Udo Lindenberg in der Westfalenhalle Dortmund
Persönliche Musikgeschichte

Dortmund -

Er hat die Bühne gerockt. Was zur inflationär gebrauchten Plattitüde für die Beschreibung vieler Musikerauftritte geworden ist, füllt er mit Leben: Udo Lindenberg hat am Freitagabend (und Samstag zum Abschluss der Tour) die Dortmunder Westfalenhalle zum Brodeln gebracht und wahlweise in eine Flugzeuglandebahn, eine Kathedrale oder einen skurrilen Zirkus mit Eisbär, Stelzenläufer und Freiheitsstatue verwandelt.

Sonntag, 14.07.2019, 16:32 Uhr
Udo Lindenberg rockt die Halle.
Udo Lindenberg rockt die Halle. Foto: Markus Möhl

Die Panikwelt des Gronauers war schon immer bunt und manchmal auch merkwürdig. Seine Lieder ranken sich um Vampire, Mafiabosse oder Außerirdische mit sehr irdischen Namen. Und immer mittendrin ist „nur der kleine Udo “, der allerdings nach seinem Comeback vor wenigen Jahren noch einmal ein ganz Großer geworden ist, wie die 11 500 Fans in Dortmund bestaunen konnten. Mehr als zweieinhalb Stunden aufwendiges Spektakel erleben sie, garniert von den großen Hits wie „Honky Tonky Show“ oder „Reeperbahn“ und „Alles klar auf der An­drea Doria“. Cellospielerinnen fliegen von der Bühnendecke, Putin und Trump besteigen einen Boxring, und knallrot gewandete Bischöfe seilen sich aus einer überdimensionalen Glocke ab.

Da gibt’s immer was zu sehen und natürlich auch zu hören: Lindenberg erzählt seine eigene Alkohol-Absturzgeschichte mit „Lady Whiskey“, wird laut für den Frieden („Wir ziehen in den Frieden“) und sehnt sich nach freier Liebe („Du heißt jetzt Jeremias“), „weil jede Liebe gut ist“. Einfache Botschaften des Panikrockers, aber sie kommen an, werden vom Publikum genauso bejubelt wie seine unglaubliche Performance: Zweieinhalb Stunden singt der 73-Jährige, schwingt sein Mi­krofon, tanzt taumelnd über die Bühne und zelebriert seine unvergleichlichen, armwedelnden Dancemoves. Ein Kraftakt muss das sein, aber Udo Lindenberg führt seine Fans scheinbar mit Leichtigkeit und in Partylaune durch fast 50 Jahre ganz persönliche Musikgeschichte. Am Ende die Erkenntnis: Der Mann hat wirklich die Bühne gerockt. Respekt.

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