Wiener Pianist vertrat Bruno Gelber und spielte Beethoven-Werke
Paul Badura-Skoda feiert mit 90 Premiere im Bagno

Steinfurt -

Die ambitionierten Sonderkonzerte „Legenden im Bagno“ versprechen Erlebnisse, bergen für die Macher der Konzertreihe im Steinfurter Wald immer auch ein gewisses Risiko, was dem Alter und der aktuellen Konstitution der eingeladenen Künstler geschuldet ist. Von Glück konnten die Veranstalter reden, dass für den 76-jährigen Bruno Leonardo Gelber – der Argentinier musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen – der nunmehr 90-jährige Paul Badura-Skoda ziemlich unkompliziert in die Auftrittslücke trat. Beide vereint eine große Bewunderung und besondere Vorliebe für die Klavierwerke von Ludwig van Beethoven.

Sonntag, 26.11.2017, 16:11 Uhr

Paul Badura-Skoda genießt den Applaus.
Paul Badura-Skoda genießt den Applaus. Foto: Martin Fahlbusch

Brauchte der Wiener Maestro in der Sonate Nr. 15 „Pastorale“ den ersten Satz noch, um sich auf dem Steinway in der Konzertgalerie einzuspielen, gelang ihm das Andante des op. 28 dann in einer überraschend schwungvollen, den Rhythmus betonenden Art und Weise, die auch den letzten Zuhörer für den kleinen, agilen, in seinem Äußeren ein wenig an Friedensreich Hundertwasser erinnernden Pianisten von langem Weltruhm einnahm. Auch Beethovens Klavierwerk Nr. 23 op. 57 „Appassionata“ in „gewohnter“ dreisätziger Sonatenform spielte der Wiener mit jener Rage und Wucht, wie sie der Bonner Meister ehedem wohl erdacht und gespielt haben mag.

Die Freude am Klavierspiel sah und hörte man dem 90-Jährigen nachgerade an, der sich ab und an zu kleinen Anfeuerungsjuchzern hinreißen ließ. Badura-Skoda nahm die ihm wohl- bekannten Vorlagen als Herausforderung an und verlor sich nicht in Verspieltheiten. Er spürte den Beethovenschen Intentionen hellhörig nach und gestaltete vor allem den komplexen Zusammenhang. Und wie zur Bestätigung setzte er nach der Pause in Beethovens letzter nur zweisätzigen Klaviersonate Nr. 32 – hier vor allem in der Arietta – regelrechte Lichter auf. Überbordender Beifall für eine begeisternde, charmante „Legende“.

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