„Gespräche mit Astronauten“ feiern im Kleinen Haus Premiere
Wenn sich Menschen selber entlarven

Münster -

Die Bühne, die Juliette Collas ins Kleine Haus hineingebaut hat, ist ein kleines Kunstwerk. Treppen, Podeste, schiefe Ebenen und ein Pool aus bunten Bällen bieten reichlich Aktionsfläche für die Schauspielerinnen. Müssen sie sich mal abreagieren, steht vorne ein Punchingball bereit. Wollen sie es besinnlicher haben, gibt es hinten einen Altar aus buntem Flitterkram. Hier können sie über sich und ihre Situation nachdenken – die reichen Damen aus Deutschland ebenso wie die armen Mädchen aus den ehemaligen Sowjetländern, die im Westen das Glück suchen.

Sonntag, 17.03.2019, 17:02 Uhr aktualisiert: 19.03.2019, 18:58 Uhr
Andrea Spicher (v.l.), Benedikt Thönes, Regine Andratschke, Rose Lohmann und Carola von Seckendorff in Aktion.
Andrea Spicher (v.l.), Benedikt Thönes, Regine Andratschke, Rose Lohmann und Carola von Seckendorff in Aktion. Foto: Oliver Berg

Felicia Zellers „Gespräche mit Astronauten“, das am Freitag im Theater Münster Premiere hatte, ist eine wortreiche Satire über Globalisierung und das daraus entstehende Wohlstandsgefälle. Am Start sind vier beruflich erfolgreiche Frauen aus Deutschland und vier Au-pair-Mädchen aus dem Osten. Hinzu kommt eine Handvoll Kinder, die versorgt werden müssen. Feste Rollen gibt es nicht. Jede der Schauspielerinnen ist mal Mutter, mal Kindermädchen, mal Kind. Das sorgt für eine gewisse Verwirrung, die aber das innere Chaos der Protagonistinnen recht gut spiegelt.

Denn zwischen den Erwartungen und dem, was dann eintritt, tun sich schnell Abgründe auf. Und zwar auf beiden Seiten. Die Meinungsverschiedenheiten fangen beim Putzen an und hören bei der Kindererziehung nicht auf. Ganz schlimm wird es, wenn sich das Au-pair erdreistet, Männerbesuch zu haben. Zeller entwickelt hier ein feines Gespür, wie sich Menschen beim unbedarften Daherreden selbst entlarven. Wobei ihr Witz freilich mehr auf die besorgten Mütter zielt als auf die Au-pairs, die damit zurechtkommen müssen.

Dass die Inszenierung nicht im Verbalen steckenbleibt, dafür sorgen Regisseur Gregor Tureček und sein Ensemble, das die von drei Seiten einsehbare Bühne gut zu nutzen weiß. Action gibt es mit Andrea Spicher, die im Einkaufswagen kreischend die Rampe hinabsaust. Erotisch wird es, wenn Regine Andratschke lasziv auf ihrem Bürostuhl herumturnt. Carola von Seckendorff führt vor, wie das mit den Blowjobs wirklich ist, während Rose Lohmann alle Mühe hat, ihr Au-pair-Kind vor Spielplatzunfällen zu bewahren. Und mit Benedikt Thönes schwebt dann sogar noch der titelgebende Astronaut ein. Trotz kleiner Längen eine sehenswerte Aufführung.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6477748?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F
Studentenwerk: Kein Ghetto am Wilhemskamp
Die Wohnanlage Wilhelmskamp könnte nachverdichtet werden. aus. Das Studierendenwerk ist zurückhaltend gegenüber dem Vorschlag des Planungsbüros John Architekten.
Nachrichten-Ticker