Münsters Generalmusikdirektor Golo Berg arbeitet an Rückkehrplänen für das Sinfonieorchester
Den Anfang machen die Streicher

Münster -

Noch herrscht weitgehend Corona-Stille in der Kultur. Doch die Künstler sind hinter den Kulissen aktiv und richten sich auf Darbietungen unter besonderen Bedingungen ein. Wie das Sinfonieorchester Münster.

Donnerstag, 14.05.2020, 14:50 Uhr
Dirigent Golo Berg muss auch in Orchesterproben für große Abstände zwischen den Musikern sorgen.
Dirigent Golo Berg muss auch in Orchesterproben für große Abstände zwischen den Musikern sorgen. Foto: Gunnar A. Pier

Wenn es angesichts der aktuellen Corona-Vorgaben günstig läuft, kann das Sinfonieorchester Münster schon Ende Mai wieder im Theater musizieren. Das Land Nordrhein-Westfalen erlaubt ja unter Auflagen, am 30. Mai den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Diese Auflagen allerdings bereiten den Künstlern reichlich Kopfzerbrechen. „Nach jetzigen Regeln können wir auch im Herbst nicht spielen“, sagt Münsters Generalmusikdirektor Golo Berg , bezogen etwa aufs Musiktheater, das sich eigentlich auf Wagners „Walküre“ im Winter vorbereiten wollte. „Die verschieben wir wohl um ein Jahr“, so Golo Berg.

Bei den Planungen für Konzerte sind die Abstandsregelungen für die Orchestermusiker der Knackpunkt – zumal die Vorgaben etwa vom Land und von der zuständigen Versicherung nicht unbedingt übereinstimmen. Und gewiss nicht durchweg unter fachlicher Beratung entstanden sind. Berg zitiert staunend einen Paragrafen, der „atmungsaktive Fächer wie Gesang und Blasinstrumente“ weiterhin verbietet. Und verweist im Gegensatz dazu auf eine Erkenntnis, die auch von einer Untersuchung der Berliner Charité oder einem im Netz verfügbaren Video des Heldentenors Andreas Schager bestätigt wird: „Aus einem Blasinstrument kommt Schall, aber kein Aerosol voller Viren.“ Der Heldentenor schmettert zur Demonstration Verdis „Otello“ vor eine Kerzenflamme, die sich davon unbeeindruckt zeigt. Wird sie hingegen angeflüstert, erlischt sie im Luftstrom.

Wie auch immer sich die Vorgaben in den kommenden Tagen und Wochen entwickeln: Golo Berg und seine Musiker planen „ins Blaue“ und hoffen auf einstündige Konzerte am 30. und 31. Mai sowie am 1. Juni. Natürlich erst einmal in reiner Streicherbesetzung, im besten Fall mit 25 Musikern auf der Bühne. Ein Konzept für die Theater- und Konzertbesucher werde gerade erarbeitet. Auch Golo Berg hat natürlich am 1. Mai das Europakonzert der Berliner Philharmoniker in der Fernsehübertragung gesehen – stand doch Mahlers vierte Sinfonie auf dem Programm, die er selbst im kommenden Januar aufführen möchte. Und wie bei vielen Zuschauern hinterließ die Übertragung bei ihm zwiespältige Gefühle: „Ich fand es berührend und bedrückend zugleich: Es war gut zu erleben, dass man Musik machen kann. Aber es war auch ein Menetekel, denn bei der Bearbeitung der Mahler-Sinfonie für Kammerensemble drängte sich doch immer der Vergleich zum Original auf.“ Deshalb möchte Berg auch bei eingeschränkten Programmplanungen nach Möglichkeit auf Bearbeitungen verzichten. Relativiert das aber im Gespräch sofort: „Natürlich gibt es auch da schöne Stücke, etwa von Arnold Schönberg.“ Hat der nicht sogar das alte Harmonium dafür benutzt? „Genau“, erwidert der Dirigent lachend, „Corona beschert uns die Rückkehr des Harmoniums.“

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