Der Theologe Johann Baptist Metz wird am 5. August 90 Jahre alt
Energisch, politisch, leidenschaftlich

Münster -

Es gab Zeiten an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, da waren Namen Programm. Sie liegen 20, 30 Jahre zurück. Es waren Jahre der Auseinandersetzungen zwischen Weltanschauungen und Denkschulen. Einer dieser klangvollen Namen, mit denen man bis heute eine engagierte Gottesrede verbindet, lautet Johann Baptist Metz. Am Sonntag (5. August) wird der „Vater der Neuen Politischen Theologie“ 90 Jahre alt. Die Universität will ihn am 15. September mit einem Festakt ehren.

Freitag, 03.08.2018, 13:26 Uhr

Johann Baptist Metz (l.) 2008 bei einem der regelmäßigen Foren zur Neuen Politischen Theologie mit dem damaligen Leiter der Volkshochschule Ahaus und theologischen Schüler Dr. Claus Urban.
Johann Baptist Metz (l.) 2008 bei einem der regelmäßigen Foren zur Neuen Politischen Theologie mit dem damaligen Leiter der Volkshochschule Ahaus und theologischen Schüler Dr. Claus Urban. Foto: Loy

Der Audimax in Münster war stets gefüllt, wenn der Fundamentaltheologe über den Glauben in Geschichte und Gesellschaft sprach, über die „Gotteskrise“, die seiner Meinung nach viel tiefer geht als das Gerede von der Kirchenkrise. Oder wenn er über „Theologie nach Auschwitz“ nachdachte. Wenn er gegen das geschichtslose Geplärre einiger moderner Philosophen und Psychologen wetterte, die Jesus wohlgefällig mit Buddha vertauschen. Kaum ein anderer hat wie Metz die Grundzüge christlicher Theologie gegenüber Gesellschaftstheorien und Ideologien so dialogbereit und scharfsinnig vertreten.

Im Oktober 1998, kurz nach Metz’ 70. Geburtstag, kam es zu einem legendären „Theologen-Gipfel“ in Ahaus. Metz’ Schüler hatten dazu Kardinal Joseph Ratzinger eingeladen, und es war überraschend zu sehen, dass der damals als „Hardliner“ titulierte Präfekt der Glaubenskongregation, der die Befreiungstheologie und einige ihrer Vertreter „gemaßregelt“ hatte, dem münsterschen Fundamentaltheologen Respekt zollte für seine Theologie, die immer wieder die Gottesfrage stelle. Niemand konnte ahnen, dass Ratzinger acht Jahre später als Benedikt XVI. Bischof von Rom und Pontifex Maximus werden würde.

Mit der zeitlichen Befristung und damit auch Entmystifizierung des Papstamtes durch eben jenen Joseph Ratzinger hat sich Johann Baptist Metz gut anfreunden können. Und mit dem Argentinier Jorge Bergoglio wurde 2013 ein Mann Papst, der keine Scheu gegenüber der Befreiungstheologie kennt und die Option für die Armen programmatisch ebenso vertritt wie den vielfach von Metz geforderten Polyzentrismus der Kirche – weg von der permanenten Rom-Hörigkeit.

Johann Baptist Metz wurde am 5. August 1928 in Auerbach in der Oberpfalz geboren. Er studierte in Bamberg, Innsbruck und München und wurde 1952 zum Dr. phil. sowie 1961 zum Dr. theol. promoviert. 1954 folgte die Priesterweihe. Von 1963 bis 1993 hatte Metz den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU inne. Obwohl er in Münster lebt, ist er ein leidenschaftlicher Bayer geblieben, der sich auch für Fußball begeistern kann. Seine wissenschaftliche Karriere wurde gekrönt als Gastprofessor für Religionsphilosophie und Weltanschauungslehre an der Universität Wien von 1993 bis 1998.

Stellvertretend für viele Auszeichnungen seien die Buber-Rosenzweig-Medaille (2002) für vorbildliches Engagement im christlich-jüdischen Dialog und der Theologische Preis der Salzburger Hochschulwochen (2007) erwähnt. Johann Baptist Metz warb stets für eine Rückbesinnung Europas auf das jüdisch-christliche Erbe und eine „Mitleidenschaft“ (Compassion) für die Marginalisierten und Leidenden. Dies sei das „christliche Weltprogramm“ oder, anders ausgedrückt, die „christliche Mitgift“ für eine globalisierte Welt.

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