Rassismus im Kulturbetrieb?
Keilerei um Kasper König

Münster/München -

Wenn Kasper König ins Plaudern kommt, dann bremst ihn kaum etwas. Wer sollte ihn auch stoppen, denn im Bereich moderner Kunst kann dem 75-Jährigen mit münsterländischen Wurzeln kaum jemand das Wasser reichen. Auch bei den Skulptur-Projekten 2017 in Münster, die ja „sein Kind“ sind, zeigte er sich stets als ruheloser Rhetor. Ob das, was ihm kürzlich bei einer Talkrunde in den Münchner Kammerspielen passierte oder widerfuhr, nun in die Schublade „Rassismus“ passt oder einfach nur dumm lief, darüber zerbricht sich im Moment nicht nur die Kunstszene, sondern auch die Süddeutsche Zeitung den Kopf.

Freitag, 07.12.2018, 17:42 Uhr
Kasper König bei der Vorbereitung der Skulptur-Projekte 2017 mit Marianne Wagner (l.) und Britta Peters auf dem Dach des Landesmuseums.
Kasper König bei der Vorbereitung der Skulptur-Projekte 2017 mit Marianne Wagner (l.) und Britta Peters auf dem Dach des Landesmuseums. Foto: Caroline Seidel

„Ich habe mich wirklich widerlich benommen“, so zitiert Catrin Lorch in einem halbseitigen Feuilleton-Artikel in der Süddeutschen Zeitung den Kunst-Mogul, der seit etwa einem Jahr in den Kammerspielen die Talk-Reihe „ Kasper König &“ präsentiert, deren Titel für sich spricht. Eine der jüngsten Ausgaben war dem Thema „Heimat und Rechtsradikalismus“ gewidmet. Dazu waren die beiden aus Ostdeutschland stammenden Künstler Henrike Naumann und Wilhelm Klotzek eingeladen sowie die Künstlerin Cana Bilir-Meier aus München. Zwei Stunden nach dem Ende der Veranstaltung postete Bilir-Meier auf Facebook unter der Überschrift „Zum Kotzen“ auf Englisch ihre Erinnerung an diesen „most horrible talk with Kasper König“, eine Horrordiskussion.

Schon während des Vorgesprächs habe König, so behauptet Bilir-Meier, unumwunden mitgeteilt, dass sie Kunstpreise wohl nur wegen ihres „exotischen Namens“ gewonnen habe. Während der Talkshow unterzog er die Kunst der Gesprächspartner einer formalen Prüfung, was diese offenbar als brüskierend empfanden. Außerdem entstand im Monolog über Hölzchen und Stöckchen ein Satz über „Typen“ in Kreuzberg, bei dem Bilir-Meier das Wort „Türke“ vernommen zu haben glaubte. Unversehens entstand offenbar das Gefühl, hier gerate man in einen Kontext, in dem biedere Bürger über Kopftuch, dicke Autos und Großfamilien bestimmten nationalen oder ethnischen Zuschnitts reden.

Kasper König entschuldigte sich seitenlang bei der Künstlerin, räumte Fehler ein. Die Süddeutsche Zeitung resümiert nun forsch: „Nun stößt den charmant-rüpeligen König ausgerechnet eine in den Achtzigerjahren geborene Künstlerin mit Migrationshintergrund vom Sockel. Und man erkennt, dass die Szene nicht mehr bereit ist, ihn als Hausherrn zu akzeptieren.“

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