Broadway-Musical „Paramour“ in Hamburg
Ganz großes Kino

Hamburg -

Artisten wirbeln durch die Luft, „fliegen“ an Seilen hoch oben über dem Publikum in der „Neuen Flora“ in Hamburg. „Paramour“ bringt die Artistik des Cirque du Soleil und die Welt des Musicals zusammen. Die bunte Show rund um Glanz und Glitter der Traumfabrik Hollywood ist ganz großes Kino.

Montag, 15.04.2019, 14:34 Uhr aktualisiert: 15.04.2019, 14:48 Uhr
Großes Finale:  Die Hauptdarsteller (v.l.) Anton Zetterholm (Joey­)­, Vajèn van den Bosch (Indigo) und Pasquale Aleardi (AJ) Der mutige Sturz in die Liebe – „Paramour“ verbindet die Akrobatik des Cirque du Soleil mit der Welt des Musicals.
Großes Finale:  Die Hauptdarsteller (v.l.) Anton Zetterholm (Joey­)­, Vajèn van den Bosch (Indigo) und Pasquale Aleardi (AJ) Der mutige Sturz in die Liebe – „Paramour“ verbindet die Akrobatik des Cirque du Soleil mit der Welt des Musicals. Foto: dpa

Zerbrechlich wirkt die Frau in Blau. Sie windet sich oben im weißen Scheinwerferlicht. Kräftige Männerhände ziehen sie hinauf aufs Trapez. Wie hat es der berühmte Filmregisseur AJ vorher versprochen: „Ich ziehe Dich hinauf – in den Himmel, in den Ruhm.“ Aber dort unten auf der Bühne, da ist noch Joey, der Pianist, der bodenständige Kleinstadtjunge – und der lässt seine Liebe nicht los. Das ist Ballett in einer erweiterten Dimension. Ein Ringen, ein Auf und Ab. Bis die Frau sich fallen lässt – kopfüber. Sie stürzt auf die Bühne zu. Jetzt müssen ihre roten Haare auf die Bretter schlagen.

Schockstarre im Publikum, da greifen Joeys kräftige Arme zu – im letzten Moment. Das von AJ zum Filmstar „Indigo“ gemachte Kleinstadtmädchen Mildred aus Indiana stürzt sich kopfüber in die Liebe – ohne Sicherungsnetz. Es ist ein uraltes Thema: eine Frau zwischen zwei Männern, aber es ist selten so poetisch behandelt worden – und sicher noch nie so akrobatisch wie im Broadway-Musical „Paramour“, das am Wochenende in Hamburg Europapremiere feierte.

Artisten fliegen über Zuschauer hinweg

Wahrhaft atemberaubende Akrobatik, mitreißende Tanzeinlagen, ergreifende Duette – dieses Musical, das die Artisten des Cirque du Soleil und die Musical-Experten von Stage Entertainment gemeinsam auf die Bühne der „Neue Flora“ bringen, verbindet das Beste aus zwei Welten.

"Paramour": Das erste Musical von Cirque du Soleil

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  • Das erste Musical des kanadischen Zirkus Cirque du Soleil «Paramour» ist ein Fest für die Sinne...

    Foto: John Davis
  • ... mit waghalsiger Akrobatik, mitreißender Swingmusik und viel Glamour.

    Foto: John Davis
  • "Paramour" spielt in den 1920er Jahren zu Zeiten der goldenen Ära Hollywoods.

    Foto: John Davis
  • Erzählt wird die Geschichte eines Regisseurs, der nach jungen Talenten für einen neuen Kinofilm sucht.

    Foto: John Davis
  • Er verliebt sich in seine Hauptdarstellerin, doch die junge Schauspielerin hat auch ein Auge auf den Pianisten geworfen, der den Titelsong für den Film komponieren soll.

    Foto: John Davis
  • Jeden Abend stehen 36 Ensemblemitglieder auf der Bühne, darunter 20 Akrobaten des berühmten Cirque du Soleil, zehn Tänzer und sechs Schauspieler. Dazu kommt eine sechsköpfige Band, die neben typischen Musicalballaden auch Swing und Charleston spielt. 

    Foto: John Davis
  • Foto: Stage Entertainment

Auf die Bühne? Nicht nur das: Die Artisten bewegen sich hoch oben über den Brettern. Sie lassen sich emporschleudern, sie „laufen“ vertikale Stangen hinauf, sie „fliegen“ in Gestalt der „Ather­ton Twins“ sogar über die Zuschauer hinweg, die manchmal kaum wissen, wo sie hinschauen sollen, um nichts von diesem bunten Spektakel, dieser grandiosen, glitzernden Show, zu verpassen. Ganz großes Kino eben.

Verfolgungsjagd über den Dächern New Yorks 

Apropos „großes Kino“ – in der Filmwelt und der glamourösesten Zeit der Traumfabrik Hollywoods ist dieser Musical-Traum auch angesiedelt: Die Geschichte des Regisseurs AJ, der seine Darsteller zwingt, „das Unmögliche möglich zu machen“, damit auf der Kinoleinwand für die Zuschauer im Dunkeln des Saals ein Traum entstehen kann. Pasquale Aleardi, Fernsehzuschauern als Kommissar Dupin aus den Bretagne-Krimis bekannt, beweist in dieser Rolle als Entdecker, Förderer und Verehrer der Filmdiva „Indigo“ (Vajèn van den Bosch) und Nebenbuhler des Musikers Joey (Ex-Tarzan Anton Zetterholm) großartig seine Wandlungsfähigkeit – und dass er singen kann.

Immer wieder zitiert dieses Musical bei Musik, Kostüm und Akrobatik Filmklassiker – von „Kleopatra“ bis zu „Vom Winde verweht“, vom Western „Calamity Jane“ bis zum Film noir reichen die Anspielungen. Großartig, wenn die Bühne sich plötzlich in viele kleine Zimmerchen teilt, in einzelne Bilder, und so selbst zum Filmstreifen wird.

Zu den grandiosesten Choreografien gehört die Verfolgungsjagd über den Dächern New Yorks – minutenlang und extrem kurzweilig. Ein Show-Down, der manchem Hollywood-Klassiker Ehre machen würde. Das Musical aus der Traumfabrik lässt die Zuschauer in Träumen schwelgen. 

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