90 Produktionen
Ruhrfestspiele 2019 im Umbruch - «Poesie und Politik»

Vieles ist neu bei den Ruhrfestspielen 2019. Der Intendant heißt nun Olaf Kröck. Der Steinkohlebergbau, der am Anfang des Festivals stand, ist vorbei. Das Programm will auf den Umbruch reagieren - mit Tanz, Theater und Zirkus.

Mittwoch, 30.01.2019, 16:44 Uhr aktualisiert: 30.01.2019, 16:46 Uhr
Olaf Kröck ist neuer Intendant der Ruhrfestspiele. Er präsentiert erstmals das Programm.
Olaf Kröck ist neuer Intendant der Ruhrfestspiele. Er präsentiert erstmals das Programm. Foto: Bernd Thissen

Recklinghausen (dpa) - Die Ruhrfestspiele 2019 präsentieren sich unter dem neuen Intendanten Olaf Kröck als Schauspielfestival. Vom 1. Mai bis zum 9. Juni ist Recklinghausen Schauplatz von Uraufführungen, Deutschlandpremieren und Gastspielen berühmter Bühnen.

Das Programm umfasst 90 Produktionen mit 210 Veranstaltungen aus Theater, Tanz, Literatur, Musik, Zirkus und Kabarett.

Als Deutschlandpremiere kommt «The Prisoner» des britischen Theaterregisseurs Peter Brook auf die Bühne. Das Stück ist eine Koproduktion mit dem Théâtre des Bouffes du Nord aus Paris. Der gefeierte israelische Choreograph Hofesh Shechter präsentiert mit seinen Tänzern seine Arbeit «Grand Finale».

Intendant Kröck verwies bei der Vorstellung am Mittwoch in Recklinghausen auf den vor wenigen Wochen zu Ende gegangenen Steinkohlebergbau. Seine ersten Festspiele haben das Motto «Poesie und Politik». Das Theater habe dabei die Fähigkeit, eine Verbindung herzustellen, sagte er. Hollywood-Prominenz früherer Jahre wie Bill Murray oder John Malkovich fehlt dieses Jahr.

Deutschlandpremiere hat Ivo van Hoves Amsterdamer Inszenierung des Missbrauchs-Stücks «Ein wenig Leben» nach dem gleichnamigen, preisgekrönten Roman. Eine Rarität ist die 24 Jahre alte Inszenierung des Brecht-Stücks «Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui» in der Regie von Heiner Müller und mit Martin Wuttke in der Titelrolle. Als Uraufführung kommt «Das Heerlager der Heiligen» nach Jean Raspail, eine Koproduktion mit dem Schauspiel Frankfurt. Mit Gastspielen sind das Schauspielhaus Hamburg und die Münchner Kammerspiele vertreten. Eine Werkschau huldigt dem Regisseur Roberto Ciulli, der in Mülheim das Theater an der Ruhr leitet.

Der Literaturkritiker Denis Scheck lädt an mehreren Abenden zu Gesprächen mit Menschen, die auf ein Leben mit historischen Umbrüchen zurückblicken: Zu Gast sind Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und der 97 Jahre alte Autor und Filmemacher Georg Stefan Troller. Zu Lesungen kommen die Schauspieler Milan Peschel, Caroline Peters, Dietmar Bär und Charly Hübner. Als «Neuer Zirkus» sind acht internationale Kompagnien angekündigt.

Geldgeber der Ruhrfestspiele sind unter anderem die Stadt Recklinghausen, der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Konzern Evonik. Die Festspiele haben einen Etat von knapp sechs Millionen Euro, das ist etwa eine Million weniger als voriges Jahr. Den Grundstein für das Festival legten im Nachkriegswinter 1946/47 Bergleute, als sie Hamburger Schauspielern Kohle besorgten, um die Theater zu heizen.

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