Festivaltrends 2018
Body Positivity, Kunst und Nachhaltigkeit

Sommerzeit ist Festivalzeit! Wer dieses Jahr mehrere Tage auf einem der vielen Events verbringt, dürfte mitunter froh sein, zwischendurch eine Musikpause einzulegen. Wir stellen vor, was neben Musik die aktuellen Festivaltrends sind. 

Mittwoch, 04.07.2018, 20:57 Uhr

Festivaltrends 2018: Body Positivity, Kunst und Nachhaltigkeit
Aktivistinnen der Goalgirls vor einem Menstruationszelt auf dem "Tech Open Air"-Festival. Foto: Goalgirls

Wer Festivals ausschließlich mit Musik, Alkohol und schlammigen Zeltplätzen verbindet, an dem ist möglicherweise der Kulturgeist heutiger Tage vorbeigezogen. Längst sind die meisten Festivals nicht mehr auf das Konzept reiner Live-Konzerte angelegt: Kunst, Kultur und Workshops bieten vielen Festivalbesuchern die Möglichkeit, sich auszuprobieren und den Alltag hinter sich zu lassen. Themen wie Nachhaltigkeit und Body Positivity, eine Bewegung die zur Selbstliebe des Körpers aufruft, finden immer mehr Einzug in die breite Masse und werden so ebenfalls festivaltauglich.  

Rote Zelte für die Aufklärung

Die deutsche Agentur Goalgirls setzt mit ihrem Projekt „The Red Tent“ ein Zeichen für den Feminismus. Ein „Red Tent“, also ein rotes Zelt, ist diesen Sommer auf drei Festivals zu finden: „Tech Open Air“, das „Lollapalooza “ und das „Melt Festival“. Damit setzen sie ein Zeichen auf dem Weg in Richtung Befreiung von Stigmata und dem offenen Umgang mit dem Thema Periode. Ziel des Projektes ist es, aufzuklären und Frauen sowie auch Männer zu bestärken, mit dem Thema offener umzugehen. Darüber hinaus versorgt das „Red Tent“ Besucherinnen mit Hygieneartikeln und bietet einen geschützten Rückzugsraum. Wer sich für Bloody Marys, ein alkoholhaltiger Cocktail, begeistern kann, ist dort ebenfalls gut aufgehoben - die gibt es dort ebenfalls.

Festival goes green

Das Thema Nachhaltigkeit wird nicht nur gesellschaftlich immer wichtiger, auch diesen Sommer setzen viele Outdoor-Events auf die Auseinandersetzung mit dem Thema „green living“. So ist beispielsweise das „Feel"-Festival die richtige Anlaufstelle für alle umweltinteressierten Festivalfans. Auf Kräuter- und Vogelwanderungen kann man das Gelände erkunden und erfährt Wissenswertes über alternative Lebensentwürfe und Strategien.

Das Prinzip des Müllpfandes verfolgen ebenfalls viele Festivals schon seit einiger Zeit. Einen Müllsack gibt es dann beispielsweise gegen ein paar Euro Pfand. Zurück bekommt man das Geld, wenn man den gefüllten Beutel abgibt. Das erleichtert nicht nur dem Aufräumkommando ganze Arbeit. Auch der Natur kommt es zu Gute, schließlich möchte man sie auch im nächsten Jahr um einen herum genießen. 

Ruhe und Rücksicht: Dazu ruft unter anderem das "Deichbrand"-Festival unter dem Stichwort "Green Camping" auf. Das schützt nicht nur die Umwelt, sondern auch die strapazierten Nerven während eines mehrtägigen Festivals. Die "Safe your Beach"-Aktion des "Sonne Mond und Sterne"-Festivals verbietet sogar Glasflaschen auf dem Festivalgelände.

Die Umwelt schützen ist auch Motto des Projektes "Goldeimer" mit Toiletten, deren unschöner Inhalt zu 100 Prozent recycelbar ist. Anstatt giftiger Chemikalien und viel Wasser werden Sägespäne gegen den Geruch verwendet. So kann der gesamte Inhalt bedenkenlos kompostiert werden. Mit Lektüre und Licht haben die Bio-Klos herkömmlichen Varianten einiges voraus. Auch das "Ruhr Reggae Summer" ruft zum respektvollen Umgang mit der Natur auf und kündigt an: „Ab sofort werden alle unsere Gastronomen ihre leckeren Speisen ausschließlich auf aus Pflanzen gewonnen Biokunststoff-Tellern servieren“

Verschiedenste Angebote in musikfreier Zeit 

Yoga mag für viele mittlerweile ein alter Hut sein. Aber grade auf Festivals funktioniert das Prinzip der Entspannung auf der Matte gut. Viele Events bieten ein breitgefächertes Angebot im Bereich Körper und Bewegung an. Acroyoga, eine Kombination aus Yoga und Akrobatik, geführte Meditationen oder der neu auflebende Trend des Hula Hoops - viele neue aber auch alte Trends werden auf den meisten Outdoor-Events aufgegriffen. Workshops und Vorträge runden das Programm ab. Das "Fusion"-Festival schafft damit jährlich „eine Parallelgesellschaft der ganz speziellen Art mit Musik, Theater, Performance und Kino bis hin zu Installation, Interaktion und Kommunikation“

Vorträge und politisch-kulturelle Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und Konflikten als Programmpunkte finden sich allerdings nicht nur auf den großen Events. „Monis Rache“ ist ein kleines kollektiv organisiertes Kultur- und Musikfestival im Norden Deutschlands. Bereits zum dritten Mal dreht es sich dort nicht alles nur um Musik.

Kunst nicht nur als Deko

Anfassen, gestalten, mitnehmen und erfinden - wer hat dafür im Alltag noch Zeit? Viele Festivals ermöglichen ihren Besuchern genau dies. Die Zeit anhalten und sich ausprobieren. Verschiedene Kunsthandwerke wie Lochbildfotografie, Aktzeichnen oder Traumfängerbasteln laden zum Ausprobieren ein. Beim „Wilde Möhre"-Festival in Brandenburg ist die "MitMachSchmiede" mittlerweile zum festen Bestandteil geworden. 

Dass der Begriff "Festival" nicht zwingend immer etwas mit Musik zu tun haben muss, beweist das „Metropolink“-Festival. Vom 13. bis 28. Juli zeigt die Stadt Heidelberg, dass sich Musik und Kunst im öffentlichen Raum wunderbar verbinden lassen. Urbane Kunst, Ausstellungen und Streetdance: Der Begriff Festival wird von der Mitgliedstadt des „UNESCO Creative City Networks“ völlig neu belegt.

Festival bedeutet also nicht nur Musik und Mückenstiche. Wer die richtige Veranstaltung für sich findet, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Und vielleicht sogar mit einem neuen Hobby nach Hause!

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