Auszeichnungen
Gertrud-Eysoldt-Ring für Steven Scharf

München/Bensheim (dpa) - Der Schauspieler Steven Scharf erhält am Samstag den Gertrud-Eysoldt-Ring 2013.

Freitag, 21.03.2014, 13:03 Uhr

Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung ist einer der bedeutendsten Theaterpreise im deutschsprachigen Raum, die auf Vorschlag der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste im südhessischen Bensheim vergeben wird.

Scharf , Jahrgang 1975, wird für seine herausragende Darstellung als «Judas» im gleichnamigen Einpersonenstück an den Münchner Kammerspielen ausgezeichnet. Nackt und mit dem Rücken zum Publikum versucht er dabei in einem furiosen Monolog, Verständnis für seine Tat zu erlangen. Über den Preis und seine Vorstellung von Theater sprach Scharf mit der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Man wird an Ihnen in Zukunft nicht vorbei kommen, sagt Frank Baumbauer. Sehen Sie das auch so?

Antwort: Ich habe ein breites Kreuz, aber das hatte ich schon vorher, und es war noch nie meine Absicht, irgendjemanden nicht an mir vorbei zu lassen.

Frage: Was macht Ihrer Ansicht nach einen guten Schauspieler aus - und was einen hervorragenden?

Antwort: Hemingway hat übers Schreiben gesagt, dass es seiner Ansicht nach darauf ankommt, bei der Beschreibung einer Situation oder Geschichte das Detail zu finden und zu erzählen, das das Gefühl ausgelöst hat. Ich mag als Zuschauer die Schauspieler, die das auch beim Spielen können, bei denen man etwas Ungreifbares ahnt und wiedererkennt.

Frage: Sie wurden vor allem für Ihre Darstellung in/als «Judas» mit Ruhm und Ehre überschüttet. War es eine besondere Herausforderung für Sie, allein auf der Bühne zu stehen?

Antwort: Nein. Wenn es ein «leichterer» Abend wäre, mehr eine launige Unterhaltung, dann würde ich mich damit schwerer tun. Aber dieses Stück und diese Figur ist so fremd, radikal, dringend, unangemessen, dass das ausgelieferte Allein- und Nacktsein eher hilft, sich dem zu nähern, die Aufregung, die diese Situation auf der Bühne auslöst, passt einfach zu dieser Figur.

Frage: Sie sind nun schon seit geraumer Zeit an den Kammerspielen. Bleiben Sie da? Oder wohin könnte der Weg noch gehen?

Antwort: Mal sehen, wie es kommt. Was ich sicher weiß: Ich will die Arbeit mit (den Regisseuren) Johan Simons und Stephan Kimmig fortsetzen, auch die Gelegenheit suchen, mal wieder mit Albrecht Hirche zu arbeiten. Aber die Kammerspiele sind eine Heimat, es ist mir eigentlich unvorstellbar, irgendwann gar nicht mehr dort zu spielen.

Frage: Ärgern Sie sich darüber, dass Theaterschauspieler weniger öffentliche Aufmerksamkeit bekommen als Fernseh-Stars?

Antwort: Der Umstand, dass Menschen den Weg in unser Theater antreten müssen, um es zu erleben, bringt es einfach mit sich, dass das nun mal viel weniger sind als zum Beispiel beim Fernsehen, wo man nur einen Knopf drücken muss. Das Erlebnis des Theaters kann man nicht mit nach Hause nehmen, obwohl ich es immer sehr gern habe, mir Aufführungen erzählen zu lassen. Ansonsten halte ich es da wie (Schauspieler) André Jung, der sagt: Ich wollte nie berühmt, sondern immer nur großartig sein.

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