Musikfest Berlin präsentiert einen vielgestaltigen Musikbogen
Von Hector Berlioz bis Richard Strauss

Berlin -

Jeder vom Komponisten verwendete klingende Körper ist ein musikalisches Instrument.“ Ein signifikantes Bekenntnis von Hector Berlioz, mit dem er seine jenseits aller Konventionen und ästhetischer Schranken stehende Instrumentationslehre von 1844 einleitete. Der 150. Todestag des so innovativen französischen Komponisten war für die Programmplaner des diesjährigen Musikfestes Berlin Anlass, Berlioz ins Zentrum zu stellen.

Montag, 23.09.2019, 17:50 Uhr
Zu Gast in Berlin: Sir John Eliot Gardiner
Zu Gast in Berlin: Sir John Eliot Gardiner Foto: Sim Canetty-Clarke

„Jeder vom Komponisten verwendete klingende Körper ist ein musikalisches Instrument.“ Ein signifikantes Bekenntnis von Hector Berlioz , mit dem er seine jenseits aller Konventionen und ästhetischer Schranken stehende Instrumentationslehre von 1844 einleitete. Der 150. Todestag des so innovativen französischen Komponisten war für die Programmplaner des diesjährigen Musikfestes Berlin Anlass, Berlioz ins Zentrum zu stellen. Das von Sir John Eliot Gardiner gegründete Orchestre Révolutionnaire et Romantique sowie der berühmte Monteverdi Choir eröffneten unter seiner Leitung mit Berlioz‘ Opernerstling „Benvenuto Cellini“ von 1838 in einer faszinierenden halbszenischen Aufführung das Musikfest. Die Autobiographie Cellinis, jenes Florentiner Goldschmieds und Bildhauers des 16. Jahrhunderts, diente dem Komponisten als Basis für seine Oper. Von vielgestaltigen orchestralen, klangfarblich differenziert ausgeleuchteten Passagen geprägt, entfaltete sich in der Aufführung ein musikalischer Fluss, der das Geschehen um Liebe, künstlerisches Schöpfertum, Intrigen und päpstliche Willkür trug. Voller Elan war allein schon das von Vitalität und Präzision geprägte Spiel des auf historischen Instrumenten musizierenden Orchesters. Gleichfalls ein mitreißendes Spiel entfaltete die Bewegungsregie von Noa Naamat. Und welch ein Ensemble hochkarätiger Sängerdarsteller – neben dem spielfreudig agierenden Monteverdi Choir – war da auf dem Podium versammelt. Im Mittelpunkt stand der Tenor Michael Spyres, der mit kraftvollem, gleichwohl sensiblem Ausdrucksvermögen wie auch strahlendem Höhenglanz die Titelpartie intensiv ausformte. Ihm ebenbürtig war die Sopranistin Sophia Burgos, die mit geschmeidigen Stimmfarben Cellinis Geliebte Teresa verkörperte. Aber auch Teresas Vater sowie Cellinis Konkurrent Fieramosca wurden von Mauricio Muraro bzw. Lionel Lhote eindringlich porträtiert.

Nicht nur „Benvenuto Cellini“, auch die „Phantastische Sinfonie“ und die dramatische Fantasie „Harold in Italien“ sowie die dramatische Sinfonie „Roméo et Juliette“ setzen markante Akzente im Berlioz-Schwerpunkt. Steht der Romantiker gewiss im Zentrum, so unternimmt das Festival auch eine „Reise in Schlaglichtern durch die Musik der europäischen Moderne“. Da spannt sich ein vielgestaltiger Bogen von Berlioz über Richard Strauss , über Edgard Varèse und Olivier Messiaen bis hin zu dem Ungarn Peter Eötvös, der als Komponist wie auch als Dirigent das Musikfest prägte. So hatte der heuer 75-Jährige für seine Konzerte am Pult der Berliner Philharmoniker ein instruktives Programm gewählt. Zum Auftakt spielte die renommierte Geigerin Isabelle Faust als deutsche Erstaufführung Eötvös‘ 3. Violinkonzert „Alhambra“. Einen musikalischen „Spaziergang“ durch die maurische Festungsanlage nannte der Tondichter sein Opus, zu dem ihn das imposante Architekturensemble in Granada angeregt hatte. Kontrastierende Formteile entfalten in dem rondoartig angelegten einsätzigen Konzert ein facettenreiches Klanggeschehen, das auch Flamenco-Rhythmen einbezieht. Mit dem instrumentalen Drama „Shaar“ für großes Streichorchester, in dem die Musik den „archetypischen Kampf von Gut gegen Böse“ thematisiert, erinnerte Eötvös an den bedeutenden griechischen Tonschöpfer Iannis Xenakis (1922-2001).

Mit einem Ensemble von 60 Streichern erstand da ein von expressiven Glissandi und bebenden Klangballungen, von Clustern und insistierenden Tonrepetitionen bestimmter tönender Kosmos. Eine noch furiosere Klangwelt eröffnete sich schließlich in Edgard Varèses um 1920 entstandenem monumentalem Opus „Amériques“, in dem rund 140 Musiker eine kreative Aufbruchstimmung des Komponisten erlebbar werden ließen.

Richard Strauss, der Spätromantiker, war bezüglich der Instrumentationskunst gewiss ein Bruder im Geiste von Hector Berlioz, dessen „Instrumentationslehre“ er 1904 aktualisierte. Strauss‘ Bewunderung für den Franzosen konnte man beim Musikfest in einer konzertanten Aufführung seiner Oper „Die Frau ohne Schatten“ erleben. Hugo von Hofmannsthals symbolträchtiges Libretto um Eros und das Mysterium der Fruchtbarkeit inspirierte den Komponisten zu einer höchst farbenreichen Klangsprache. Die das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter seinem Chef Vladimir Jurowski mit großem Engagement differenziert auslotete. Mit Torsten Kerl (Kaiser), Anne Schwanewilms (Kaiserin), Thomas J. Mayer (Barak, der Färber) und Ricarda Merbeth (Färberin) sowie Ildiko Komlosi (Amme) waren für die Hauptpartien berufene Vokalsolisten gewonnen worden. Auch der Rundfunkchor Berlin und der Kinderchor der Staatsoper trugen zum Gelingen dieses großen Abends bei.

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