Italienisch gestimmte Liebe zu Brahms
Fabrizio Ventura präsentierte die zweite Sinfonie von Giuseppe Martucci

Münster -

Lieben Sie Brahms? Wer die berühmte Frage bejaht, wird auch die zweite Sinfonie von Giuseppe Martucci mögen, die Fabrizio Ventura am Dienstag beim Sinfoniekonzert präsentierte. Denn die musikalische Sprache des 1909 in Neapel gestorbenen Italieners ist nicht weit weg von derjenigen des deutschen Romantik-Solitärs. Martucci ging aber noch weiter und sog die Musik von Richard Wagner und Gustav Mahler wohldosiert auf, um sie zu nutzen. Die Zweite ist dafür ein Paradebeispiel, vor allem das himmlisch schöne Adagio mit seinem intensiven Streicherteppich – ganz klar eine Mahler-Reminiszenz.

Mittwoch, 14.06.2017, 16:06 Uhr

Martucci hatte ein gutes Händchen bei der Instrumentierung. Das Klangbild ist farbig und abwechslungsreich, Themen und Motive mäandern durch den gesamten Orchesterapparat. Und stellenweise geht’s hochvirtuos zu wie im Scherzo, das zwar leicht und beschwingt wirkt, aber die Ersten Geigen in eine rasante Dauerbewegung versetzt. Die war gut geprobt und gut gespielt!

Was Martucci vielleicht von den Meistern der allerersten Klasse unterscheidet: das Gefühl für Dramaturgie und zeitliche Proportionen – ein paar Stellen geraten ihm etwas zu lang. Dafür darf man ihm attestieren, nie auf billigen Effekt zu setzen, sondern auf raffinierte Einfälle. Schön, dass Fabrizio Ventura seinem Publikum diese Rarität vorgestellt hat.

Lieben Sie Brahms’ erstes Klavierkonzert? Dann waren Sie gewiss begeistert von dem, was Pianist Alexander Lonquich und das Sinfonieorchester Münster daraus gemacht haben: ein Seismogramm jener Gefühle, die in des Komponisten Innerstem virulent waren, als er das Werk Mitte der 1850er Jahre schrieb. Emotionen querbeet sozusagen. Und spürbar in jedem Takt, den Lonquich anschlug. Zwischen Resignation und kraftvollem Freiheitsdrang bewegte sich seine souverän gestaltete, facettenreiche Interpretation, die nur eines nicht bediente: das tastenlöwenmäßige Virtuosengehabe. An die Adresse des Orchesters: ein letzter rhythmischer Feinschliff – und Brahms würde noch perfekter. Riesengroßer Beifall.

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Am Sonntag um 18 Uhr wird das Programm noch einmal wiederholt. WDR 3 sendet einen Konzertmitschnitt am 3. Juli.

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