Erfolge, Abstürze, Comebacks und Dauergast im Münsterland
Nachruf zum Tod von Gunter Gabriel

Münster/Hamburg -

Er stammte aus Westfalen, liebte den kernigen Menschenschlag und war häufig bei Konzerten zu Gast im Münsterland. Am Donnerstag ist Country- und Schlagersänger Gunter Gabriel an den Folgen eines Sturzes gestorben. Ein Nachruf.

Donnerstag, 22.06.2017, 17:06 Uhr

Gunter Gabriel im Jahre 2013 bei einem Pressetermin in Münster.
Gunter Gabriel im Jahre 2013 bei einem Pressetermin in Münster. Foto: Matthias Ahlke

Kaum lief die Eilmeldung vom Tode des Schlager- und Coun­trysängers Gunter Gabriel am glutheißen Donnerstagnachmittag über die Agenturen und durch die sozialen Netzwerke, da begannen Schlagerfreunde schon nostalgisch zu trällern: „Komm unter meine Decke“, „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ und „Er fährt ’nen 30-Tonner-Diesel“.

Sicher ein untrügliches Zeichen dafür, dass Gunter Gabriel, der ein wechselvolles Leben zwischen Erfolgen, Krisen und immer neuen Anläufen führte, zumindest bei der Wahl seiner Texte und Melodien vieles richtig gemacht hat. Und, so ließ sich mancher Musikfreund vernehmen, noch Zeilen präsentierte, von denen sich manche „Trällerbubis“ heutigen Zuschnitts eine ganze Menge abschauen könnten.

Gabriel war, wie am Donnerstag in den Meldungen berichtet wurde, bereits am 10. Juni, am Abend vor seinem 75. Geburtstag, auf einer Steintreppe gestolpert und hatte dabei einen dreifachen Bruch des ersten Halswirbels erlitten. In einem Krankenhaus in Hannover sei er dreimal operiert worden. „Doch er schaffte es nicht. Heute Vormittag hat das Herz eines großen Musikers aufgehört zu schlagen“, teilte seine Agentur mit.

Zum Thema

 Interview Gunter Gabriel: „Ich werde immer ich sein“ 

...

Für viele seiner Fans galt Gunter Gabriel als der „deutsche Johnny Cash “. Das war sicher gewaltig übertrieben, und Gabriel selbst hätte Vergleiche mit seinem verehrten Idol trotz mancher Großsprecherei brüsk zurückgewiesen. Aber auf das Werk der US-Countrylegende hatte er sich gerade auch in den letzten Jahren im Studio und auf der Bühne konzentriert. Daneben sorgte der lange auf einem Hausboot in Hamburg-Harburg lebende Sänger immer wieder für Boulevard-Schlagzeilen jenseits der Musik: mit Alkoholabstürzen, privaten Pleiten und gesundheitlichen Problemen.

Die Tatsache, dass seine Hits noch nach 30, 40 Jahren gesungen und gepfiffen werden, zeugt – und dies würden vermutlich auch Musikwissenschaftler unterstreichen – von der Ohrwurm-Qualität seiner Songs. Dabei pflegte Gabriel, der aus Bünde in Westfalen stammte und phasenweise im Münsterland lebte, sein Image als Fernfahrer-Idol, Malocher-Musiker und Stimme des „kleinen Mannes“. „Ein bisschen Macho, ein bisschen Punk, ein bisschen Proll“ – so sah er sich.

Den Erfolgen in den 70ern folgte der Absturz in den 80ern: Neue Hits blieben aus, Ehen zerbrachen, bei Immobiliengeschäften verspekulierte er sich und verlor Millionen. Aber immer wieder kehrte er als Musiker zurück. Auch nach Münster, wo er gerne im Jovel aufspielte.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4948776?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F
Randalierer rammt Flasche in Streifenwagen und spuckt Polizistin in Mund
Hauptbahnhof Münster: Randalierer rammt Flasche in Streifenwagen und spuckt Polizistin in Mund
Nachrichten-Ticker