Hermann van Veen in der Halle Münsterland
Über Leben, Liebe und Tod

Münster -

Tags zuvor feierte er noch seinen 74. Geburtstag. Dann trat er in Münster auf. Seine Fans ließen Hermann van Veen, den Altmeister, hochleben.

Sonntag, 17.03.2019, 17:02 Uhr aktualisiert: 19.03.2019, 18:58 Uhr
Hermann van Veen lieferte in der Halle Münsterland Lieder und Musik in der ganzen Bandbreite seines Lebens.
Hermann van Veen lieferte in der Halle Münsterland Lieder und Musik in der ganzen Bandbreite seines Lebens. Foto: Moseler

Noch war auf der Bühne der Halle Münsterland kein Mensch zu sehen, da entrollte sich eine „Happy birthday!“-Woge von den hintersten bis zu den vordersten Plätzen, vom Publikum spontan intoniert: Hermann van Veen hatte am Vortag seinen 74. Geburtstag gefeiert. Vielleicht war es die eiserne Garde der Fans, die hier ihrem Idol Tribut zollte, vielleicht aber auch Herzenssache jenseits standardisierter Verehrung. Wenige Momente später betrat van Veen die Szene, flankiert von seinen Musikerinnen, schlängelte sich tänzerisch an Flügel, Keyboard, großer Pauke und Harfe vorbei: Rasender Applaus. Dann ein typischer van-Veen-Satz: „So gut, wie es früher war, ist es früher nie gewesen!“ Ein trotziges Konzertmotto gegen alles ewig Gestrige. Dennoch schwelte ein atmosphärisches Retro-Gefühl im Saal, als verkörpere der unermüdliche Barde aus den Niederlanden gelebte Weltweisheit.

Kaum ein Sänger hat Herz und Moral derart offen bis hin zur sentimentalen Euphorie beschworen wie van Veen – glaubhaft erscheint sie aber gerade in Variabilität und Virtuosität seiner Musik. „Hier unten am Deich“ zu Beginn vereinte Zentralmotive: Natur, Familie, Leben, Liebe, Vergänglichkeit – die autobiografische Schlagseite des Abends. Er habe seine Mutter gefragt, was denn nach dem Tod komme. „Die Rechnung“, habe sie geantwortet. Dass die jedermann serviert bekommt, klang als Basso ostinato in Liedern, Tänzchen und Pantomimen immer wieder durch. Dem Tod schleuderte van Veen lakonische Kalauer entgegen: „In Holland wurde die Todesstrafe abgeschafft. Jetzt bitte den Tod noch!“ Altersmalessen, ärztliche Ratschläge („Entspannen Sie ihre Po-Naht“) wurden ohne Anzüglichkeit präsentiert, der Swing klang immer mit: „Wir sind seit 40 Jahren ein Sofa-Paar.“ Auch das Alter ist ein Glück. Van Veens Musik wechselte oft aus tiefstem Moll in leichtherziges Dur, haute der Meister auch knapp Atonales in die Tasten. Für jedes Lied gab es ein spezielles instrumentales Setting und Originalität jenseits konventioneller Kadenzen. Jedem sein Solo, mittendrin van Veen, auf den Flügeln des Gesangs zwischen Therapie, Trost, Hellseherei und Heldentum schwebend. Die Bühne glich einem Klanglaboratorium. Sein agiler Bariton klang, als sei er ein unerschütterlich junger Gott. Ein Könner, der bewies, dass Musik Farben hat und nicht nur einen Motor. Ovationen!

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