Literatur
«Mauersegler» - Poschenrieder über Alter und Tod

Von Kindheit an waren sie Freunde, nun sind die fünf Männer alt geworden. Zum Sterben gründen sie eine Wohngemeinschaft. Eine skurrile Geschichte, vergnüglich erzählt von Christoph Poschenrieder.

Dienstag, 29.09.2015, 15:09 Uhr

Christoph Poschenrieder hat eine skurrile Geschichte über eine Alten-WG geschrieben.
Christoph Poschenrieder hat eine skurrile Geschichte über eine Alten-WG geschrieben. Foto: Uwe Zucchi

Berlin (dpa) - Mit «Die Welt ist im Kopf», einer Geschichte über den jungen Schopenhauer, hat Christoph Poschenrieder 2010 ein fulminantes Romandebüt hingelegt. Es folgten «Der Spiegelkasten» und «Das Sandkorn», das es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises schaffte.

In seinem neuen Roman « Mauersegler » widmet sich der Autor einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema: dem Altwerden, den letzten Lebensjahren, dem Tod.

Dafür wählt Poschenrieder, Jahrgang 1964 und derzeit Villa-Concordia-Stipendiat in Bamberg , eine recht übersichtliche Konstellation: Fünf Männer, Freunde von Kindheit an, allesamt einst «Alphawölfe» und «Überholspurfahrer», sind alt geworden und beschließen, die verbleibenden Jahre gemeinsam in einer Wohngemeinschaft zu verbringen. An Geld fehlt es keinem von ihnen, und so beziehen sie eine komfortable Villa am See: der Jurist Wilhelm, der Lebensmitteltechnologe Heinrich, der Software-Unternehmer Ernst, der Theaterregisseur Siegfried und schließlich Carl, einst Journalist und der Ich-Erzähler des Romans.

Und dann gibt es noch einen unsichtbaren Sechsten, der doch immer anwesend ist: den kleinen Martin, der damals auch zur Clique gehört hatte. Eines Tages wurde er tot im Weiher vor der Stadtmauer gefunden. Was war geschehen? Das Geheimnis seines Todes durchzieht das Buch und klärt sich erst ganz am Ende.

Bis dahin sind vier der fünf Alten schon gestorben - ins Jenseits befördert mit Hilfe eines skurrilen «Todesengelprogramms», das der Softwarespezialist Ernst für die Alten-WG ausgearbeitet hat und das so funktioniert: Jeder der fünf bestimmt verschlüsselt einen anderen aus der Runde - seinen «Todesengel», der ihm zum Sterben verhelfen soll. Ist der Zeitpunkt gekommen, so bekommt der Erwählte eine Nachricht und muss aktiv werden.

Das alles erzählt Poschenrieder, der brillante Stilist, in leichtem Ton. Er philosophiert über das Altern und die Vergänglichkeit, über Sterbehilfe und die letzten Wünsche im Leben. Zwar wirkt die Geschichte, in der auch noch eine kirgisische Pflegekraft auftaucht, hier und da ein wenig konstruiert und eindimensional. Einen großen Roman über ein brisantes gesellschaftliches Thema sollte man nicht erwarten. Doch lesenswert ist Poschenrieders Buch allemal.

- Christoph Poschenrieder: Mauersegler. Diogenes Verlag, Zürich, 224 S., 22 Euro, ISBN 978-3-257-06934-1.

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