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Raacke kritisiert Krimi-Plage - Ferres hat einen Tick

Berlin (dpa) - Sie spielt eine unglückliche Single-Frau, er ist ihr Therapeut. Veronica Ferres (48) und der Ex-«Tatort»-Kommissar Dominic Raacke (55) sind am Montag gemeinsam in der ZDF-Komödie «Das Glück der Anderen» (7. April, 20.15 Uhr) zu sehen.

Sonntag, 06.04.2014, 14:33 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 03.04.2014, 14:24 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 06.04.2014, 14:33 Uhr

Beim dpa-Interview in Berlin sprechen die beiden über den Film, das «Unkraut» Fernsehkrimi und uncooles Twittern.

Frage: Frau Ferres , Sie kehren wieder zur Komödie zurück wie in Ihren frühen Kinorollen. War das schwer?

Ferres: Es war toll, mit der Regisseurin Claudia Garde und meinem Kollegen Dominic Raacke zusammenzuarbeiten. Es hat so Spaß gemacht, wieder diesen Schalk im Nacken zu spüren und mit ironischer Distanz zu sich selbst zu spielen. Dabei ist es viel schwieriger, komisch zu sein als tragisch. Du musst beim Timing genau auf dem Punkt sein. Das hat sehr viel mit Musikalität, Rhythmus und Präzision zu tun. Generell fühle ich mich bei der Komödie sehr wohl. Es ist das Genre, mit dem ich aufgewachsen bin. Meine Agentin hatte Recht, als sie sagte, ich solle wieder öfter in Komödien spielen. Und das mache ich jetzt auch.

Raacke: Ich finde, sie hat es ganz toll gemacht. (Ferres drückt ihm Kuss auf die Wange). Ja, und es war schön, nach so langer Zeit wieder miteinander zu arbeiten. Vor 20 Jahren standen wir das letzte Mal gemeinsam vor der Kamera . Das verbindet, man ist sich schnell wieder nahe, als ob man zusammen zur Schule gegangen wäre.

Frage: Die Figuren klingen nicht gerade sympathisch: Sie ist eine tablettensüchtige Kleptomanin, er ein Therapeut, der seine Freundin kurz vor der Hochzeit mit einer Patientin betrügt. Was war der Reiz?

Ferres: Ellen ist überhaupt nicht perfekt, aber eine ganz liebenswerte Frau, die jeden Tag damit konfrontiert ist, dem Glück der Anderen beizuwohnen. Selber steckt sie als Singlefrau, die sich immer die falschen Männer aussucht, im tiefen Unglück und Desaster.

Raacke: ... die mit Spielzeugigeln spricht, Diddl-Mäuse sammelt und eine dicke Katze in der Wohnung hat. Ich hab am Anfang gedacht, wie geht denn das: Wie kann man sich in so eine Frau verlieben? Aber wenn sie so toll, anspruchsvoll und perfekt wäre, würde das niemanden interessieren. So funktioniert ja auch Liebe manchmal: Es spricht eigentlich alles dagegen - und trotzdem verliebst du dich.

Frage: Ist Ihnen das auch schon passiert, sich in einem denkbar ungünstigen Moment zu verlieben?

Ferres: Ich verliebe mich jeden Tag bestimmt zehn Mal: In ein Lächeln eines Taxifahrers, in eine Blume am Straßenrand, in das Lachen von irgendjemandem, oder in den Sonnenschein. Ich bin ein Mensch, der im Augenblick lebt und sehr emotional und intuitiv ist.

Raacke: Es hat bei mir immer ganz gut hingehauen. Ich hatte nie das Problem wie der Christian im Film, der kurz vor der Heirat steht und mittendrin eine andere Frau kennenlernt. Was ich aber durchaus kenne, ist etwas zur Seite zu schieben oder zu vermeiden. Ich glaube, Männern passiert das häufiger.

Frage: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ferres: Ich war vorher im Standesamt und habe zugeguckt. Wir haben geprobt und viele Drehbuchfassungen mitentwickelt. Wir haben uns einfach aufeinander eingelassen, so sehr, dass bei der Liebesszene vor lauter Energie und Leidenschaft das Bett zusammengebrochen ist (lacht) ...

Raacke: ... und nicht nur einmal.

Frage: Waren Sie mal in so einem Stuhlkreis wie bei den Therapieszenen?

Raacke: Ein bisschen kenne ich mich aus, ich habe eine langjährige Psychoanalyse gemacht. Es ist ein sehr intimer und schützenswerter Raum.

Ferres: Ich habe Psychologie studiert. Da hat man das nicht in Gruppensitzungen im Stuhlkreis, sondern in Einzelsitzungen gemacht.

Frage: Finden Sie, dass es wieder grundsätzlich mehr Komödien geben sollte? Gibt es zu viele Krimis?

Raacke: Es ist eine Plage. Das ist wie Unkraut, es wuchert überall und gibt anderen Genres keine Möglichkeit sich zu entwickeln. Es wird Zeit, sich umzuorientieren. Im Fernsehen möchte ich noch etwas anderes sehen als eine Leiche, zwei Polizisten und einen gelösten Fall am Ende. Das ist auf die Dauer einschläfernd, mutlos und langweilig. Langfristig ist es sogar gefährlich, wenn man so eine Monokultur betreibt. Wir müssen uns mehr trauen und auch andere Geschichten erzählen. Ein fruchtbarer Boden braucht Vielfalt. Aber das wird kommen. Da bin ich mir sicher.

Frage: Suchen Sie immer mit einem Radar nach Rollen oder Themen?

Raacke: Ja, es gibt noch so viele tolle Rollen, die ich spielen könnte und jede Menge Geschichten, die ich als Autor erzählen möchte.

Ferres: Da gibt es diesen Tick von mir. Ich habe Hunderte von Büchern und lese viele Stoffe. Bei vielen davon denke ich: Das muss man erzählen. Ich habe sechs Wochen gedreht. Und was mache ich am ersten freien Morgen? Ich bringe mein Kind in die Schule und bin danach zwei Stunden lang im Buchladen. Dann komme ich mit zwei Taschen wieder raus. Und dann ist schon wieder etwas dabei, bei dem ich herausbekommen möchte, ob die Filmrechte dafür noch zu haben sind.

Frage: Wie finden Sie, dass neuerdings beim Filmegucken nebenher getwittert wird?

Ferres: Das ist sowohl Fluch als auch Segen ... zum einen finde ich es großartig. Ich habe das bei meinem letzten Film gemacht, «Mein Mann, ein Mörder», auch fürs ZDF. Der hatte eine gigantische Quote, siebeneinhalb Millionen Zuschauer mit Arte zusammen. Das hatte sicher auch damit zu tun. Meine Follower erfahren so viele Hintergrundinfos vom Filmdreh, ein bisschen wie ein Making of. Ich werde auch bei diesem Film live twittern und freue mich schon drauf. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch aufpassen, dass wir nicht eine Kultur der Flüchtigkeit etablieren. Es ist schon sehr wichtig, sich auch mal auf eine Sache zu konzentrieren und nicht immer alles übereinanderzulagern.

Frage: Sie haben mit Ihrer Tochter zu Hause einen «Digital Native», der mit dem Internet groß geworden ist.

Ferres: Da haben Sie Recht. Die sagt mir dann zum Beispiel: Mama, jetzt hast du Essen getwittert. Wie uncool ist das denn!

ZU DEN PERSONEN: Veronica Ferres (48) gilt als eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands. Die gebürtige Solingerin wurde mit Filmen wie «Schtonk!» und «Das Superweib» bekannt. Schauspieler und Drehbuchautor Dominic Raacke (55) lernte das Bühnenhandwerk als junger Mann in New York. Von 1999 bis 2014 war er Berliner «Tatort»-Kommissar.

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