Für die Brahms-Symphonie spendete das Konzertpublikum in Münster stehend Applaus
Golo Bergs endgültiger Ritterschlag in Münster

Münster -

Langer, herzlicher Beifall und am Ende Standing Ovations für Golo Berg. Nach einer so schönen und intensiv musizierten Brahms-Symphonie war das nicht nicht nur verständlich, sondern geradezu Pflicht. Mit der ersten Symphonie hatte sich Münsters neuer GMD ein Monument des Repertoires vorgenommen. Hier immer noch die Lunte glimmen und das viel Gehörte ganz frisch erscheinen zu lassen, war begeisternd. Bergs endgültiger Ritterschlag in Münster.

Mittwoch, 15.11.2017, 14:11 Uhr

Golo Berg und das Sinfonieorchester Münster liegen ganz offensichtlich auf der gleichen Welle..
Golo Berg und das Sinfonieorchester Münster liegen ganz offensichtlich auf der gleichen Welle.. Foto: Rüdiger Wölk

Auch Midori Goto, die Erste Konzertmeisterin des Sinfonieorchesters, war gefeiert worden, nachdem sie das erste Violinkonzert von Max Bruch gespielt hatte. Auch diese Interpretation faszinierend und charakterstark. Sparsames Vibrato der Solistin, subtile Farben im Orchester, geschmackvolle Phrasierung. Der Schluss-Satz hätte mehr ungarischen Pfeffer vertragen, aber keinen Takt lang begaben sich Geigerin und Dirigent aufs rutschige Schmachtfetzen-Parkett, auf dem sich schon so mancher Interpret – pardon – einen „Bruch“ zugezogen hat.

Eben jener Trivialitäts-Verdacht trennt Max Bruch von Johannes Brahms , seinem Idol. Womit wir beim „Motto“ dieses Sinfoniekonzerts wären: Idole. Das Programmheft enthielt sehr lesenswerte Texte über große Vorbilder, die eben leider auch große Schatten werfen. Der von Brahms begann den fünf Jahre jüngeren Bruch zusehends zu quälen – was seine Verehrung in Verärgerung wandelte.

Und Brahms selber? Der komponierte lange im Schatten Beethovens, welcher im Jubelthema seiner Ersten (einer Reverenz an Beethovens Neunte) sich so deutlich und hinreißend zeigt. Da wäre ein Beethoven-Stück die Konsequenz gewesen. Aber es spricht für Golo Bergs Anspruch, die Hörer zu fordern, dass er diese „Leerstelle“ des Titanen mit Avantgarde ausfüllt: Mit der Konzertouvertüre „Con brio“ des 44-jährigen Jörg Widmann. Das berühmte Beethovensche Brio überführt Widmann in einen geräuschhaften, mit Pizzicato-Stacheln und grellen Piccolos besetzten Dissonanzen-Teppich, zwischen dessen Fäden Beethoven immer wieder „scherzando“ hervorlugt. Ein gutes Stück.

Aber was könnte mit dem dräuenden c-Moll-Drama mithalten, das Brahms nach seligem Andante und graziösem Allegretto in C-Dur-Jubel beschließt? Kaum etwas. Das Orchester und sein Chef wissen, unter welch riesigen Schatten sie da spielen und treten hochkonzentriert ins Licht. Applaus!

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