40. Dresdner Musikfestspiele unter dem Motto „Licht“
Glücksmomente im Kulturpalast

Dresden -

„Licht“ als diesjähriges Leitmotiv der Dresdner Musikfestspiele zieht sich wie ein Cantus firmus durch die rund 60 Veranstaltungen des 40. Jahrgangs. „Licht ist das Lebenselixier der Menschheit, es ist aber auch ein Symbol der Aufklärung, Freiheit, Transparenz und Energie“, begründet Intendant Jan Vogler die Wahl des Mottos. Wieder einmal wird Elbflorenz zu einem Treffpunkt renommierter Orchester, Dirigenten und Solisten.

Dienstag, 13.06.2017, 10:06 Uhr

Der Cellist Jan Vogler  ist Intendant der Dresdner Musikfestspiele
Der Cellist Jan Vogler  ist Intendant der Dresdner Musikfestspiele Foto: dpa

Werke musikalischer Lichtgestalten unter den Komponisten hatte da das von Valery Gergiev geleitete Orchester des Mariinsky-Theaters Sankt Petersburg im Gepäck.Ein Spitzenensemble. Fulminant vermochte der Chefdirigent in Dmitri Schostakowitschs 5. Sinfonie einen überzeugenden Ausdrucksbogen zu spannen von ergreifender Klage und untergründig glimmender Bedrohlichkeit bis hin zum befreienden Aufbegehren. Welche Verwandlung nach der Pause, als nun der Klangkörper mit Fragmenten aus Musikdramen Richard Wagners seine Güteklasse als Opernorchester zeigen konnte. Beim „Karfreitagszauber“ aus „Parsifal“ ebenso wie den exzellent ausgeloteten Instrumentalstücken aus der „Götterdämmerung“ fühlte man sich dank Gergievs suggestiver Gestaltung gleichsam in ein Opernhaus versetzt. Und der von Eva-Maria West­broek kraftvoll vorgetragene Schlussgesang der Brünnhilde setzte dem Wagner-Teil noch die Krone auf.

Wenn ein Festival vom Gedanken des Lichts inspirierte Tonschöpfungen präsentiert, darf Bedrich Smetanas sinfonischer Zyklus „Mein Vaterland“ nicht fehlen. Und in der Tat, wie viele lichte Momente vermochte da die Tschechische Philharmonie mit Petr Altrichter am Pult in den sechs Tondichtungen zu entdecken, die von der wechselvollen Geschichte Böhmens, seinen Legenden sowie seinen Naturschönheiten künden.

Geradezu ein Glücksumstand, dass der umgebaute Dresdner Kulturpalast mit seinem neuen Konzertsaal rechtzeitig zum Festivalbeginn wieder seine Pforten öffnete. In welchem Maß der akustisch hervorragende Saal die ambitionierten Programme der Dresdner Philharmonie befördert, zeigten die Festspielkonzerte dieses Hausorchesters. Gustav Mahlers gewaltige 6. Sinfonie, seine „Tragische“, mit ihrer monumentalen Orchesterarchitektur erwies sich da als Prüfstein. Wie Marek Janowski, der ehemalige philharmonische Chefdirigent, im Kopfsatz inmitten der unaufhaltsam vorwärts strebenden Marschimpulse und ihrer konfliktreich entwickelten Durchführung dennoch eine pastorale Idylle als Vision eines freien Menschseins zu formen wusste, war geradezu frappierend. Ein lichter Zukunftstraum in hoffnungsloser gesellschaftlicher Realität.

Ehrensache, dass auch die Sächsische Staatskapelle, geleitet von Daniel Harding, im Festspielreigen einen markanten Akzent setzte. Im Zentrum standen Gustav Mahlers „Kindertotenlieder“, die der Tragik der Textvorlage Friedrich Rückerts letztlich eine tröstliche Hoffnungsvision entgegenstellen. Der hervorragende Bariton Matthias Goerne deutete die schmerzliche Ausdruckspalette der Gesänge höchst sensibel aus. Kaum ein Opus von größerem Kontrast hierzu möglich als Anton Dvoraks von lichtvollen Momenten geradezu überquellende 8. Sinfonie. Welch facettenreichen Ausdrucksbogen, sich spannend vom pastoralen Auftakt bis hin zum majestätischen Finale, gestalteten da das Dresdner Meisterorchester und sein Gastdirigent.

Die Musikfestspiele laden noch bis zum 18. Juni zu weiteren interessanten Veranstaltungen ein, deren Schlusspunkt die konzertante Aufführung von Beethovens „Leonore“, die Urfassung des „Fidelio“, mit dem Dresdner Festspielorchester unter Ivor Bolton setzen wird. 

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