Salzburger Festspiele
Wirtschaftsmotor für die Mozartstadt: Wie die Kultur Werte schafft

Salzburg -

„Kultur ist ein Lebensmittel“, sagte schon der aus Westfalen stammende legendäre bayerische Staatsintendant der Bayerischen Staatstheater August Everding (1928-1999). Weil Kultur das Leben bereichert und schön macht.

Mittwoch, 31.07.2019, 10:36 Uhr aktualisiert: 31.07.2019, 17:28 Uhr
Der „Jedermann“ und der Salzburger Dom sind eine bekannte Kultur-Marke: Salzburg bietet mit seinen Festspielen Jahr für Jahr neu ein weltweit beachtetes und dazu noch höchst wirtschaftskräftiges Kulturereignis.
Der „Jedermann“ und der Salzburger Dom sind eine bekannte Kultur-Marke: Salzburg bietet mit seinen Festspielen Jahr für Jahr neu ein weltweit beachtetes und dazu noch höchst wirtschaftskräftiges Kulturereignis. Foto: dpa

Wenn Kaufleute und Volkswirte auf die Kultur schauen und eine – eben ökonomische – Rechtfertigung für kulturelles Engagement suchen, dann argumentieren sie gerne mit dem Unwort der „Umwegrentabilität“, wonach ein Kulturereignis eben Werte schafft, Dienstleistungen hervorruft respektive touristische und gastronomische Effekte erzielt. Am Beispiel der Festspiele in Salzburg kann man exemplarisch zeigen, wie wertvoll und werthaltig Kultur sein kann. Die Festspiele haben das 2016 in einer eigenen „Wertschöpfungs-Analyse“ unternommen. Ergebnis in Kurzform: Die Festspiele erzielen direkt und indirekt in Salzburg, einer Stadt, die mit 154.000 Einwohnern nur halb so groß ist wie Münster, eine Wertschöpfung von 183 Millionen Euro und 104 Millionen Euro an Einkommen.   

Die Festspiele sichern damit eine Beschäftigung von (auch saisonale Angestellte umfassende Arbeitskräfte) 2800 Vollzeitarbeitsplätzen in Salzburg und 3400 in Österreich. Sie erbringen außerdem direkt und indirekt in ihrer Wirkung in anderen Branchen für die öffentliche Hand rund 77 Millionen an Steuern und Abgaben. Hinzu gesellen sich, wie es so schön heißt, „intangible“ Effekte, also nicht konkret in Zahlen greifbare Auswirkungen für das Image der Stadt, für die Bildungsnachfrage und Kompetenz-Cluster in Branchen und Unternehmen. Alles zusammen ergibt sich also ein „Festspiele-Ökosystem“, das der Stadt und dem Salzburger Land nicht nur vom Image her internationale Geltung verschafft.

Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler fasste das überzeugende Ergebnis so zusammen: „Wir sind über die Festspielzeit hinaus ein Wirtschaftsmotor, der dank exzellenter kultureller Leistungen nicht nur messbare Wertschöpfungs-, Fiskal- und Beschäftigungs-Effekte in großer Höhe erzeugt. Ebenso tragen die Festspiele seit bald hundert Jahren zur Bildung hochwertiger Kompetenz in der gesamten Wirtschaft Salzburgs bei. Wir reichern das Image des Standortes zu Gunsten aller Branchen wesentlich an und sind mit jeder Festspielsaison Ermöglicher zusätzlicher Wertschöpfung.“ Das Salzburger Gastgewerbe, die Hotels, die Stern- und Haubenrestaurants, konnten sich nur aufgrund starker Nachfrage durch das Festspielpublikum derart entwickeln. Das alljährliche hochsommerliche Kulturereignis hat sich zur Marke kristallisiert, die man kennt und die Menschen aus aller Welt in die Mozart-Stadt führt. Die Musikwirtschaft der Stadt hat durch die seit 99 Jahren durchgeführten Festspiele selbstredend Schwung aufgenommen. Musik- und Kulturwirtschaft erhalten permanent Auffrischung und Kompetenz-Schub. Von der Kultur zur Universitäts- und Wissensgesellschaft sind die Übergänge fließend.

Eine Grundlage für die Berechnungen bildete eine 2016 durchgeführte Besucher-Befragung zu den Festspielen 2015. Die Top-Position der Festspiele wurde darin bestätigt. Mittlerweile 80 Prozent der Festspielbesucher (Untersuchung 2011: 72,5 Prozent) sind Stammgäste. Sie haben die Festspiele mindestens sechs Mal besucht. 95 Prozent der befragten Festspielgäste statten Salzburg alleine wegen der Festspiele einen Besuch ab. (2011: 71 Prozent). Wie auch in früheren Studien zeigte sich, dass auswärtige Festspielgäste nicht nur treue Salzburgbesucher sind, sondern auch länger als andere Touristen bleiben. Ihre Aufenthaltsdauer etwa in der Stadt Salzburg liegt im Schnitt bei sechs Tagen. Der Gesamtdurchschnitt aller in der Stadt Salzburg nächtigenden Touristen liegt übers Jahr gerechnet bei 1,7 Tagen. Etwas mehr als die Hälfte der auswärtigen Festspielbesucher verbringen ihren Urlaub in Salzburg zu zweit. Im Durchschnitt besucht jeder Festspielgast fünf Vorstellungen.

Etwas mehr als 41 Prozent der Festspielbesucher, mithin der größte Anteil, stammen aus Deutschland, 38 Prozent der Gäste kommen aus Österreich. Sie sorgen für einen verlässlichen Umsatz in der Hotellerie: 79 Prozent wohnen während ihres Aufenthalts bei einem gewerblichen Unterkunftgeber (Hotel, Pension). Der Anteil der Hotellerie überwiegt mit 71 Prozent (2011: 69,5 Prozent) bei weitem.

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