Der Dirigent Mariss Jansons wird 75 Jahre alt
Uneitler Meister am Pult

Münster -

Wer als „Pultstar“ gefeiert wird, ist wohl selten frei von Eitelkeit – man denke an Karajan, Bernstein, Maazel ... Der lettische Dirigent Mariss Jansons hingegen, den die besten Orchester der Welt mit Wonne einladen, kann auf viele der üblichen Maestro-Etiketten verzichten: Er ist weder Taktstock-Zampano noch Magier oder Sphinx am Pult, gilt auch nicht als Despot oder gar Choleriker. Wahrscheinlich ist sein Name deshalb über den Kreis der Klassik-Kenner hinaus kaum geläufig. Die aber lieben und bewundern ihn als souveränen und uneitlen Orchesterleiter. An diesem Sonntag wird er 75 Jahre alt.

Freitag, 12.01.2018, 19:01 Uhr

Mariss Jansons beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, das er schon dreimal leitete.
Mariss Jansons beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, das er schon dreimal leitete. Foto: dpa

Mariss Jansons wurde 1943 in Riga als Sohn des Dirigenten Arvid Jansons geboren, und in die Fußstapfen des Vaters trat er später auch als Assistent des großen und gefürchteten Chefs der Leningrader (und dann St. Petersburger) Philharmoniker Jewgeni Mrawinski. Entscheidend für seine Laufbahn war 1968 die Begegnung mit Herbert von Karajan , der ihn förderte und unterrichtete und in dessen Wettbewerb er 1971 triumphierte. 1979 wurde er Chefdirigent der Osloer Philharmoniker, seine Karriere führte ihn auch zu Chefposten in London oder Pittsburgh. Wichtiger aber waren die beiden europäischen Spitzenorchester, die er zu Beginn des 21. Jahrhunderts leitete: Das gloriose Concertgebouw Orchester in Amsterdam und Deutschlands inoffizielle Nr. 2 nach den Berliner Philharmonikern, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Dort verlängerte man flugs seinen Vertrag, als sich andeutete, dass Jansons der Nachfolger Simon Rattles in Berlin werden könnte. Und dass München jetzt vor dem Neubau eines Konzerthauses steht, ist auch dem Ruhm und dem Einsatz von Jansons zu verdanken, der sich mittlerweile vom Chefposten in Amsterdam zurückgezogen hat und noch stärker auf München konzentriert. Was auch seiner Gesundheit zugute kommt, denn ein Herzinfarkt vor zwei Jahrzehnten und ein Schwächeanfall vor wenigen Monaten waren Warnsignale: Sein Vater starb nach einem Infarkt am Pult.

Von der Kunst Mariss Jansons’ zeugen vor allem die Live-Mitschnitte aus München und Amsterdam, gerade erst ist eine Mahler-Aufnahme mit der siebten Sinfonie beim Label des Concertgebouw erschienen. Wer Jansons dirigieren sieht, dürfte weniger an den großen Mentor Karajan als an dessen Pendant Leonard Bernstein denken: Er ist mit großem Gefühl bei der Sache, lässt den Taktstock auch mal in die linke Hand wandern, um mit rechts mehr Ausdruck einzufordern. Als Operndirigenten erlebt man ihn nicht so oft; wenn er aber eine Aufführung leitet, wird das Ergebnis stets über den grünen Klee gelobt.

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