Helge Schneider mit Band in Münster
Mit dem Alter immer besser

Münster -

Einst heftete man dem Anarcho-Genie des skurrilen Humors das Etikett „Die singende Herrentorte“ an. Aber wer Helge Schneider am Samstag in der voll besetzten Halle Münsterland erlebte, musste ihn eher mit einem edlen Rotwein vergleichen – er wird mit dem Alter immer besser. Mit seinen nun 63 Jahren war Helge so überbordend albern, so kindlich-schelmisch wie eh und je. Zugleich aber wirkte Doc Snyder derart in seine Musik verliebt, dass sich der Abend über weite Strecken wie ein „richtiges“ Konzert anfühlte. Seine exzellenten Band-Musiker bürgten auch mit ihren Soli dafür.

Sonntag, 10.03.2019, 16:58 Uhr
Über weite Strecken fühlte sich der Auftritt von Helge Schneider (l.) und Band wie ein „richtiges“ Konzert an – etwa hier beim „Spaghetti-Western“ voller Pathos.
Über weite Strecken fühlte sich der Auftritt von Helge Schneider (l.) und Band wie ein „richtiges“ Konzert an – etwa hier beim „Spaghetti-Western“ voller Pathos. Foto: Thomas M. Weber

Die Musik war in jeder Nummer mehr als nur ein Vehikel für den Witz: Schneider hüpfte von Instrument zu Instrument, haute in die Tasten des weißen, stuckverzierten Flügels, sprang zur Rock-Orgel, spielte Vibraphon, Trompete und Saxophon – letzteres mit einer innigen Jazz-Ballade zum Finale, die sich wie emotionaler Balsam auf die vom Anarcho-Witz gereizten Nerven der Fans legte. Lediglich sein Cellospiel mit Sombrero, wo er die Werke von „Klemens Bach“ wie eine rostige Matratze daherkratzte, war pure Albernheit à la Schneider.

Wenn ein Spaßmacher über Jahrzehnte eine so große Fangemeinde aufbaut, dürfen die Klassiker nicht fehlen. Nein, das überschätzte „Katzeklo“ spielte Helge nicht – dafür aber den allseits unterschätzten „Meisen-Mann“. Der arme Vogel-Wicht, der für Frau und Küken einst unermüdlich Würmer suchen musste (und selbst keinen abbekam), schloss in der neuen Version mit den Würmern Freundschaft. Und wurde von Frau Meise zur Strafe verspeist. „Vielleicht hab’ ich den Meisen-Mann heute das letzte Mal gesungen“, grinste der Meister.

Und wo andere sich mit politischem Protest aufblasen, ließ der Schelm genüsslich die Luft heraus, mit einem fetten „Protestsong“ alter Schule, dessen Text nur aus „Trump, Trump, Trump“ bestand. Ein absoluter Höhepunkt war jedoch die Instrumental-Nummer „Lonely Pony“, in welcher Helge und Band das volle Pathos alter Spaghetti-Western in die Halle Münsterland donnerten. Das allein hätte den Abend gelohnt. Aber Helge sprach auch über Münster und erfuhr, dass Kirmes hier „Send“ heißt. Dies allerdings klinge so langweilig „wie Karneval in Osnabrück“. Wo er recht hat, hat er recht.

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