Coroma-Pandemie
Zweiter Lockdown belastet Jahresbilanz des Buchhandels

Viele Menschen greifen im Lockdown gerne zum Buch - wenigstens Lesen ist möglich. Doch ausgerechnet in der umsatzstarkem Vorweihnachtszeit mussten viele Buchhandlungen geschlossen bleiben. Das schlägt sich in der Bilanz der Branche nieder.

Donnerstag, 07.01.2021, 15:52 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 15:54 Uhr
Der zweite Lockdown hat das Weihnachtsgeschäft im Buchhandel belastet.
Der zweite Lockdown hat das Weihnachtsgeschäft im Buchhandel belastet. Foto: Frank Rumpenhorst

Frankfurt (dpa) - Der zweite Lockdown mit erneuten Ladenschließungen hat die Bilanz des deutschen Buchhandels im vergangenen Jahr belastet.

Zwar konnte der Umsatzrückstand aus dem Lockdown im Frühjahr Monat für Monat verringert werden, wie aus dem Branchenmonitor hervorgeht. Die erneuten Ladenschließungen in der umsatzstärksten Zeit des Jahres Mitte Dezember sorgten allerdings für ein negatives Jahresergebnis.

Der Umsatz 2020 in den zentralen Vertriebswegen wie Sortimentsbuchhandel, E-Commerce, Bahnhofsbuchhandel oder Kaufhäusern lag den Angaben zufolge 2,3 Prozent unter dem des Vorjahres. Das von den Corona-Maßnahmen besonders betroffene stationäre Geschäft schloss das Jahr mit einem Minus von 8,7 Prozent ab.

Zwar spielte Lesen in der Krise eine herausragende Rolle, sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Die Nachfrage nach Büchern sei hoch gewesen. Doch «die erneuten Ladenschließungen mitten im Weihnachtsgeschäft stoppten die Aufholjagd, mit der es dem Buchhandel fast gelungen wäre, die Einbußen aus dem Shutdown im Frühjahr auszugleichen», so Schmidt-Friderichs. Angesichts der beschlossenen Fortsetzung des Lockdowns und der anhaltenden Ladenschließungen werde die Branche «mit einem massiven Minus in das Jahr starten.»

Dabei war der Buchhandel vor dem zweiten Lockdown auf einem guten Weg gewesen. Mitte April, nach dem ersten Lockdown, lag der Umsatzrückstand über alle Vertriebswege bei minus 14,9 Prozent. Bis Mitte Dezember betrug dieses Minus nur noch 0,3 Prozent. Das rein stationäre Geschäft verbesserte sich von minus 21,1 Prozent Mitte April auf minus 4,5 Prozent Mitte Dezember.

Das Weihnachtsgeschäft war den Angaben zufolge bis zum zweiten Lockdown überdurchschnittlich gut gelaufen mit wöchentlichen Umsatzsteigerungen von bis zu 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der umsatzstärkste Tag des Jahres 2020 war danach der 14. Dezember, zwei Tage vor den erneuten Ladenschließungen: An diesem Tag wurden im Buchhandel über alle Vertriebswege hinweg knapp 60 Prozent mehr umgesetzt, im Geschäft vor Ort sogar knapp 70 Prozent mehr als 2019.

Als einzige Warengruppe erzielten Kinder- und Jugendbücher über alle Vertriebswege hinweg im Vergleich zum Vorjahr deutliche Zuwächse von 4,7 Prozent. Den größten Rückgang verzeichnete - angesichts von Grenzschließungen und Reisewarnungen wenig überraschend - Reiseliteratur mit 26,1 Prozent. Belletristik, die bedeutendste Warengruppe des Buchhandels, schloss mit einem leichten Minus von 1,6 Prozent ab, Sachbücher mit minus 1,3 Prozent.

Die Perspektiven für Verlage und Buchhandlungen seien ungewiss, hieß es mit Blick auf das laufende Jahr. Die meisten Buchhandlungen bieten den Angaben zufolge während der Schließungen die kontaktlose Abholung bestellter Bücher an. Nur in Sachsen sei dies nicht erlaubt. «Wir fordern die Regierung Sachsens dringend auf, hier nachzuziehen», sagte Schmidt-Friderichs. «Der Abholservice ist für Buchhandlungen unabdingbar, um die Schäden durch die Schließungen abzufedern.»

© dpa-infocom, dpa:210107-99-934630/3

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