltonne an der Sicherheitskontrolle, da aufgrund der verschärften Sicherheitsbestimmungen nur noch flexible Getränkepackungen bis 0,5 Liter mitgenommen werden dürfen.

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  • Besucher des Musikfestivals Rock am Ring gehen am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) vor dem Festivalgelände zur Einlasskontrolle.

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  • Eine Tetrapack-Getränkepackung steht am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) am Geländeeingang des Musikfestivals Rock am Ring, da aufgrund der verschärften Sicherheitsbestimmungen nur noch flexible Getränkepackungen bis 0,5 Liter mitgenommen werden dürfen.

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  • Besucher des Musikfestivals Rock am Ring werden am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) am Eingang zum Festivalgelände von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes kontrolliert.

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  • Besucher des Musikfestivals Rock am Ring werden am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) am Eingang zum Festivalgelände von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes kontrolliert.

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  • Besucher des Musikfestivals Rock am Ring werden am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) am Eingang zum Festivalgelände von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes kontrolliert.

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  • Besucher des Musikfestivals Rock am Ring werden am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) am Eingang zum Festivalgelände von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes kontrolliert.

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  • Ein Besucher des Musikfestivals Rock am Ring zeigt am 02.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) am Eingang zum Festivalgelände an der Sicherheitskontrolle die Gegenstände, die er auf das Festivalgelände mitnehmen darf.

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  • Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes patrouillieren am 02.06.2017 beim Musikfestival Rock am Ring in Nürburg (Rheinland-Pfalz) auf dem Campinggelände.

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  • Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes patrouillieren am 02.06.2017 beim Musikfestival Rock am Ring in Nürburg (Rheinland-Pfalz) auf dem Gelände.

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Ein Wechselbad der Gefühle auch bei den Bands. Die Donots aus Ibbenbüren hatten beim Zwillingsfestival in Nürnberg von den Geschehnissen am Ring erfahren und waren mit vielen Fragezeichen in die Eifel gereist, um ihren Auftritt am Samstag laut Sänger Ingo Knollmann unter das Motto „Jetzt erst recht“ zu stellen. Ähnlich reagierten andere Musiker. Die Broilers, während deren Auftritt am Freitag die Aufforderung zur Räumung des Geländes kam, ließen es sich nicht nehmen am Samstag vor den Beatsteaks und den Toten Hosen zu spielen. Dabei wirkten viele der Songs wie für den Augenblick gemacht. „Keine Hymnen heute“, einer der aktuellen Hits der Band, ging laut Sänger Sammy Amara raus an jene Populisten, die in der Nacht zu Samstag im Internet versucht hatten, die Ereignisse für ihre politische Überzeugung zu nutzen.

Die lautstarke Unterstützung der Fans für dieses klare Bekenntnis der Musiker – ein Gänsehautmoment. Stunden später, pünktlich zu den Hosen, setzte der Regen ein. „Endlich Ringwetter“, befand Sänger Campino. Die Band spielte zum Abschluss ihres Konzerts „You’ll Never Walk Alone“. Einen der Songs, mit dem die Zuschauer am Freitag singend auf ihre Zeltplätze zurückgekehrt waren.

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Es war ein Dankeschön an die knapp 90.000, die in diesem Jahr urplötzlich im Mittelpunkt standen. Die, egal ob enttäuscht, verängstigt oder einfach nur betrunken in wenigen Minuten das Festivalgelände derart schnell und friedvoll verlassen hatten, dass sich sowohl Vertreter der Polizei als auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz be eindruckt zeigten. Veranstalter Lieberberg wertete das Verhalten der Rockfans gar als „einzigartig“ und „ein Zeichen für unsere Kultur“. Geduldig hatten die Fans danach bis zum nächsten Morgen auf die Nachricht gewartet, dass das Festival weitergehen könne. Bevor die kam, hatten viele eine Party auf den Zeltplätzen gefeiert, die entsprechend weniger von Ausgelassenheit als von einer beispiellosen Gemeinsamkeit geprägt war. Der Lohn war neben den Auftritten am Samstag auch ein musikalisch vollgepackter Sonntag.

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Marteria, der 2014 das bis zu diesem Jahr letzte Konzert am Ring überhaupt gespielt hatte, holte seinen Auftritt nach, obwohl er nur wenige Stunden später bei Rock im Park wieder ranmusste. Nur das mit viel Aufmerksamkeit bedachte Konzert von Rammstein konnte nicht neu angesetzt werden. Um die aufwendige Technik aus der Eifel nach Nürnberg zu schaffen und dort aufzubauen bleibe einfach nicht genug Zeit, so die offizielle Begründung. Angesicht der von Pyro- und lauten Knalleffekten geprägten Show der Band unter den gegebenen Umständen vielleicht eine Entscheidung mit deutlich größerer Tragweite.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das Team um Marek Lieberberg hat bereits angekündigt zu prüfen, ob die Band für das kommende Jahr erneut verpflichtet werden könne. Denn vom 1. bis 3. Juni werden sie wiederkommen, die Rocker auf und die vor der Bühne, die am Montag egal ob Bäcker, Versicherungskaufmann oder Schüler als Teil von etwas nach Hause kehrten, das dieses Mal etwas mehr als nur ein Musikerlebnis war.

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