Neue Wege zur Lackkunst ebnen
Neue Leiterin im Lackkunstmuseum Münster hat viele Pläne

Münster -

Dr. Gudrun Bühl war viele Jahre als Museumskuratorin und -direktorin in Washington D.C. tätig. Seit gut hundert Tagen steht sie nun an der Spitze des Museums für Lackkunst in Münster und fühlt sich „fast schon als Münsteranerin“. Was sie in ihrem neuen Amt alles anpacken will, verriet sie im Gespräch.

Freitag, 10.05.2019, 18:56 Uhr aktualisiert: 10.05.2019, 19:22 Uhr
Gudrun Bühl, die lange in Amerika lebte und wirkte, ist im Museum für Lackkunst schnell heimisch geworden.
Gudrun Bühl, die lange in Amerika lebte und wirkte, ist im Museum für Lackkunst schnell heimisch geworden. Foto: pn

Sie zögert ein wenig, es laut zu bekennen. Aber nach 15 Jahren, die Dr. Gudrun Bühl als Museumskuratorin und -direktorin in Washington D.C. verbrachte, und nach etwa hundert Tagen, die sie nun an der Spitze des Museums für Lackkunst steht, „fühle ich mich fast schon als Münsteranerin“. Sie schwärmt von der „einzigartigen Kultur“ in dieser Stadt, die es sich beispielsweise leiste, neben den städtischen kulturellen Einrichtungen auch „eine freie Kulturszene zu hegen und zu pflegen“. Erkenntnisse, die die aus Memmingen stammende Kunsthistorikerin beim ersten Austausch mit Kulturverantwortlichen des Landschaftsverbandes, der Stadt und der Museen in Münster gewonnen hat.

Während Gudrun Bühl, Jahrgang 1962, ihre neue Wahlheimat und ihre jetzige Wirkungsstätte, das Museum für Lackkunst , erkundet, ist ihr Ehemann noch in Washington und wird in wenigen Wochen nach Münster nachziehen. Ihren Sohn hat es vor einiger Zeit schon nach München verschlagen.

Wunsch nach Veränderung

Sein Wunsch, wieder in Deutschland zu leben, außerdem die politische Entwicklung durch die Wahl des Populisten Donald Trump zum US-Präsidenten, die in Washington zu „Trauer und depressiver Stimmung“ geführt habe: Dies setzte die Idee von der Rückkehr nach Deutschland in Gang.

Hinzu kam Gudrun Bühls Bedürfnis, sich beruflich noch mal zu verändern. „Ich hatte nach 15 erfüllten Jahren als Kuratorin und Direktorin des Museums der ,Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Haward University in Washington D.C.’ den Eindruck, da ist nicht mehr viel Entwicklung möglich.“ Obwohl Gudrun Bühl, die Archäologie und Kunstgeschichte in Freiburg, Basel und Bonn studierte und über Byzantinische Kunstgeschichte promovierte, sich „im amerikanischen Umfeld stets sehr wohlgefühlt“ hat, wie sie betont.

Dringend überholungsbedürftig

Trotzdem sagt sie heute: „Schön, dass sich diese Aufgabe hier bot.“ Wie sie im fernen Amerika vom Museum in Münster hörte? „Freunde in Berlin wussten von der Neubesetzung der Direktorenstelle“, erzählt Bühl. Sie kontaktierte den Headhunter, erfuhr vom Chemieunternehmen BASF als Träger des Museums und hörte heraus, dass „eine Bewerbung meinerseits auch ohne Lackspezialisierung nicht chancenlos sei“. Außerdem erkannte sie Parallelen zwischen dem Museum in Washington und dem in Münster. Etwa, dass beide Häuser auf privaten Sammlungen basieren: mittelalterliche, byzantinische und präkolumbianische Objekte in Washington, Objekte aus Lack in Münster. Auch die Residenz beider Museen in herrschaftlichen Stadt-Villen stimmt überein.

Dass elf Stufen, die der Besucher erklimmen muss, um ins Museum für Lackkunst zu gelangen, nicht gerade niedrigschwellig sind und dass der zurückliegende Eingangsbereich manchen Interessierten womöglich von einem Besuch abhält, sind Hindernisse, die Bühl gern irgendwann angehen möchte. Dringend überholungsbedürftig – dies war nach ihren Worten auch ihrer Vorgängerin Dr. Monika Kopplin bewusst – sei hingegen die Dauerausstellung. „Sie wurde seit 1993 nicht mehr verändert“, erklärt Bühl.

Kooperation mit der Hochschule

„Ich wünsche mir“, sagt sie mit Blick in die Zukunft, dass wir neue Möglichkeiten schaffen, damit die Besucher einfacher in die Materie Lack einsteigen können.“ Eine thematisch breitere museale Aufstellung schwebt der neuen Direktorin vor, aber auch eine noch stärkere kontemplativere Präsentation der zeremoniellen Objekte. Obwohl dies ohnehin schon ein Alleinstellungsmerkmal des Hauses ist. „Ich würde mir aber wünschen, dass dies noch stärker als spürbare Qualität unseres Museums deutlich wird.“

Ihre Pläne kreisen auch darum, wie das Interesse der jüngeren Generation für das Lackkunstmuseum nachhaltig gefördert werden kann. Durch Exkursionen für Studierende zum Beispiel, die es früher bereits gab. Eine Kooperation mit der Hochschule für Design und der Kunstakademie schwebt ihr vor. Erste Gespräche mit den Verantwortlichen dort, aber auch mit den Kollegen der BASF Coatings in der Gla­suritstraße stimmen sie optimistisch. „Schließlich befinden wir uns hier an der Schnittstelle von innovativer und kreativer Produktion“, betont sie selbstbewusst.

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