Bagno-Saison eröffnet
Kammerchor Stuttgart öffnet im Bagno himmlische Klang-Welten

Steinfurt -

Saisonauftakt in der Bagno-Konzertgalerie: Der Kammerchor Stuttgart öffnete neue Klangwelten und machte die Gäste geradezu sprachlos. Ein Stimmungsbericht.

Sonntag, 15.09.2019, 16:56 Uhr
Der Stuttgarter Kammerchor kultiviert eine Gesangskunst, die auch die Gäste im Bagno geradezu sprachlos machte.
Der Stuttgarter Kammerchor kultiviert eine Gesangskunst, die auch die Gäste im Bagno geradezu sprachlos machte. Foto: Lüttmann

Ja, was soll man da noch sagen, sprachlos, des Atems beraubt, verzaubert und entführt in himmelsgleiche Zwischenwelten, die das begriffliche Wort nicht mehr erreicht und wo Sprache sich restlos auflöst in Musik? Man könnte über Orazio Benevolis Beitrag zum römischen Kolossalbarock fabulieren und spekulieren, ob Olivier Messiaen tatsächlich Farben hören konnte und welches Verhältnis Richard Wagner zu seiner Muse Mathilde Wesendonck hatte. Aber angemessen über ihre Vokalmusik sprechen, so wie sie der Kammerchor Stuttgart unter der Leitung seines Gründers Frieder Bernius am Samstag im Bagno zelebrierte – das wäre fast vermessen: 16 Sängerinnen und Sänger, eine zurückhaltende Truhenorgel und ein kultivierter Dirigent entführten die Zuhörer in der ausverkauften Konzertgalerie mit schwebenden Klängen, raumgreifenden Melodiebögen, wundersamer Farbenmusik, traumwandlerisch sicherer Intonation und glasklarer Lautsprache in harmonische Welten.

Der Kammerchor Stuttgart gilt international als eines der besten Ensembles seiner Art. Das Repertoire des Chores reicht vom 17. bis zum 21. Jahrhundert. Als konkurrenzlos gelten die sängerische Brillanz, die vollendete Intonationsreinheit und eine kaum noch zu übertreffende Plastizität der Textdeklamation.

Der Kammerchor Stuttgart in der Bagno-Konzertgalerie

Der Kammerchor Stuttgart in der Bagno-Konzertgalerie Foto: Lüttmann

Das gilt auch für das herausforderndste Stück des Abends, Messiaens „Fünf Gesänge“, ein Chanson für zwölf gemischte Stimmen, das rätselhaft und verstörend, ekstatisch, bildersatt und surrealistisch ist wie ein Gemälde von Salvator Dalí. Über Zitate aus großen Liebesgeschichten, unverständliche Sprachschnipsel, erfundene Wortskelette und scharfe Zischlaute mündet der Weg durch dieses rhythmisch-klangliche Labyrinth in die Erkenntnis, dass vor Bildern des Todes, die den Liebesrausch überwuchern, Sprache keinen Sinn mehr hat. Hymnische Klänge in Wagners Studien zu „Tristan und Isolde“ und Gustav Mahlers „Urlicht“ und „Mitternacht“ beschlossen einen wahrlich sprachlos machenden Abend.

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