Sommergespräch mit Justizministerin
Katarina Barley: „Ich schätze die Arbeit der Winzer“

Münster -

Bundesweit bekannt wurde sie als SPD-Generalsekretärin, in der vergangenen Legislaturperiode war sie Bundes-Familienministerin und leitet in der neuen Bundesregierung das Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz: Katarina Barley. Weil sie ihren Wahlkreis und ihren Wohnsitz in Trier hat, kann sie aber auch kundig über ein ganz anderes Thema sprechen: über den deutschen Wein. Das bewies sie auch im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Harald Suerland.

Sonntag, 19.08.2018, 16:40 Uhr
Sommergespräch mit Justizministerin : Katarina Barley: „Ich schätze die Arbeit der Winzer“
Justizministerin Katarina Barley. Foto: BMJV/Thomas Koehler/photothek

Guten Tag Frau Barley . In einem langen Online-Interview wurden sie kürzlich mit Vorurteilen gegen den Mosel-Riesling konfrontiert – und haben Ihre Gesprächspartner sanft über die Qualitäten solcher Weine aufgeklärt. Geben Sie häufiger Interviews zu diesem Thema?

Katarina Barley: Dieser Podcast hat zwar Wellen geschlagen, aber exklusiv über Wein bin ich bisher tatsächlich noch nie gefragt worden.

Ihr Faible für deutschen Riesling hat sicherlich mit den beruflichen Jahren als Richterin in Trier und ihrem dortigen Wahlkreis zu tun?

Barley: Genau. Ich komme aus Köln und bin auch etwas herumgekommen, lebe aber seit 25 Jahren in dieser Region – mein halbes Leben! Und beim Wein geht es ja nicht allein um das Getränk: Es ist die Landschaft, es sind die Feste und das Brauchtum. Die Mosel ist auch eine beliebte Urlaubsregion.

Aber allerlei Vorurteile gibt es ja, gegen die Landschaft, gegen süßen Wein ...

Barley: ... und sie sind längst überholt! So ist es eine großartige Radsport- und Wassersport-Region: Die vielmalige Weltmeisterin im Barfuß-Wasserski kommt von der Mosel. Trier, die älteste Stadt Deutschlands, ist zugleich eine sehr junge Stadt. Und es gibt viele fantastische Jungwinzer.

Für die das Klima der letzten Wochen und Monate ja nicht so schlecht war wie für andere Bereiche der Landwirtschaft?

Barkey: Nein, das hängt mit den Steillagen zusammen: Die Reben wurzeln dort sehr tief, die Trockenheit macht ihnen nicht so viel aus. Deshalb haben wir kaum Trockenschäden.

Wenn Sie „Wir“ sagen, meinen Sie die Menschen der Region – oder haben Sie selbst auch direkt mit dem Weinbau zu tun?

Barley: (lacht) Das nicht, aber ich bin eng damit verbunden. Jedes Jahr arbeite ich bei der Lese mit, klettere in den Steilhang in Leiwen. Mein Wahlkreis erstreckt sich bis Trittenheim: Dort oben im Weinberg haben Sie einen wunderbaren Blick auf die Moselschleife.

Und was sollte dann später ins Glas kommen: trocken oder doch eher süß?

Barley: Das hängt natürlich auch vom persönlichen Geschmack ab. Aber da die Reben an Mosel, Saar und Ruwer auf Schiefer wachsen, haben unsere Weine diesen mineralischen Ton, zu dem ein Hauch von Süße gut passt. Zum Dessert darf’s auch mal edelsüß sein, sonst mag ich gern halbtrockene oder feinherbe Rieslinge.

Ah, feinherb, die etwas coolere Bezeichnung ...

Barley: ... mit dem Unterschied, dass sie nicht gesetzlich festgelegt ist. Das können die Winzer nach eigener Einschätzung auf die Etiketten schreiben. Insofern ist „halbtrocken“ genauer. Im trockenen Bereich mag ich am liebsten eine Spätlese, die hat meist mehr Fruchtaromen.

Ihr Parteifreund Peer Steinbrück hat sich einst Unmut zugezogen, als er sich zu etwas teurerem Wein bekannte. Müssen Sozialdemokraten eigentlich immer noch fürchten, für Genuss gescholten zu werden?

Barley: Wer sich ein bisschen auskennt, der weiß, was es kostet, guten Wein zu produzieren. Vielfach sind es Familienbetriebe, die das ganz Jahr über Arbeit investieren, die den Risiken des Wetters ausgesetzt sind, etwa von Hagelschäden. Als Sozialdemokratin schätze ich die Arbeit, auch die Erfahrung und die Liebe, die hinter einem guten Glas Wein stecken. Gute Lebensmittel haben ihren Preis. Und wenn Sie dann bedenken, was Sie beim Winzer schon im einstelligen Euro-Bereich für Qualität bekommen ... Das ist etwas anderes, als wenn ich in Berlin bin und mal eben 7 Euro für ein Glas Wein bezahlen muss!

Apropos Berlin: Gibt es da eigentlich auch Wein-Koalitionen in der Regierung? Ihre CDU-Kollegin vom Landwirtschaftsministerium ist ja auch Weinkennerin.

Barley: (lacht) Es heißt ja sogar Kabinett, wie beim Prädikatswein! Julia Klöckner ist zwar ebenfalls Rheinland-Pfälzerin, wir haben uns auch schon auf entsprechenden Terminen getroffen, aber das Thema noch nicht vertieft. Vier Mal im Jahr gibt es übrigens ein Parlamentarisches Weinforum, das mein Parteifreund Gustav Herzog mit organisiert. Da geht es um fachliche Informationen, etwa über neue Rebsorten, aber ich hatte auch mal Gelegenheit, dort die großartige Gesangsgruppe „Riesling Harmonists“ von der Mosel zu präsentieren.

Sind Sie in Ihrem Ressort für Justiz und Verbraucherschutz denn auch mit dem Thema Wein befasst?

Barley: Bisher nicht – zum Glück! Denn die großen Weinbauskandale liegen Jahrzehnte zurück.

Muss es eigentlich immer Weißwein sein? Wie halten Sie es mit Rotwein und Rosé?

Barley: Rotwein trinke ich ebenfalls gern, auch hier in Rheinland-Pfalz gibt es sehr gute – und gerade entdecke ich das Rotweinland Österreich für mich. Ansonsten natürlich die Klassiker, Spanien, Frankreich, Italien. Nur Rosé ist nicht so meins: Weiß oder Rot – ganz oder gar nicht!

Und als Tochter eines englischen Vaters haben Sie sicherlich auch Erfahrung mit englischem Wein?

Barley: Nö! Aber es geschehen die erstaunlichsten Dinge mit dem Klimawandel: In Amsterdam hat kürzlich mal jemand von holländischem Wein erzählt.

Der Weinkritiker Stuart Pigott, den wir nach Wein aus seiner englischen Heimat fragten, empfahl uns einen Schaumwein. Aber nach unserem Gespräch vermute ich: Wenn im Hause Barley festlich angestoßen wird, darf es deutscher Sekt sein?

Barley: Oh ja! Für einen deutschen Winzersekt lasse ich gern so manchen Champagner oder Cremant stehen. Und da stimmt im Übrigen das Preis-Genuss-Verhältnis. Sehr lecker ist übrigens auch ein schöner Winzersekt mit einem Schuss Weinbergspfirsich-Likör: Das sollten Sie mal probieren!

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