Theater
Von Karrierefrauen und erfolglosen Schauspielerinnen

Mannheim (dpa) - Witzig, unterhaltend, aber auch oberflächlich hat sich die Uraufführung des Stücks «Herrinnen» von Theresia Walser im Mannheimer Nationaltheater präsentiert.

Mittwoch, 05.11.2014, 17:11 Uhr

Es geht um fünf Karrierefrauen , die alle glauben, sie hätten den «Staatspreis für weibliche Lebensleistung» gewonnen. Die von Burkhard C. Kosminski inszenierte 90-minütige Theatersatire wurde mit großem Beifall bedacht.

Mit viel Wortwitz konkurrieren die Powerfrauen von der disziplingestählten Managerin mit vier Kindern ( Sabine Fürst ) über die innovative Kindergärtnerin ( Katharina Hauter ) bis zur Mathematikerin Brenda (Sven Prietz), die früher Bernd hieß, hinter den Kulissen um die Frage, wer die Beste ist. Dabei geht es in einem einfachen schwarz-weißen Kulissenbild mit Tür (Florian Etti) nicht nur um Frauenprobleme nach dem Motto «Was soll ich anziehen?», sondern ebenso um die Einsamkeit von Karrierefrauen.

So hat die erfolgreiche Richterin Martha Menke wegen Karriere und fehlendem Mann noch schnell ihre Eizellen einfrieren lassen. Dagegen beschäftigt sich die innovativ-alternative Erzieherin Katie mit Gewalt unter Kleinkindern, während sich Rita daran «aufgeilt», dass sie es von einer Getränkefabrik-Sekretärin zur Vorstandsvorsitzenden eines internationalen Betonkonzerns gebracht hat. Die Managerin Tanja hat einen Kinder hütenden Mann und ist immer unterwegs.

Doch plötzlich wird im lustigen Profilierungsgeschwätz deutlich, dass die vier Schauspielerinnen und der eine männliche Darsteller nur ein Theaterstück im Stück selbst gespielt haben. Es geht in der Folge - etwas langatmig - darum, ob ältere Darstellerinnen wie die später gekündigte Luzi (Anke Schubert) und die von einer klassischen männlichen Hauptrolle träumenden Carla (Ragna Pitoll) überhaupt noch eine Chance auf der Bühne haben. In der trägen Probenatmosphäre des Karrierefrauen-Stücks offenbaren die Schauspieler, dass sie selbst nicht unbedingt charakterstark sind und große existenzielle Probleme und Ängste haben.

Sie spielen auf der Bühne Rollen, ohne selbst jemals eine solche Rolle im eigenen Leben eingenommen zu haben. Trotz der theatralischen Metaebene und der langsamen Auflösung aller Rollen am Ende bleibt das Stück weitgehend in der Lebens- und Erfahrungswelt von Theaterschaffenden verhaftet. Die erwartete Antwort, was ein gelungenes Leben oder eine gelungene Karriere ausmacht, lässt die 1967 geborene Autorin Theresia Walser offen. Die Tochter des Autors Martin Walser greift in ihren Stücken immer wieder gesellschaftliche Trends und zwischenmenschliche Probleme auf.

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