Zum Tode von Roger Willemsen
Der kluge Beobachter

Der Bestsellerautor und frühere Fernsehmoderator Roger Willemsen ist tot. Er starb im Alter von 60 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg.

Montag, 08.02.2016, 17:02 Uhr

Roger Willemsen im Zuschauerraum des Kinos Babylon in Berlin.
Roger Willemsen im Zuschauerraum des Kinos Babylon in Berlin. Foto: dpa

Bekannt, ja berühmt geworden ist er durch das Fernsehen. Als Interviewer, der nicht durch vermeintliche Hartnäckigkeit, sondern durch Einfühlsamkeit die Gesprächspartner zum Sprechen brachte, machte er sich im Privatsender Premiere einen Namen. Dafür erhielt er im Jahr 1993 den Adolf-Grimme-Preis und ein öffentlich-rechtliches Angebot: Das ZDF gönnte ihm eine eigene Sendung auf dem Freitagabend-Kulturplatz: „Willemsens Woche“.

Wie kaum ein anderer Fernsehschaffender jedoch nutzte Roger Willemsen das Medium als Sprungbrett. Nicht für eine Karriere im banalen Sinn, sondern für eine Laufbahn, die ihn zum weithin beachteten Publizisten in Deutschland machte. Einem, der beachtenswerte Bücher schrieb, die dann auch Bestseller wurden; einem, der durch Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge zum Nachdenken anregte. Und der immer wieder zu Diskussionen und Moderationen eingeladen wurde, nicht nur, aber besonders gern zu Themen der Kultur.

Der Sinn besteht darin, die gegebene Frist sinnvoll zu nutzen. Nicht nur Spaß zu haben.

Roger Willemsen in einem Interview über den Sinn des Lebens

Solides akademisches Fundament

Kein Wunder bei seinem Background: Roger Willemsen wurde am 15. August 1955 als Sohn eines Kunsthistoriker-Ehepaars in Bonn geboren, studierte nach dem Abitur Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte und schrieb seine Doktorarbeit über den österreichischen Autor Robert Musil. Bevor er zum Fernsehen kam, arbeitete er unter anderem als Reiseleiter und Museumsführer, verfasste Reisebücher über Italien und berichtete für Zeitschriften und Hörfunk aus London. An der Uni München war er Assistent für Literaturwissenschaften.

Seine Kenntnisse im Bereich der Literatur führten etwa dazu, dass ihn Marcel Reich-Ranicki ins „Literarische Quartett“ einlud – später moderierte Willemsen selbst den renommierten „Literaturclub“ des Schweizer Fernsehens. Willemsens Bücher-Bewertungen hatten immer über reine Geschmacksurteile hinaus ein solides akademisches Fundament.

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Tweedjacken-Charme und Eitelkeit

Die Sendung „Willemsens Woche“ machte ihn über den kleinen Kreis der Premiere-Zuschauer hinaus bekannt. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bezeichnete sie als „Muster für intelligente, wenn nicht gar intellektuelle Unterhaltung“. Dem 1999 verstorbenen Jazzpianisten Michel Petrucciani bot er dort eine erstklassige Bühne. Willemsen konnte gut damit leben, dass längst nicht allen Zuschauern sein Tweedjacken-Charme und sein von Eitelkeit nicht ganz freier Stil gefielen: Durchaus kokett erzählte er von seinem Interview mit Pop-Größe Madonna, die sich dabei im Gespräch mit ihrem Psychiater wähnte. „Parfümiertes Parlando“ wurde ihm von Kritikern vorgeworfen – wozu man sagen muss: Eine Talk-Leistung, die solche Etiketten auf sich zieht, muss man erst mal erreichen. Dass Willemsen sich in der Fernsehserie „Pastewka“ selbstironisch parodierte, zeigt, wie bewusst er seine Rolle als Intellektueller des Massenmediums spielte.

Die Toten des Jahres 2016

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  • Foto: dpa, Montage: gap
  • Götz George (23.7.1938 - 19.6.2016) Nachruf

    Foto: dpa
  • Hans-Dietrich Genscher (21.3.1927 - 31.3.2016) Nachruf

    Foto: dpa
  • Guido Westerwelle (27.12.1961 - 18.03.2016) Nachruf

    Foto: dpa
  • Uwe Friedrichsen (27.5.1934 - 30.4.2016)

    Foto: dpa
  • Muhammad Ali (17.1.1942 - 3.6.2016)

    Foto: dpa
  • Rudi Altig (18.3.1937 - 11.6.2016)

    Foto: dpa
  • Roger Willemsen (15.8.1955 - 7.2.2016) Nachruf

    Foto: dpa
  • Peter Behrens (4.9.1947 - 11.5.2016)

    Foto: dpa
  • Margot Honecker (17.4.1927 - 6.5.2016)

    Foto: dpa
  • Prince (7.6.1958 - 21.4.2016) Nachruf

    Foto: dpa
  • Achim Mentzel (15.7.1946 - 4.1.2016)

    Foto: dpa
  • Wolfgang Michael „Wölli“ Rohde (9.1.1950 - 25.4.2016)

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Rupert Neudeck (14.5.1939 - 31.5.2016)

    Foto: dpa
  • David Bowie (8.1.1947 - 10.1.2016) Nachruf

    Foto: dpa
  • Hendrikje Fitz (15.9.1961 - 7.4.2016)

    Foto: dpa
  • Erika Berger (13.8.1939 - 15.5.2016)

    Foto: dpa
  • Bud Spencer (31.10.1929 - 27.6.2016)

    Foto: dpa
  • Karl-Heinz von Hassel (8.2.1939 - 19.4.2016)

    Foto: dpa
  • Tamme Hanken - (16 . 05.1960 - 10.10.2016)

    Foto: dpa
  • Shimon Peres - 2.8.1923 - 28.9.2016)

    Foto: dpa
  • Miriam Pielhau (12.5.1975 - 12.7.2016)

    Foto: dpa
  • Dario Fo (24.3.1926 - 13.10.2016)

    Foto: dpa
  • König Bhumibol Adulyadej von Thailand (5.12.1927 - 13.10.2016)

    Foto: dpa
  • Manfred Krug (8.2.1937 - 21.10.2016) Nachruf

    Foto: dpa
  • Leonard Cohen (21.9.1934 - 10.11.2016)

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Peter Hintze (25.4.1950 - 26.11.2016)

    Foto: dpa
  • Zsa Zsa Gabor (6.2.1917 - 18.12.2016)

    Foto: dpa
  • Fidel Castro (13.8.1926/1927 - 25.11.2016)

    Foto: dpa
  • George Michael (25.6.1963 - 25.12.2016) Nachruf

    Foto: dpa
  • Richard John ("Rick") Parfitt (12.10.1948 - 24.12.2016) Nachruf

    Foto: dpa
  • Carrie Fisher (21.10.1956 - 27.12.2016) Nachruf

    Foto: dpa

Bestseller-Autor

Willemsen Kreativität gründete sich auf seine Rolle als kluger Beobachter der Menschen und ihrer Welt. Daraus hat er später als Besteller-Autor Funken geschlagen, durch Reise-Essays wie „Die Enden der Welt“ oder durch die Betrachtungen eines Zuschauers im Deutschen Bundestag „Das Hohe Haus“.

Im August des vergangenen Jahres, kurz nach seinem 60. Geburtstag, war Willemsens Krebs-Erkrankung festgestellt worden. Ihren Folgen ist er am Sonntag in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg erlegen.

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