Internationale Schostakowitsch-Tage in Gohrisch
Mit vielen glanzvollen Überraschungen

Gohrisch/Dresden -

Musikfestivals müssen keineswegs immer an bekannten Orten angesiedelt sein. Das beweisen die Internationalen Schostakowitsch- Tage Gohrisch. Bereits zum 10. Mal wurde der in der Sächsischen Schweiz, unweit von Dresden, gelegene kleine Kurort gleichsam zu einem Wallfahrtsort von Freunden der Musik von Dmitri Schostakowitsch.

Donnerstag, 11.07.2019, 16:04 Uhr
Andris Nelson, Leipzigs Gewandhauskapellmeister und Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra, erhielt für seine Verdienste um das Werk des großen Russen den diesjährigen Schostakowitsch-Preis.
Andris Nelson, Leipzigs Gewandhauskapellmeister und Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra, erhielt für seine Verdienste um das Werk des großen Russen den diesjährigen Schostakowitsch-Preis. Foto: dpa

Dass bedeutende Musikfestivals keineswegs immer an bekannten Orten angesiedelt sein müssen, beweisen die Internationalen Schostakowitsch- Tage Gohrisch. Bereits zum 10. Mal wurde der in der Sächsischen Schweiz, unweit von Dresden, gelegene kleine Kurort gleichsam zu einem Wallfahrtsort von Freunden der Musik von Dmitri Schostakowitsch . 1960 und 1972 weilte der große russische Komponist in diesem Ort und brachte hier auch sein 8. Streichquartett zu Papier, das von autobiographischen Zügen gezeichnet ist. Zumal in Rudolf Barschais Fassung als Kammersinfonie ging das Opus um die Welt. Im Andenken an Schostakowitschs Aufenthalt in Gohrisch wurden 2010 die Internationalen Schostakowitsch-Tage Gohrisch ins Leben gerufen. Dass diese – das weltweit einzige dem Komponisten gewidmete Festival – längst eine weitreichende Ausstrahlung gewonnen haben, ist der guten Zusammenarbeit des Vereins „Schostakowitsch in Gohrisch“ mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden zu verdanken.

Stets ist das Festival thematisch konzipiert. Neben Schostakowitsch prägten diesmal Sergej Prokofjew und Igor Strawinsky die Programme.

Wie in den letzten Jahren bestritt auch heuer die Sächsische Staatskapelle am Vorabend des Festivals im Dresdner Kulturpalast den sinfonischen Auftakt. Höchst beeindruckend war da die Interpretation von Schostakowitschs 11. Sinfonie „Das Jahr 1905“ (1957) mit dem Finnen Sakari Oramo am Dirigentenpult. Der mit den Musikern einen überwältigenden Bogen spannte vom Kopfsatz „Der Platz vor dem Palast“ bis hin zum „Sturmgeläut“ im Finalsatz.

Anderntags wurde für vier Tage die Konzertscheune in Gohrisch zum Pilgerziel der Schostakowitsch-Freunde aus nah und fern. Den Veranstaltern war es gelungen, für das Jubiläumsfest international renommierte Künstler zu gewinnen, die es als Ehre ansehen, honorarfrei aufzutreten.

Zwei hervorragende Quartett-Ensembles – das Quatuor Danel und das Borodin-Quartett – setzten da mit ihren Konzerten markante Akzente. Kontrastierte das Quatuor Danel Schostakowitschs berühmtes 8. Streichquartett mit Quartettkompositionen von Strawinsky, Prokofjew und dem vor 100 Jahren geborenen Mieczyslaw Weinberg, so hatten die Borodins Schostakowitschs Quartette Nr. 4 und 9 sowie Prokofjews 2. Quartett „über kabardinische Themen“ im Gepäck.

Facettenreich gestaltete sich der Aufführungsabend mit der sich aus Dresdner Musikern rekrutierenden kapelle 21 sowie dem Raschér Saxophon Quartet. Prokofjews Musikmärchen für Kinder „Peter und der Wolf“ erlebte mit der Schauspielerin Isabel Karajan und der von Petr Popelka geleiteten kapelle 21 in einer szenischen Einrichtung eine umjubelte Aufführung. Als interessante Rarität erwies sich Alexander Glasunows kontrastreiches Quartett für vier Saxophone. Und einen tänzerisch beschwingten Schlusspunkt setzte Schostakowitsch‘ „Suite für Varieté-Orchester“, die den großen Sinfoniker auch als Meister unterhaltender Musik zeigte.

Und wieder überraschte das Festival mit einer Uraufführung. Der rumänische Rubinstein-Preisträger Daniel Ciobanu hatte in sein Klavierrecital neben Modest Mussorgskis Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ und Prokofjews faszinierender 2. Klaviersonate überdies das erst kürzlich aufgefundene Charakterstück „Im Wald“ des 13-jährigen Schostakowitsch aufgenommen. In geradezu naturalistischer Manier scheint der junge Tondichter hier von singenden Vögeln wie auch anderen Naturlauten des Waldes angeregt worden zu sein.

Und noch eine Überraschung gab’s am letzten Tag. Andris Nelsons, Leipzigs Gewandhauskapellmeister und Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra, erhielt für seine Verdienste um das Werk des großen Russen den diesjährigen Schostakowitsch-Preis. Und Nelsons, einst Trompeter, ließ es sich nicht nehmen, zusammen mit dem Dresdner Streichquartett und der Pianistin Lauma Skride einige Passagen aus Schostakowitschs Filmmusik „Podrugi“ (Freundinnen) zu präsentieren. Gohrisch war wieder eine Reise wert!

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