Schauspielerin Josefine Voss im Interview
"Ich habe so ein Grundvertrauen"

Zwei neue Märchenfilme feiern zu Weihnachten ihre Premiere im Ersten. In der Neuverfilmung „Die Galoschen des Glücks“ spielt Josefine Voss, eine junge Schauspielerin, die aus Dorsten stammt, eine verwöhnte Prinzessin. Wir haben mit ihr gesprochen.

Samstag, 22.12.2018, 15:00 Uhr
Schauspielerin Josefine Voss im Interview: "Ich habe so ein Grundvertrauen"
Josefine Voss betont gern, dass sie gebürtig aus Dorsten stammt. Inzwischen lebt sie in Berlin. Foto: Katja Kuhl

Frau Voss , Sie spielen in der ARD-Märchenverfilmung „Die Galoschen des Glücks“ eine Prinzessin, die Licht- und Schattenseiten hat. Beschreiben Sie uns den Charakter dieser Figur?

Josefine Voss: Sie ist natürlich sehr verwöhnt. Ich weiß nicht, ob das wirklich eine Schattenseite ist. Ich sehe das so, dass sie es auch nicht anders kennt. Sie meint es nie böse. Und Lichtseiten: Sie ist sehr spontan, lebenslustig, schnell begeistert und fasziniert. Ein sehr energetischer Charakter.

Ist mit der Rolle für Sie ein einstiger Kindertraum wahr geworden? Einmal Prinzessin zu sein?

Voss: Ja. Ich habe schon früh gesagt, dass ich Schauspielerin werden will und habe damals schon mit meiner Mutter Schneewittchen und die böse Hexe gespielt. Märchen standen in meiner Kindheit ganz weit oben.

Kannten Sie das Märchen vor den Dreharbeiten?

Voss: Nein, ich war auch total baff, denn eigentlich bin ich Märchen-Fan, und besonders die von Hans Christian Andersen mag ich, aber dies kannte ich nicht.

Die Verfilmung verwendet Motive des Original-Märchens, der Schluss aber ist versöhnlich. Stört Sie das?

Voss: Nein, ich finde das okay. Gerade zu Weihnachten ist eine positive Botschaft generell richtig. Ich habe mit ehrlich gesagt das Original auch nicht mehr angeschaut, weil ich sofort von dem Drehbuch begeistert war. Die Dialoge und alles haben mir total zugesagt. Von daher würde ich sagen: Es ist schon gut so, wie es geworden ist.

Wie war denn die Zusammenarbeit mit so gestandenen Kolleginnen wie Corinna Kirchhoff oder Annette Frier?

Voss: Das war unglaublich toll – und auch extrem witzig. Denn ich habe in Wien studiert und bin als fleißige Schauspielstudentin natürlich immer im Burgtheater gewesen. Dadurch bedingt war ich ein Fan von Corinna Kirchhoff. Und es war, glaube ich, im dritten Semester, als sie bei uns einen Workshop gegeben hat, den ich besucht habe. Ich bin also aus allen Wolken gefallen, als ich gehört habe, dass sie hier meine Tante spielt. Und auch mit Annette Frier zu arbeiten war großartig. Ich habe ja noch nicht so viel für das Fernsehen gemacht, drehe auch noch nicht so lange, bin also noch relativ frisch dabei. Die beiden haben mich sehr unterstützt.

Sie stammen aus Dorsten im nördlichen Ruhrgebiet, haben auf Ihrer AgenturHomepage auch einen witzigen Promo-Film dazu gedreht.

Voss: (l acht) Immer, wenn mich jemand fragt, wo kommst du denn her, und ich dann Dorsten sage, heißt es nur: Was, wo kommst Du her? Irgendwann war mir das zu blöd, und ich hatte die Idee mit dem Demo-Band. Jetzt wissen alle: Ich komme aus Dorsten.

Inzwischen leben Sie in Berlin. Wie eng ist die Verbindung zu Ihrer Heimat noch?

Voss: Fast meine ganze Familie lebt noch in Dorsten. Mein Bruder ist nach dem Studium gerade erst wieder dorthin gezogen. Da besteht insofern noch eine sehr starke Verbindung.

Sie haben es eben schon angedeutet, dass Sie früh Schauspielerin werden wollten. Wie kam das?

Voss: Ich habe Bücher über alles geliebt und auch Rollenspiele mit meinem Bruder. Wenn ich jetzt so zurückblicke, ist es erstaunlich, wie ich diesen Weg gegangen bin, weil es von Seiten meiner Familie keine Affinität für Film oder Theater gab. Ich bin auf dem Gymnasium auch erst relativ spät Mitglied der Theater-AG geworden. Mir schwebte eher vor, etwas mit Musicals zu machen, weil meine Eltern da öfter mal mit uns hingegangen sind. Also habe ich fleißig Ballett- und Gesangsunterricht genommen, bin aber erst spät darauf gekommen, dass es auch noch den Beruf des Schauspielers gibt. Ich wusste auch gar nicht, wie die Ausbildung für diesen Beruf funktioniert. Ich bin da sehr blauäugig drangegangen.

Porträt

Josefine Voss wurde im Jahr 1990 in Dorsten geboren. Von 2010 bis 2014 absolvierte sie eine dreijährige Schauspiel-Ausbildung in Wien, anschließend studierte sie bis 2016 in Zürich. Aktuell studiert sie am Institut für Schauspiel-, Film- und Fernsehberufe (iSFF) in Berlin, wo sie inzwischen wohnt. Ihr erster Kinofilm war „Zwei im falschen Film“ im Jahr 2016. Josefine Voss hat zudem eine Gesangsausbildung genossen und spielt Querflöte. Auch das Tanzen nimmt in ihrer Vita großen Raum ein.

...

Sind Sie sofort nach Wien gegangen?

Voss: Ich glaube, es war zu meinen 17. oder 18. Geburtstag, als ich von meinen Eltern die Teilnahme an einen Theaterworkshop im Mondpalast in Wanne-Eickel geschenkt bekommen habe. Zwei Wochen dauerte das damals, und da ist das Feuer entfacht worden. Ich habe dort Theaterschaffende kennengelernt, die mir zum Besuch einer Schauspielschule geraten haben. Nach dem Abitur habe ich noch knapp ein Jahr lang am Mondpalast gespielt und mich parallel bei Schauspielschulen beworben. Das hat dann erstaunlich schnell in Wien geklappt.

Sie haben eine Gesangsausbildung, spielen Querflöte. Sind Sie auch musikalisch in der Öffentlichkeit präsent?

Voss: Ich habe lange aktiv Musik gemacht. Irgendwann musste ich mich entscheiden: Mache ich es professionell oder als Hobby? Für mich war klar: Es ist ein Hobby. Der Gesang aber ist ein Steckenpferd geblieben, und ich habe gerade die Anfrage für ein Gesangsstück bekommen.

Wenn Sie selbst „Galoschen des Glücks“ an den Füßen hätten, was würden sie sich für Ihre Zukunft wünschen?

Voss: Oh, schwierig. Ich habe mir in der Vergangenheit so viel gewünscht, von dem ich im Nachhinein gedacht habe: Das wäre gar nicht das Richtige für mich gewesen. Ich habe so ein Grundvertrauen, dass mich die Projekte oder Dinge, die jetzt im Privaten passieren, in die richtigen Bahnen lenken werden. Aktuell würde ich mir – ganz materialistisch – ein neues Smartphone wünschen, weil meines so langsam den Geist aufgibt.

Zum Thema

„Die Galoschen des Glücks“, zu sehen am Zweiten Weihnachtstag um 13.15 Uhr in der ARD

...

... och, ich dachte eher an eine Rolle im „Tatort“ oder so.

Voss: (lacht) Was ich mir auf jeden Fall wünsche ist, dass es so weiter geht wie jetzt. Seit ich die „Galoschen des Glücks“ gedreht habe, kommen deutlich mehr Castinganfragen und Angebote auch für Hauptrollen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6271592?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F
Nachrichten-Ticker