Ausstellung in der Royal Academy of Arts in London
Picassos Leidenschaft für Papier

London -

In der Royal Academy of Arts in London ist bis April eine großartige Ausstellung zu sehen: „Picasso and Paper“ setzt sich mit der lebenslangen Leidenschaft von Pablo Picasso für Papier auseinander. 300 Werke werden präsentiert - darunter Gemälde von Weltrang.

Mittwoch, 12.02.2020, 20:00 Uhr
1938 schuf Pablo Picasso die Papier-Arbeit „Sitzende Frau (Dora)“. Sie befindet sich heute in der Fondation Beyeler in Basel.
1938 schuf Pablo Picasso die Papier-Arbeit „Sitzende Frau (Dora)“. Sie befindet sich heute in der Fondation Beyeler in Basel. Foto: Royal Academy of Art / Peter Schibli / Succession Picasso/DACS 2020

Pablo Picasso pflegte zeitlebens eine geradezu leidenschaftliche Beziehung zu Papier. „Ich konnte zeichnen, bevor ich sprechen konnte“, sagte er einmal in einem Interview. Und: Sein erstes Wort sei nicht „Mama“ oder „Papa“ gewesen – sondern „Bleistift“. Das mag stimmen oder nicht, fest steht: Schon als Kind war der spätere Jahrhundertkünstler von den Möglichkeiten, die ihm Papier bot, fasziniert.

In der Londoner Royal Academy of Arts setzt sich nun die Ausstellung „Picasso and Paper“ so ausführlich wie nie zuvor mit diesem Thema auseinander. Die 300 Werke decken einen Zeitraum von mehr als 80 Jahren ab. Die Schau beginnt mit kongenialen Tierfiguren, die Pablo Picasso (1881-1973) als Neunjähriger aus Papierbögen herausschnitt – und endet mit einem Selbstporträt aus dem Jahr 1972, das schonungslos die eigene Sterblichkeit widerspiegelt. Gemälde von Weltrang runden die hochkarätige Ausstellung ab.

So hat das Cleveland Museum of Art in Ohio (USA), das die Ausstellung als nächstes zeigt, eines der Hauptwerke aus der Blauen Periode ausgeliehen – „La Vie“ (1903) gibt Kunsthistorikern bis heute Rätsel auf. In London wird es zusammen mit Entwurfsskizzen gezeigt, die Picasso im Frühjahr 1903 flüchtig mit Tinte auf Papier gezeichnet hat. Sie sind noch um einiges vom Gemälde entfernt, ermöglichen es jedoch hervorragend, seinen Schaffensprozess nachzuvollziehen.

Nach mehreren wunderbaren Arbeiten aus der Rosa Periode – darunter „Die zwei Brüder“, „Drei Nackte“ und „Der Harem“, alle 1906) – beleuchtet die Ausstellung den Entstehungsprozess eines der revolutionärsten Bilder der Moderne, „Les Demoiselles d‘Avignon“ (1907), mit einer Reihe von Studien aus Skizzen-Büchern und auf Papier. Stück für Stück kann man anhand dieser nur sehr selten ausgestellten Arbeiten die Genese der „Demoiselles“ beobachten – ein Glücksfall!

Diesem Ansatz bleibt die Ausstellung auf ihrem Weg durch Picassos Schaffensperioden treu. Ölgemälde werden um Skizzen und Blätter aus Skizzenbüchern angereichert und zeigen so beispielhaft seine Auseinandersetzung mit Kubismus, Neoklassizismus und Surrealismus, mit seinen Gefährtinnen und den Schrecken des Spanischen Bürgerkrieges sowie des Zweiten Weltkrieges, mit den von ihm verehrten Kollegen Eugène Delacroix und Edouard Manet.

Entwürfe für das Ballettstück „Parade“ sind zu sehen, Zeichnungen für sein Jahrhundertwerk „Guernica“ – und eine außergewöhnliche, riesige Collage: „Femmes à leur toilette“. 1937/38 entstanden und fast fünf Meter breit, vereinigt sie drei Schlüsselfrauen seines Lebens: Olga Khokhlava, Dora Maar und Marie-Thérèse Walter.

Am Ende steht fest: Ohne Papier wäre Picassos Schaffen undenkbar gewesen. Zeitlebens zeichnete und schnitt, zerriss und klebte der Spanier – auf Zeitungen und auf Briefpapier aus Hotelzimmern, in Notizbüchern, auf Packpapier und auf feinem antiken Papier. Auf manches griff er – zum Beispiel in Kriegszeiten – aus purer Not zurück, anderes wählte er sorgfältig aus, nach Farbe, Gewicht und Struktur. In der Royal Academy of Arts sind sogar fragile Papier-Skulpturen zu sehen. An manchen Tagen, merkte einmal einer seiner Besucher an, war er in seinem Atelier unter regelrechten Papier-Bergen begraben.

So ist die Ausstellung in London weit mehr als eine weitere Picasso-Schau – sie ist eine Fundgrube auch für jene, die schon viele Werke von ihm gesehen haben.

Die Ausstellung „Picasso and Paper“ ist bis zum 13. April in der Royal Academy of Arts in London zu sehen und ab 24. Mai im Cleveland Museum of Art, Ohio.

 

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