Plädoyers gegen platten Populismus
Salzburger Hochschulwochen durchleuchten komplexe Welt

Salzburg -

Die Welt wird unübersichtlicher und komplizierter, die Antworten auf die Fragen der Zeit klingen simpler und populistischer. Die in Salzburg durchgeführten Hochschulwochen, die seit 1931 ein universitäres, interdisziplinäres Forum bilden, befassen sich daher noch bis zum 4. August mit dem Leitthema „Die Komplexität der Welt und die Sehnsucht nach Einfachheit“.

Donnerstag, 01.08.2019, 13:26 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 18:59 Uhr
Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel erhielt den Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen.
Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel erhielt den Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen. Foto: Salzburger Hochschulwochen

Der aus Rheine stammende, in Münster akademisch ausgebildete und heute in Freiburg lehrende Fundamentaltheologe Prof. Magnus Striet (55) warnte in einem der Hauptvorträge vor den Versuchungen eines neuen „Religionspopulismus“. Dieser zeige sich dort, wo das religiöse Erleben vor die wissenschaftliche Erkenntnis oder die theologische Einsicht gesetzt werde. Ein solcher religiöser Populismus sei wie der politische Populismus unfähig zur Selbstkritik. Striet bezeichnete ihn als „antipluralistisch“ und „antiintellektuell“.

Der Freiburger Theologe nannte als Beispiele für einen solchen Populismus jüngst forcierte Programme der „Neuevangelisierung“ und deutete zugleich kritisch zurück auf die Lehrverkündigung von Papst Johannes Paul II., der auf theologische Einsprüche stets mit der „objektiven Wahrheit des Lehramtes“ reagiert habe. Für ihn, so Striet, bleibe die Rede von der Neuevangelisierung Europas „seltsam phrasenhaft“, da sie sich gleichsam unter der Nutzung modernster Mittel der Ästhetik und Kommunikation der Auseinandersetzung mit modernen wissenschaftlichen und theologischen Erkenntnissen entziehe.

Preis für Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel

Der münsterische Islamwissenschaftler und Arabist Prof. Thomas Bauer (57) erinnerte anlässlich der Hochschulwochen in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten an die mystische Seite des Christentums. Wichtiger als die Mystik sei für die christlichen Kirchen heute das gesellschaftliche Engagement. Dies sei im Prinzip löblich, aber es überdecke die spirituelle Dimension des Glaubens, die gerade in der Liturgie, aber auch in Kunst, Musik, Ästhetik und Ritualen zum Ausdruck komme.

Der mit 5000 Euro dotierte Theologische Preis der Salzburger Hochschulwochen, der stets für ein theologisches Lebenswerk vergeben wird, ging am Mittwoch bei einem Festakt in der Universitätsaula an den deutschen Theologen und Germanisten Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel (71). Der langjährige Mitarbeiter und Wegbegleiter des Theologen Hans Küng in Tübingen und seiner „Stiftung Weltethos“ hat als Hochschullehrer über Jahrzehnte nicht nur wissenschaftliche Brücken zwischen Literatur und Theologie geschlagen, sondern zugleich den ökumenischen und interreligiösen Dialog vorangebracht.

23 Teilnehmer aus Münster

Zu den Preisträgern zählte 2007 der heute 90-jährige Fundamentaltheologe Johann Baptist Metz und 2009 der nur ein Jahr später im Alter von 71 Jahren gestorbene alttestamentliche Bibelwissenschaftler Erich Zenger, die über Jahrzehnte die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster prägten.

Nach Angaben des Sekretariats der Hochschulwochen sind in diesem Jahr rund 1000 Teilnehmer vorwiegend aus Deutschland und Österreich, aber auch aus Osteuropa bei den Vorträgen und Kolloquien dabei, darunter 200 Studierende, die zu günstigen Konditionen teilnehmen können. Allein 23 von ihnen kommen aus Münster.

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