Robert Nippoldt und das „Trio Größenwahn“
Einblicke in eine rätselhafte Zeit

Münster -

Robert Nippoldt und das Trio „Größenwahn“ erwecken mit ihrer Show „Ein rätselhafter Schimmer“ die 1920er Jahre zu neuem Leben. Das Programm hat das Zeug zum Erfolg. Jetzt treten die Künstler auch in Osnabrück und Münster auf.

Mittwoch, 22.11.2017, 17:02 Uhr

Robert Nippoldt (am Schreibtisch) und das Trio „Größenwahn“ erwecken mit ihrer Show „Ein rätselhafter Schimmer“ die 1920er Jahre zu neuem Leben. Hier sehen wir Christian Manchen am Klavier, Christoph Kopp am Bass und Sängerin Lotta Stein.
Robert Nippoldt (am Schreibtisch) und das Trio „Größenwahn“ erwecken mit ihrer Show „Ein rätselhafter Schimmer“ die 1920er Jahre zu neuem Leben. Hier sehen wir Christian Manchen am Klavier, Christoph Kopp am Bass und Sängerin Lotta Stein. Foto: Werding

Reichskanzler Gustav Stresemann fliegt nach zwei Sekunden durch die Luft, Philipp Scheidemann nach vier. Heinrich Aloysius Maria Elisabeth Brüning, gebürtiger Münsteraner, bringt es auf immerhin 19 Minuten. Dafür ist er der einzige Reichskanzler der Geschichte ohne Bart. Robert Nippoldt und das Trio „Größenwahn“ erwecken mit ihrer Show „Ein rätselhafter Schimmer“ die 1920er Jahre zu neuem Leben.

Die Münsteraner sind dabei tollkühn und geistreich. Indem sie zum Beispiel die Kanzler der Weimarer Republik in drei Minuten – da bleibt pro Monat gerade mal eine Sekunde – erst mit einer speziellen Dokumentenkamera an die Wand und dann durch die Luft werfen. So erlebt das Publikum die Schnelllebigkeit, die Unsicherheit, die Zerbrechlichkeit der damaligen Zeit mit allen Sinnen – und am eigenen Leib.

„Ein rätselhafter Schimmer“ ist die erste Zeile des Liedes „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Und der Titel ist wie eine Liebeserklärung an die 20er Jahre, obwohl die Künstler nicht nur auf den Glitzer und Glamour blicken, sondern auch auf Hunger und Hoffnungslosigkeit der Menschen zwischen den beiden Weltkriegen. Es gelingt den vier Akteuren, das alles in ihrer Show einfühlsam unter einen Hut zu bringen. So entsteht ein überraschender, kreativer und lehrreicher, aber nicht belehrender Blick auf eine bald 100 Jahre alte Dekade.

Nippoldt, auf dessen Ideen die Schau baut, und der an der Fachhochschule in Münster Grafik und Illustration studiert hat, bekam Geschmack an dem Thema, als er sein Diplombuch „Gangster. Die Bosse von Chicago“ entwarf. 2007 erschien sein Buch „Jazz im New York der wilden Zwanziger“, das die Stiftung Buchkunst zum schönsten deutschen Buch 2007 gekürt hat. Der dritte Teil der Trilogie, „Hollywood in den 30er Jahren“, wurde im Herbst 2010 publiziert. Die Veröffentlichung seines Buchs über Berlin steht kurz bevor. Im Januar 2015 hat er begonnen, „Ein rätselhafter Schimmer“ zu entwerfen.

Während der Vorstellung tobt sich Nippoldt hinten aus, wirft seine Bilder, Scherenschnitte und Animationen an die Wand, vorne singt Lotta Stein, die Marlene Dietrich des Münsterlands, verrucht und verspielt einerseits, aber auch mit kantigen Konturen und klarer Stimme die Klassiker aus den „Roaring Twenties“ wie „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“.

An ihrer Seite spielen Christian Manchen am Klavier und Christoph Kopp am Bass. Die Sinne des Publikums bekommen so gleich mehrere Spielwiesen geboten, auf denen sie sich tummeln können. Sie können hören und schauen, können den Spaß, den die Künstler haben, mit ihren Händen greifen.

Der Aufwand ist groß. 397 Requisiten muss Nippoldt für die Show griff­bereit halten, das Aufräumen und Vorbereiten für die nächste Vorstellung dauert fünf bis sechs Stunden. Was soll’s? Nippoldt und den Musikern macht ihr Programm so viel Spaß, dass sie das selbstverständlich in Kauf nehmen. Der „Rätselhafte Schimmer“ hat das Zeug dazu, erfolgreich zu werden. Erste Auftritte in Berlin, Österreich und auf der „Aida“ haben die Künstler bereits hinter sich, weitere folgen. Jetzt müssen sie all das nur noch mit ihrer Arbeit und ihren Familien unter einen Hut bringen.

Zum Thema

Termine in der Nähe: 24. November, Osnabrück, Rosenhof , 20 Uhr. 2. Februar 2018, Münster, Friedenskapelle, 20 Uhr

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