Kloster Dalheim hat ein strukturelles Finanzproblem
„Museum an der Leistungsgrenze“

Münster/Lichtenau -

Kloster Dalheim ist ein museales Schmuckkästchen. 25 Millionen Euro wurden bereits in Baumaßnahmen investiert. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe muss sich jedoch in den kommenden Jahren darauf einstellen, das Museum für Klosterkultur stärker als bisher finanziell zu unterstützen. Immerhin: Die Besucherzahlen steigen.

Donnerstag, 06.07.2017, 18:07 Uhr

Malerisch im Tal gelegen: Kloster Dalheim ist ein kulturhistorisches Schmuckstück. Doch das Museum für Klosterkultur bleibt auch langfristig ein nicht gerade günstiger Zuschussbetrieb.
Malerisch im Tal gelegen: Kloster Dalheim ist ein kulturhistorisches Schmuckstück. Doch das Museum für Klosterkultur bleibt auch langfristig ein nicht gerade günstiger Zuschussbetrieb. Foto: Andreas Lechtape/LWL

Neue Räume, neue Ausstellungen, neuer Plan: Was sich in einer Pressemitteilung des Landschaftsverbandes (LWL) wie ein Aufbruchssignal liest, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Eingeständnis eines Problemfalls. Das Museum für Klosterkultur in Dalheim, Kreis Paderborn, schleppt ein strukturelles Defizit mit sich herum. Der LWL muss nachjustieren und wird dies am 14. Juli (Freitag) im Landschaftsausschuss wohl auch tun. Im Klartext: Seinen jährlichen Zuschuss an die Klosterstiftung soll der LWL wegen drohender schlechterer Zinserträge und gestiegener Personalkosten aufgrund von Tarifsteigerungen von derzeit 500 000 auf 690 000 Euro erhöhen.

Zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Lichtenau bei Paderborn das Kloster Dalheim als Landesmuseum für Klosterkultur eröffnete. Aus heruntergekommenen Gebäuden war ein schmuckes Anwesen mit repräsentativen Ausstellungsräumen gewachsen, Millionen steckte der Landschaftsverband in die imposante Anlage. In die Anfangseuphorie angesichts des Schmuckstücks mischten sich auch warnende Stimmen. Könne sich das Thema Klosterkultur publikumswirksam entwickeln? Liege die Anlage nicht zu weit weg vom Schuss?

Zehn Jahre später ist die Euphorie zwar nicht der Ernüchterung, wohl aber dem Realitätssinn gewichen. Dalheim wird nie ein profitabler Betrieb, das wäre für ein Museum diesen Zuschnitts auch kaum zu schaffen. Die Aussicht, mit Stiftungskapital fette Zinsen zu erwirtschaften, hat sich zudem verdunkelt. Immerhin: Mit voraussichtlich 90 000 Besuchern im laufenden Jahr – nicht alle zahlen allerdings dabei den vollen Eintritt – wird Dalheim, auch aufgrund der Luther-Ausstellung, einen neuen Besucher-Höchststand erzielen. „Das führt aber nicht nachhaltig zu einer dauerhaften Entlastung des Haushalts, weil die Mehrerträge nicht ausreichen, um das strukturelle Defizit auszugleichen. Dalheim ist an seiner Leistungsgrenze“, so formuliert es Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Museumsleiter Dr. Ingo Grabowsky sieht gegenüber unserer Zeitung trotz des Defizits keinen Grund zur Zerknirschung. Er verweist auf die erfolgreiche Lutherschau. Allein die Zahl von 750 gebuchten Gruppenführungen ist nach seinen Worten ein Beleg für die Zugkraft der Schau. Bei der Ausstellung über die „Sieben Todsünden“ 2015 waren es im Vergleich dazu lediglich 160. Attraktive Präsentationen sollen auch künftig in Dalheim das Rückgrat bilden. Geplant sind für 2019 die Ausstellung „Verschwörungstheorien“, 2021 „Latein – die Sprache Europas“ und 2023 „Klöster des Ostens“, wie Grabowsky erläutert.

Aber es muss in Dalheim auch wieder in Bauten investiert werden. So wird die Prälatur für drei Millionen „baulich ertüchtigt“. Es geht laut LWL zuvorderst um die Erhaltung des Denkmals. Künstler- und Musikergarderobe, Hausmeisterbüro, Toiletten und ein Medienraum sind ferner ebenso geplant wie Büros und Besprechungsräume. Dalheim hat in den vergangenen zehn, zwölf Jahren bereits knapp 25 Millionen Euro an baulichen Investitionskosten verschlungen. Nun kommen noch einmal drei dazu. Nein, Dalheim ist kein Pappenstiel.

Der gebürtige Dortmunder Grabowsky, der um die Problematik der abgelegenen Lage des Museums – von Münster aus gesehen – weiß, hat registriert, dass in jüngster Zeit „immer mehr Besucher aus dem Ruhrgebiet und dem östlichen Westfalen, so aus dem Bielefelder Raum, nach Dalheim kommen“. Das und die wachsende Zahl der mehr auf den Unterhaltungswert zielenden Kulturfestivals sowie die Einbindung in touristische Programme erfüllen ihn mit Zuversicht.

Dr. Ingo Grabowsky ist Leiter des Klostermuseums in Dalheim.

Dr. Ingo Grabowsky ist Leiter des Klostermuseums in Dalheim. Foto: LWL

Das Kloster Dalheim möchte kaum ein Kulturfreund ernsthaft missen. Der Geschichts- und Kulturort wird aber auch langfristig nicht nur die Kultur-, sondern auch die Finanzplaner des LWL beschäftigen.

Geschichte und Gegenwart des Klosters Dalheim

Im 15. Jahrhundert gegründet und im Barock prachtvoll erweitert, wurde die fast vollständig erhaltene Klosteranlage Dalheim nach der Säkularisation (1803) als Gutshof genutzt. Dann verfiel sie teilweise. Seit 2007 beherbergt das Kloster Dalheim das Landesmuseum für Klosterkultur, eines der 17 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, das gemeinsam vom LWL und der Stiftung Kloster Dalheim betrieben wird. Der Titel des Hauses lautet „Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur“. Hier arbeiten 25 Angestellte. Das Land NRW und der Landschaftsverband investierten in zwei Bauabschnitten bislang rund 25 Millionen Euro. Nun kommen nochmals drei Millionen für die Sanierung und den Umbau der Prälatur hinzu. Die ursprünglich mit 13 Millionen Euro ausgestattete Stiftung Dalheim erwirtschaftete bislang immerhin noch rund 475 000 Euro jährlich an Zinsen. Die Zinserträge gehen allerdings weiter zurück. Auch aufgrund gestiegener Tariflöhne muss der Landschaftsverband-Westfalen Lippe seinen jährlichen Zuschuss von 500 000 auf 690 000 Euro erhöhen.

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Zum Thema

Nach der Premiere 2016 holt Dalheim auch in diesem Sommer renommierte Musiker nach Ostwestfalen-Lippe. Das Festival läuft vom 7.bis 9. Juli.  | www.lwl.org/LWL/ Kultur/kloster-dalheim

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