Das Borchert-Theater fordert „Europa denken!“ in der neuen Spielzeit
Ein lachender König kommt aus Italien

Münster -

Gibt es eine deutsche Leitkultur beim Kauf eines Grills? Die Frage mag berechtigt sein, wenn deutsche und türkische Mitglieder eines Tennisclubs ihre unterschiedlichen Leckereien auf den Rost legen wollen – wie im Theaterstück „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. Münsters Wolfgang-Borchert-Theater wird das  Stück in der kommenden Spielzeit herausbringen, kündigte Intendant Meinhard Zanger an – und es befindet sich damit in bester Gesellschaft von rund zehn deutschen Bühnen, die die Komödie spielen werden: Ein echtes Stück zur Zeit.

Freitag, 21.06.2019, 16:52 Uhr aktualisiert: 21.06.2019, 17:40 Uhr
Borchert-Theater-Intendant Meinhard Zanger und seine Chefdramaturgin Tanja Weidner
Borchert-Theater-Intendant Meinhard Zanger und Chefdramaturgin Tanja Weidner Foto: has

„Europa denken!“ heißt das Motto der kommenden Saison. „Wir werden zwar alle fünf Jahre zur Wahl gebeten“, sagt Zanger mit Blick auf die Europäische Union , „aber Fakt ist doch: Angesichts von Rechtsradikalismus und Nationalismus darf man Europa nicht den Politikern überlassen, sondern muss sich als Bürger und als Künstler selbst engagieren und vernetzen.“ Auch solle man Europa nicht einfach mit der EU gleichsetzen. Das Borchert-Theater gibt ein Beispiel: Stücke ausländischer Autoren prägen den neuen Spielplan, ausländische Gastkünstler arbeiten in Münster, und zum Ende der Saison wird es das „Europäische Theater-Festival 2020“ geben: Gruppen und Ensembles aus zehn europäischen Ländern sollen im Mai ihre Arbeiten vorstellen, die Ausschreibung ist für den Herbst geplant.

Nach der zweiterfolgreichsten Saison des Theaters mit voraussichtlich 42 000 Zuschauern (nur das Vorjahr mit der „Sturm“-Premiere hatte noch bessere Zahlen) kombinieren Zanger und Chefdramaturgin Tanja Weidner bei den sieben Neuproduktionen wieder mehrere auf den Punkt genau aktuelle Stücke mit eher überzeitlich gültigen Texten: So wird Weidner nach ihrer Kleist-Erfolgsproduktion „Die Marquise von O.“ den berühmten Heinrich-Mann-Roman „Der Untertan“ dramatisieren. Ein Bühnenklassiker ist Gogols „Revisor“ – das Borchert-Theater spielt allerdings eine neue Version John von Düffels, der das Werk um korruptes und verlogenes Verhalten gestrafft und aktualisiert hat.

Aus Italien kommt am 14. September die Eröffnungspremiere „Der König lacht“ von Luisa Guarro, die ihre Märchenbearbeitung selbst auf die Bühne bringt, aus England das Vexierspiel mit Geschlechterrollen „How to date a Feminist“ von Samantha Ellis. Frankreich ist mit „Alles was sie wollen“ vom Duo Delaporte / de la Patellière vertreten, das schon den „Vornamen“ lieferte. Letzte Premiere vor dem Theater-Festival wird am 23. April 2020 „Momentum“ der Niederländerin Lot Vekemans sein: Es geht um einen depressiven Parteivorsitzenden und Präsidenten.

Und für alle, die den Intendanten gerne auf der Bühne sehen: In „Der König lacht“ spielt Meinhard Zanger den Titelhelden.

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