«Grenzen auflösen»
Auswahl für Berliner Theatertreffen steht

Die Bühne wird zur Antikenstätte oder zur Nebelmaschinenfabrik: Für das Berliner Theatertreffen hat eine Jury die «zehn bemerkenswertesten» Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgesucht.

Mittwoch, 30.01.2019, 16:29 Uhr aktualisiert: 30.01.2019, 16:32 Uhr
Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens, und Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele, holen «zehn der bemerkenswertesten Inszenierungen» nach Berlin.
Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens, und Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele, holen «zehn der bemerkenswertesten Inszenierungen» nach Berlin. Foto: Jörg Carstensen

Berlin (dpa) - Rund drei Monate vor dem Berliner Theatertreffen steht die Auswahl: Die Jury hat für das Festival die «zehn bemerkenswertesten» Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgesucht.

Dafür habe die Jury mehr als 400 Inszenierungen gesehen, sagte die Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer am Mittwoch.

Ausgesucht wurden gleich zwei Inszenierungen vom Staatsschauspiel Dresden. Beide basieren auf Romanvorlagen. Regisseur Sebastian Hartmann hat sich «Erniedrigte und Beleidigte» von Fjodor M. Dostojewski vorgenommen. Ulrich Rasche inszeniert «Das große Heft» nach dem Roman von Ágota Kristóf.

Kristófs Roman werde gerade an mehreren Bühnen entdeckt, sagte das Jurymitglied Christian Rakow . Er handle von zwei Jungs zu Weltkriegszeiten. «Das ist ein Buch voll sexueller Obsessionen, voll Gewalt. Ein sehr düsteres Buch», sagte Rakow.

Zum Theatertreffen vom 3. bis 19. Mai werden zehn Produktionen nach Berlin eingeladen. Darunter sind auch «Dionysos Stadt» der Münchner Kammerspiele, «Hotel Strindberg» vom Wiener Burgtheater, «Persona» vom Deutschen Theater in Berlin und «Tartuffe oder das Schwein der Weisen» vom Theater Basel.

Das Schauspiel Dortmund ist mit «Das Internat» eingeladen. Regisseur Ersan Mondtag habe auch das Bühnenbild gestaltet und schaffe ein archaisches «Horrorsetting», erklärte die Jury. In «Girl From The Fog Machine Factory» von Thom Luz, einer Koproduktion mehrerer Häuser, geht es um eine Nebelmaschinenfabrik.

Regisseur Thorsten Lensing nimmt sich in einer Koproduktion «Unendlicher Spaß» nach dem Roman von David Foster Wallace vor, ebenfalls eine Koproduktion, unter anderem mit dem Schauspiel Stuttgart, Kampnagel Hamburg und den Sophiensälen Berlin.

Das Bühnenkollektiv She She Pop schafft es mit «Oratorium» auf die Liste. Die Gruppe wurde in den 1990er Jahren am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft gegründet.

In «Oratorium» geht es um Privateigentum, sagte Jurorin Shirin Sojitrawalla. Der eigentliche Clou sei aber, dass das Publikum einbezogen werde. Es bekomme via Teleprompter den Text und könne sich dann einer Gruppe zuordnen. Es sei ein «vielstimmiger Theaterabend» über Eigentum und Nicht-Teilen-Wollen.

Büdenhölzer beobachtet, dass mehrere Stücke derzeit die Grenzen zwischen Bühne und Publikum auflösen. Das zeige auch Christopher Rüping mit «Dionysos Stadt», einem «10-stündigen Antikenspektakel», wie es die Münchner Bühne nennt. Außerdem habe sich die Jury diesmal entschieden, mehrere frei produzierte Stücke einzuladen. Das zeige, dass von dort viele künstlerische Impulse ausgingen, dafür aber Kooperationspartner nötig seien, sagte Büdenhölzer.

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