«Kreizkruzefix»
Passionsspiele, Tradition und Mord in Oberammergau

Mord inmitten der Proben zu den diesjährigen Passionsspielen in Oberammergau. Vor der Pest wurde der Ort seinerzeit bewahrt, nicht aber vor dem Corona-Virus.

Dienstag, 05.05.2020, 13:42 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 13:44 Uhr
«Kreizkruzefix» von Monika Pfundmeier spielt vor der Kulisse der Passionsspiele in Oberammergau.
«Kreizkruzefix» von Monika Pfundmeier spielt vor der Kulisse der Passionsspiele in Oberammergau. Foto: -

Berlin (dpa) - Am 16. Mai wäre es wieder soweit gewesen. Wie schon seit fast 400 Jahren hätten die Einwohner der bayerischen Gemeinde Oberammergau ein Versprechen aus der Zeit der großen Pestepidemie im 17. Jahrhundert erfüllt und wie alle zehn Jahre die Passionsgeschichte als Schauspiel aufgeführt.

Vor der Pest war Oberammergau damals bewahrt worden, aber dem Corona-Virus mussten sich die weltweit bekannten Passionsspiele jetzt beugen.

Davon konnte Monika Pfundmeier nichts ahnen, als sie ihren Krimi «Kreizkruzefix» schrieb, der die Proben zu den Passionsspielen 2020 als Hintergrund einsetzt. Aber auch ohne die Passionsspiele hat Oberammergau eine Geschichte zu bieten.

Die Geschichte beginnt am Montagabend der Woche, die mit der Passionsspiel-Premiere enden soll. In einem ehemaligen Bauernhof am Rande des Ortes werden zwei Leichen gefunden. Das Ehepaar, das aus dem Hof eine Gin-Destillerie gemacht hatte und hochfliegende Pläne verfolgte, ist brutal ermordet worden.

Mitten drin im Geschehen ist Theresa Hack , kürzlich noch Eventmanagerin in Wien, nun Metzgerin, Jägerin und Neugier in einer Person in Oberammergau. Sie hat die Leichen gefunden, hatte geschäftliche Beziehungen zu den Toten und schon von daher ein persönliches Interesse daran, dass der Täter gefunden wird.

Monika Pfundmeier baut die Passionsspiele sehr geschickt in die Romanhandlung ein. Die Polizei muss ermitteln, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekommt und negative Schlagzeilen entstehen. Und einige der Schauspieler waren in einer missglückten Werbekampagne für die Gin-Firma engagiert, die viel böses Blut hinterließ.

Die Ortspolizei ermittelt eifrig, wenn auch nicht immer kompetent, aber die unkonventionelle Theresa findet Mittel und Wege durch die Mischung aus traditionellem Schauspiel, Social Media und Wirtschaftsinteressen. Neben der Kriminalhandlung findet «Kreizkruzefix» wiederholt Platz, den Konflikt zwischen Tradition und Modernisierung zu thematisieren. Das wirft ein durchaus interessantes Licht auf das Leben der Menschen in Oberammergau und die Passionsspiele, der Krimispannung ist das aber nicht gerade zuträglich.

- Monika Pfundmeier: Kreizkruzefix. Ein Oberammergau-Krimi. Servus Verlag, Salzburg und München, 316 Seiten, Euro 14,00, ISBN 978-3-7104-0236-4.

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