Fernsehen
Mord in Eberswalde

Berlin (dpa) - Mit durchschnittener Kehle werden die beiden Jungen in einem Wald entdeckt. Unzählige Messerstiche bedecken ihre schmalen Körper. Es ist Frühsommer 1969 in der Kleinstadt Eberswalde, unweit von Ost-Berlin.

Mittwoch, 20.11.2013, 15:11 Uhr

Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld, m.) am Fundort der 3. Leiche. Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach,
Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld, m.) am Fundort der 3. Leiche. Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach, Foto: dpa

Bevor der Mörder gefasst wird, muss noch ein dritterJunge sterben. Im September 1972 wird der 20-jährige KindermörderErwin Hagedorn hingerichtet.

Der Film « Mord in Eberswalde » (WDR, 20.15 Uhr) zeichnet diesen spektakulären Kriminalfall der DDR nach. Die Suche nach dem rätselhaften Täter wird begleitet vom Konflikt zweier Ermittler und früherer Schulfreunde. Fast beklemmend steht im Raum: Wäre das dritte Opfer ohne ideologische Verbohrtheit zu retten gewesen?

Der eine, Kommissar Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld), ist bei derVolkspolizei in Eberswalde, der andere, Stefan Witt (FlorianPanzner), Major bei der DDR-Staatssicherheit. Das angespannteVerhältnis eskaliert, als Carla (Ulrike C. Tscharre) für dennachdenklichen und fast allzu guten Kommissar den strebsamen, aufKarriere bedachten Stasi-Offizier verlässt. Dieser warnt den Rivalenunverblümt: «Versuch nicht mit den großen Hunden um den Block zuziehen, wenn Du nicht hoch genug pinkeln kannst.»

Die Stasi bestimmt die Ermittlungen, auch die SED-Führung istwegen des fehlenden Fahndungserfolgs nervös. Doch als Gödicke dieFrage aufwirft, ob der Kindermörder psychisch krank und ein Opferseiner pädophilen Neigungen ist, stößt er auf blanke Ablehnung. «Esgibt keine homosexuellen Sadisten in Eberswalde - es gibt solcheObjekte im Sozialismus nicht», presst Stasi-Major Witt hervor.Parallelen zum westdeutschen Serientäter Jürgen Bartsch, der vierKinder tötete, darf es auch nicht geben.

Der Fall wird zu den Akten gelegt, obwohl Gödicke warnt, dass dietickende Zeitbombe erneut zuschlagen könnte. Im Herbst 1971 wirdwieder ein Junge in Eberswalde ermordet. Die Hartnäckigkeit desPolizisten zahlt sich nun aus. Erwin Hagedorn (Sergius Buckmeier)wird gefasst. Fast erleichtert gesteht der alles - regungslos,monoton. Wie ein Monster wirkt er nicht.

Regisseur und Grimme-Preisträger Stephan Wagner hat nach einemDrehbuch von Holger Karsten Schmidt inszeniert. Es sei auch ein Filmüber einen Mord, der von einem Staat begangen wurde, sagt Wagner lautWDR-Mitteilung. Schuld, Menschlichkeit, Umgang mit Straftätern, dieMacht der Stasi - all das beleuchtet der Streifen an dem einzelnenFall und bezieht daraus seine Spannung.

Bei der Darstellung des DDR-Alltags gibt es aber ein paar durchausverzichtbare Klischees - so ständig wehende DDR-Fahnen an grauenHäusern. Auch ein Dialog zum «antifaschistischen Schutzwall», derMauer, wirkt eher aufgesetzt.

Mit der Erschießung von Hagedorn wurde in der DDR das letzteTodesurteil in einem zivilen Fall vollstreckt. SED-Chef WalterUlbricht hatte das Gnadengesuch abgelehnt. Erst 1987 schaffte die DDRdie Todesstrafe ab. Ein geplanter «Polizeiruf 110» zum Fall Hagedornwurde im DDR-Fernsehen nie gezeigt. Das Filmmaterial wurdebeschlagnahmt.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2055771?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819674%2F1943462%2F2130892%2F
Karnevalsumzug in Gronau fällt aus
Wegen stürmischen Wetters: Karnevalsumzug in Gronau fällt aus
Nachrichten-Ticker