Oscar-Preisträger
«Unerschöpfliches Genie»: Michel Legrand mit 86 gestorben

Von Paris nach Hollywood: Der französische Pianist und Komponist Legrand gewann drei Mal den Oscar und arbeitete mit großen Stars zusammen. Zu seinen Ohrwürmern gehört «Windmills of Your Mind».

Sonntag, 27.01.2019, 12:57 Uhr aktualisiert: 27.01.2019, 13:00 Uhr
Der dreifache Oscar-Preisträger Michel Legrand ist im Alter von 86 Jahren gestorben.
Der dreifache Oscar-Preisträger Michel Legrand ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Foto: Georg Wendt

Paris (dpa) - Yves Montand, Miles Davis, Barbra Streisand - Der französische Pianist, Komponist und dreifache Oscar-Preisträger Michel Legrand arbeitete über Jahrzehnte hinweg mit den ganz Großen des Showgeschäfts zusammen.

Nun starb der für seine Filmmusik berühmte Künstler am Samstag nach Medienberichten in seiner Heimatstadt Paris. Auf seiner Website war zu lesen: «MICHEL LEGRAND, 24.02.1932 - 26.01.2019»

Sein Tod löste Trauer bis hin zur Staatsspitze aus. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte den Musiker ein «unerschöpfliches Genie» und einen der berühmtesten Schöpfer von Filmmusik. «Seine unnachahmlichen Melodien, die uns nicht aus dem Kopf gehen und die auf der Straße geträllert werden, sind wie Soundtracks unserer Leben geworden», resümierte der 41-jährige Macron. Legrand habe auch mit Ray Charles, Frank Sinatra, Charles Trenet oder der Chansonsängerin Édith Piaf zusammengearbeitet.

Nach dem weltbekannten Chansonnier Charles Aznavour, der vor knapp vier Monaten im Alter von 94 Jahren gestorben war, verliert das auf seine Kultur und Sprache so stolze Land eine weitere Musik-Legende.

Wie Aznavour hatte Legrand familiäre Wurzeln in Armenien. Die Liebe zur Musik wurde ihm quasi in die Wiege gelegt: 1932 als Sohn eines Orchester-Leiters in Paris geboren, studierte er später am Konservatorium bei der berühmten Pianistin Nadia Boulanger.

Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt die Musik zu «Die Regenschirme von Cherbourg» (1964) mit der jungen Catherine Deneuve. Der Musical-Film, der bis heute im Land Kultstatus hat, wurde mit der Goldenen Palme beim Festival in Cannes ausgezeichnet und für fünf Oscars nominiert.

Für den Film-Song «The Windmills of Your Mind» von «Thomas Crown ist nicht zu fassen» (1968) mit Steve McQueen und Faye Dunaway und die Soundtracks zu «Sommer '42» (1971) und «Yentl» (1984) mit Barbra Streisand gewann der Franzose jeweils einen Oscar. Seine Leidenschaft für Jazz führte ihn mit Miles Davis zusammen, im klassischen Bereich arbeitete er unter anderem mit der US-Opernsängerin Jessye Norman.

Legrands Karriere umspann rund sechs Jahrzehnte. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählten auch fünf Grammys. Er arbeitete bis zuletzt, für April habe er zwei Konzerte in der Hauptstadt geplant, berichtete der Radiosender Franceinfo.

Legrand schrieb auch die Musik für ein großes Ballett - es war zu Beginn des Jahrzehnts John Neumeiers Kreation «Liliom» nach dem Schauspiel von Ferenc Molnár gewesen. «Beim Film steht die Musik hinter den Schauspielern. Beim Ballett ist die Musik vorne», bilanzierte Legrand damals in Hamburg. Neumeier, langjähriger Ballet-Direktor in der Hansestadt, bezeichnete damals «Windmills of Your Mind» als einen seiner Lieblingssongs. Das Lied ist von Dusty Springfield und vielen anderen gesungen worden.

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