"Evas Story"
Instagram-Stories stellen wahre Geschichte nach

Tel Aviv -

Was wäre, wenn es zur Zeit des Holocaust neue Medien gegeben hätte? Das ist die Idee hinter dem Projekt "Evas Story". Seit Mittwoch können Instagram-Nutzer jeden Tag neue Videos unter dem Profil @eva.stories sehen. Sie basieren auf den Tagebücherin der 13-jährigen Eva Heyman, die 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben kam.

Freitag, 03.05.2019, 14:15 Uhr aktualisiert: 03.05.2019, 14:28 Uhr
In "Evas Story" postet die 13-jährige Eva Heyman, gespielt von Schauspielerin Mia Quiney, wie sie und ihre Familie im Zweiten Weltkrieg von den Nazis deportiert werden.
In "Evas Story" postet die 13-jährige Eva Heyman, gespielt von Schauspielerin Mia Quiney, wie sie und ihre Familie im Zweiten Weltkrieg von den Nazis deportiert werden. Foto: Screenshot: Instagram

Es ist eine neue Form des Gedenkens an den Holocaust in Israel: Eine Instagram-Story soll die Geschichte des 13-jährigen Mädchens aus Ungarn erzählen, das 1944 im deutschen Vernichtungslager Auschwitz in Polen ermordet wurde.

" Evas Story" erscheint seit Mittwoch im stündlichen Takt in kurzen Videos in englischer Sprache auf Instagram. Zum Holocaust-Gedenktag in Israel am Donnerstag (2. Mai) soll dies an das Leben von Eva Heyman erinnern - und an die rund sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden.

Initiative von Hightech-Milliardär

Initiator und Regisseur ist der israelische Hightech-Milliardär Matti Kochavi , der nach Medienberichten mehrere Millionen Schekel investiert hat. "Evas Story" basiert auf dem Tagebuch des jungen Mädchens, das die letzten Monate seines Lebens schildert, und stellt die Frage: "Was, wenn ein Mädchen im Holocaust Instagram gehabt hätte?". Entsprechend erhält man einen Instagram-typischen Einblick in das Leben eines jüdischen Mädchens während der NS-Besatzung, als hätte es seine persönliche Geschichte durch Instagram aufgezeichnet.

Eva Heyman war 13 Jahre alt, als sie begann, ihr Tagebuch zu führen - schrieb dieses jedoch nur einige Monate bis zu ihrer Deportation im Mai 1944 nach Auschwitz, wo sie im Oktober ermordet wurde. Das Mädchen wird von der Schauspielerin Mia Quiney dargestellt.

An der Einfahrt nach Tel Aviv werben riesige Plakate für das Projekt. Die verschiedenen Videos wurden unter anderem im ukrainischen Lwiw aufgenommen. Für die Story wurde etwa eine Szene mit der Ankunft von mehr als 40 deutschen Panzern gefilmt, die Eva in ihrer Heimatstadt miterlebt hatte.

Zielgruppe: Jugendliche

Das ungewöhnliche Projekt stößt auf großes Interesse: Schon am Tag vor der Veröffentlichung hat der Account mehr als 200.000 Follower. Inzwischen sind es mehr als eine Million. Ziel ist es, auch jüngeren Menschen einen besseren Zugang zur Geschichte des Holocaust zu verschaffen. Deshalb wird die persönliche Geschichte einer «Gleichaltrigen» erzählt, über ein Medium, das vor allem junge Nutzer hat.

Initiator Kochavi erklärt seine Entscheidung für diese Plattform mit dem aktuellen Trend junger Nutzer zu sozialen Medien. "Die Jugend ist heute auf Instagram, während die Jugend zu meiner Zeit Zeitungen las und Fernsehen schaute", sagte er dem israelischen Fernsehen.

"Im digitalen Zeitalter, in dem die Aufmerksamkeitsspanne kurz und das Bedürfnis nach Nervenkitzel hoch ist, ist es extrem wichtig, neue Modelle der Zeugenaussagen und Erinnerung zu finden - auch angesichts der sinkenden Zahl von Holocaust-Überlebenden", sagte Kochavi der Zeitung "Haaretz".

Gemischte Resonanz

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem teilte mit, man kenne das Projekt zwar nur aus der Werbekampagne. "Yad Vashem glaubt aber, dass die Nutzung sozialer Medien für das Holcaust-Gedenken legitim und effektiv ist."

Etliche Instagram-Follower zeigen sich begeistert, wie zum Beispiel diese Nutzerin: "Brillianter Gebrauch eines relativ neuen Mediums, um Geschichte zu unterrichten. Unglaublich effektiv."

Andere kritisieren diese neue Form des Gedenkens, um der jungen Generation und Digital Natives die Geschichte und die Leiden der Opfer des Holocausts nahezubringen. "Sie können nicht ein einziges Stück Technologie von 2019 bis 1942 implantieren. Es macht keinen Sinn, das ist völlig irrelevant und inkonsistent", schreibt eine Instagram-Nutzerin. 

 

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